Mobilheime stehen in Roetgen bereit

Von: heg
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Am Mittwoch wurden im Wiedevenn im Zentrum von Roetgen die beiden ersten von insgesamt vier Mobilheime auf Tiefladern angeliefert, die Platz für bis zu 24 Bewohner bieten. Foto: heg

Roetgen. Bei der Mitgliederversammlung der Roetgener SPD war neben der Wahl von Janine Köster zur neuen Vorsitzenden die Flüchtlingssituation ein beherrschendes Thema. Bürgermeister Jorma Klauss gab seinen Parteifreunden detaillierte Informationen über die aktuelle und die zu erwartende Lage und erläuterte die von der Gemeinde geplanten Maßnahmen zu ihrer Bewältigung.

Gegenwärtig leben in Roetgen 188 Flüchtlinge. Bis Ende März werde es keine weiteren Zuweisungen geben, das verschaffe eine Verschnaufpause für weitere Vorbereitungen, erklärte der Bürgermeister. „Die Menschen werden kommen, trotz Stacheldraht und Tränengas“, ist Klauss überzeugt. Für 2016 werden daher in Roetgen weitere 200 Flüchtlinge erwartet.

Die Unterkunft am Kuhberg ist überlastet, zudem ist eine dezentrale Unterbringung zur Förderung der Integration das erklärte Ziel von Politik und Verwaltung. Bislang konnte die Gemeinde dazu 24 Wohnungen oder Häuser anmieten, aber nun scheine der Wohnungsmarkt „leer gefegt“.

Der Bürgermeister betonte, dass alle Unterkünfte zu fairen Bedingungen angeboten wurden, in Roetgen herrsche auch in dieser Hinsicht eine gute Willkommenskultur. „Die Gemeinde ist ein guter Mieter“, warb er um weitere Angebote von Wohnraum.

Um den Bedarf für die nächsten Jahre zu decken, wolle die Gemeinde mehrgleisig fahren. Als langfristige Perspektive wird auf einem an der Pilgerbornstraße angekauften Grundstück ein Mehrfamilienhaus als sozialer Wohnungsbau errichtet. Weitere Grundstücke sollen für fünf bis zehn Jahre angemietet werden. Für den kurzfristigen Bedarf können darauf Mobilheime errichtet werden, wie es zurzeit am Wiedevenn geschieht.

Hier können dann in vier Einheiten bis zu 24 Personen untergebracht werden. Mittwochmorgen wurden die ersten beiden Heime auf niederländischen Tiefladern angeliefert. Die Heime auf Rädern entsprechen den Unterbringungsmöglichkeiten wie man sie vielfach auf Dauercampingplätzen an der holländischen Küste vorfindet.

Bei den längeren Mietverträgen, so Klauss, rechne sich die Investition in Häuser in Holzständerbauweise. Erfreulicherweise gebe es in Roetgen einen sehr aktiven Flüchtlingsrat, berichtete Klauss weiter. Ca. 80 Personen engagieren sich ehrenamtlich in der Betreuung der Flüchtlinge und nehmen der Gemeinde dadurch viel Arbeit ab. Dennoch kommen die Mitarbeiter der Verwaltung durch die große Zahl an ihre Grenzen, so dass auch hier neue Strategien zu entwickeln sind.

Die Erwartung an die Bundesregierung sei, dass sie die Fluchtursachen bekämpft und sich auch dem Problem der Abschiebung stellt. Behörden müssten leistungsfähiger gemacht und ein „vernünftiges Einwanderungsgesetz“ geschaffen werden. Zugleich betonte der Bürgermeister, dass die Kommunen finanziell von Bund und Land nicht im Stich gelassen würden.

Der Unterbezirksvorsitzende Martin Peters wies darauf hin, dass das Land den gleichen Betrag wie der Bund insgesamt zur Verfügung stelle. „Im Mittelpunkt muss der Mensch, nicht die ‚schwarze Null’ stehen“, forderte er. Auf die Frage nach Reaktionen in der Bevölkerung sprach Jorma Klauss von „vielen „Facetten“.

Grundsätzlich sei die Zustimmung bemerkenswert positiv, wenn sie auch öfters am eigenen Gartenzaun aufhöre. Sorgen bereite allerdings, dass immer wieder die wildesten Gerüchte kursieren und die Bevölkerung verunsichern, z. B., dass Hunderte Flüchtlinge im ehemaligen Edeka-Gebäude untergebracht werden sollen oder dass mit 100 zusätzlichen Grundschülern (bei insgesamt 200 zu erwartenden Neuankömmlingen!) zu rechnen sei.

Aktuell besuchen nur acht Flüchtlingskinder die Grundschule und das funktioniere nach Auskunft der Schulleitung sehr gut. Diesen Problemen wolle die Gemeinde mit einer aktiven Informationspolitik entgegentreten und sich Diskussionen stellen. Der gut besuchten Info-Veranstaltung im Januar sollen regelmäßig weitere folgen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Onasch hob besonders die Einigkeit aller Fraktionen im Rat hervor. „Da passt keine Handbreit dazwischen“, bekräftigte seine Ratskollegin Janine Köster. Der neue stellvertretende Vorsitzende Mario Johnen rief dazu auf, die Flüchtlinge in der Gemeinde trotz aller Probleme als Bereicherung und, auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, als Chance zu sehen.

Einig waren sich auch alle Genossinnen und Genossen darüber, dass Begegnungen zu ermöglichen und Kommunikation herzustellen der beste Weg sei, um Vorurteile abzubauen und Integration zu fördern – vielleicht schon bald mit einem gemeinsamen Fest.

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