Mobilfunkmast geht den Bürgern auf die Nerven

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:

Steckenborn/Strauch. Wie gefährlich ist ein Mobilfunkmast? Geht dessen Strahlung langfristig an die Gesundheit? Seit Jahren streiten sich die Gelehrten. Die Verunsicherung der Menschen ist oft groß. Dennoch werden immer mehr dieser Masten in die Landschaft gepflanzt.

Gegen ein solches Vorhaben in Strauch formiert sich mittlerweile vehementer Widerstand in der Bevölkerung. Dort soll in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung und zum Kindergarten ein 40 Meter hoher Mast errichtet werden.

Die Gemeinde Simmerath hat Ende März dem Vorhaben das „Einvernehmen versagt”, wie es im Bürokratendeutsch heißt. Will sagen: Der Planungsausschuss der Gemeinde ist mit dem Vorhaben an dieser Stelle nicht einverstanden. Allerdings ist diese Ablehnung eher ein politisches Signal als eine bindende Entscheidung. Denn das Errichten eines Mobilfunkmastes ist ein so genanntes privilegiertes Vorhaben und darf sogar im Außenbereich umgesetzt werden.

Nicht viel ausrichten

Voraussetzung ist, dass der potenzielle Betreiber einen vorgeschriebenen Prüfungskatalog ohne Beanstandungen abgearbeitet hat. Dann kann die Gemeinde Simmerath nicht viel ausrichten, und auch der Kreis Aachen nicht, an den sich Bürger aus Strauch und Steckenborn mittlerweile hilfesuchend gewandt haben.

Zu den bereits 45 vorliegenden Unterschriften sind unter der Woche 448 hinzugekommen. Die besorgten Bürger haben Landrat Carl Meulenbergh und Umweltdezernent Uwe Zink ihre Bedenken mitgeteilt. Vor allem die mögliche Gesundheitsgefährdung wird ins Feld geführt.

In einem Brief an den Landrat heißt es unter anderem, auch wenn die mögliche Gesundheitsgefährung nach der bisherigen Rechtsprechung nicht als Argument gegen den Bau von Mobilfunkmasten zugelassen werde, so sei die Befürchtung, dass die Dauerbestrahlung gesundheitliche Spätfolgen auslösen könne, nicht von der Hand zu weisen.

Leukämie und Hirntumore

Wie das Umweltinstitut München betone, lieferten Untersuchungen im Hochfrequenzbereich ernst zu nehmende Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko, ein Risiko vor allem von Leukämie und Hirntumoren. Überdies verschandele ein Mobilfunkmast an dieser Stelle das Landschaftsbild, schreibt Peter Esser im Namen der Bürger aus Strauch und Steckenborn.

Ähnlich äußern sich Alice und Walter Koll in einem Schreiben an Uwe Zink. Auch sie verweisen auf die „schädlichen Umwelteinwirkungen” und die möglichen Spätfolgen für die Gesundheit. Und auch sie beklagen die unvertretbare Beeinträchtigung des Landschaftsbildes an dieser Stelle.

Wie der Gemeinde, so sind auch dem Kreis Aachen weitgehend die Hände gebunden, wie Dezernent Uwe Zink unserer Zeitung bestätigte. Sollte der Betreiber die Vorgaben in allen Punkten erfüllen, dann gebe es rechtlich keine Möglichkeit, ihm die Genehmigung zu verweigern. Das hat der Gesetzgeber klar geregelt.

Moralischer Aspekt

Das heißt mit anderen Worten, Gemeinde Simmerath und Kreisverwaltung Aachen können wegen der Nähe zu einem Kindergarten höchstens mit dem moralischen Aspekt punkten und den Betreiber freundlich bitten, einen anderen Standort auszuwählen oder sich möglicherweise mit dem Betreiber eines anderen, bereits existierenden Mastes zusammenzutun und diese Anlage gemeinsam zu nutzen. Lehnt er das ab, darf er seinen Mast an der vorgesehenen Stelle errichten.

Geprüft wird im Kreishaus noch die landschaftsplanerische Komponente, wie Uwe Zink erläuterte. Da gibt es für den Betreiber Vorgaben und Grenzen, was dazu führen kann, dass der Landschaftsbeirat des Kreises Aachen die Sache kippt. Dann kommt das Thema zwangsläufig in den Kreisausschuss, und dort werden die Karten möglicherweise neu gemischt ...
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