Mit Volldampf zur Produktion von Biogas

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:
Voll im Plan: Beim Bau der Bio
Voll im Plan: Beim Bau der Bioabfall-Vergärungsanlage in Würselen wird sowohl der Kosten- als auch der Zeitrahmen eingehalten, freut sich Projektleiter Joseph Stiller. Derzeit wird unter anderem der Betriebshof vor der neuen Halle asphaltiert. Foto: Ralf Roeger

Würselen. Joseph Stiller lächelt zufrieden. „Wir liegen voll im Plan”, sagt der für die Kompostierung zuständige Projektleiter der kommunalen AWA Entsorgung GmbH. Will heißen: Am 23. Januar, knapp neun Monate nach Baubeginn, werden die ersten Lastwagen Biomüll aus Privathaushalten und Grünschnitt in die neue Bioabfall-Vergärungsanlage in Würselen bringen.

Drei Wochen später, am 15. Februar, wird dann mit dem ersten Biogas im Blockheizkraftwerk Strom und Wärme erzeugt. „Die ersten 100 Tage läuft die Anlage im Probebetrieb, während dieser Zeit kann sie nachjustiert werden - und am 27. April 2012 wird sie offiziell eingeweiht.”

Voll im Plan liegen aber nicht nur die Bauarbeiten und die Installation der Technik, betont Karl Rambadt, Technischer Leiter der AWA Entsorgung. „Die von uns beauftragten Firmen haben es auch geschafft, den Kostenrahmen einzuhalten. Das ist bei so großen Projekten - die reinen Baukosten liegen hier bei acht Millionen Euro -nicht selbstverständlich.”

Strom, Wärme und Kompost

Rund 62.000 Tonnen Bioabfall produzieren die Bürger in der Städteregion und im Kreis Düren im Schnitt pro Jahr, den kommunalen Grünschnitt eingerechnet. Doch nur knapp ein Sechstel des Aufkommens kann bislang im Zuständigkeitsbereich der AWA behandelt, sprich: zu Kompost verarbeitet werden. Gut 51.000 Tonnen des Mülls werden per Lastwagen zu Kompostierungsanlagen in Köln und Erftstadt verfrachtet. „Das sind mehr als 2500 Lastwagen, die pro Jahr mit dem Müll durch die Gegend fahren”, sagt Rambadt.

Ab Januar wird das anders: Die Zahl der „Exportfahrten” wird deutlich reduziert. Denn in der neuen Vergärungsanlage, die in die bestehende Kompostierungsanlage am Weiweg in Würselen integriert ist, können pro Jahr 30.000 Tonnen Grünschnitt und Lebensmittelreste wie Kartoffelschalen, Salat oder Kohl aus der Biotonne verarbeitet werden - zu Strom, Wärme und - wie bisher - Kompost. Und das freut Bürger und Umwelt gleichermaßen. Schließlich verursachen weniger Lastwagen auf den Straßen weniger Verkehrslärm und zugleich weniger Schadstoffausstoß. „Der CO2-Ausstoß wird pro Jahr um schätzungsweise 80 Tonnen gesenkt”, sagt Stiller. Allein durch die Reduzierung der Transporte, die Vergärung des Biomülls an sich bringe keine CO2-Ersparnis. „Aber der Nutzen liegt in der Verwertung des anfallenden Gases für die Strom- und Wärmeerzeugung.” Was natürlich im Endeffekt dazu beitrage, dass weniger Öl oder Kohle verbraucht werde.

Immerhin kann das Blockheizkraftwerk in der neuen Anlage aus den bei der Vergärung anfallenden Biogasen pro Jahr 3,4 Millionen Kilowattstunden Strom und 3,7 Millionen Kilowattstunden „thermische Energie”, also Wärme, erzeugen. Die Strommenge entspricht etwa dem Verbrauch von 1000 Privathaushalten. „Der Strom wird zu 100 Prozent ins Stromnetz eingespeist, die Wärme nutzen wir vor Ort”, erläutert Rambadt. Zum einen für die Anlage selbst - die Mikroorganismen, die den frischen Bioabfall zersetzen, brauchen eine bestimmte Temperatur für ihre „Arbeit” - und die Beheizung der Gebäude, zum anderen siedelt sich unmittelbar an der Anlage ein kaminholzproduzent an, der Wärme für die Holztrocknung benötigt. Frühere Überlegungen, die Wärme für die Beheizung des Betriebsteils Marienhöhe des Medizinischen Zentrums der Städteregion in Würselen zu nutzen, waren schnell vom Tisch. „Dazu hätten wir Leitungen bis dahin bauen müssen, und das ist viel zu teuer”, sagt Rambadt. Da sei die jetzige Lösung - der Abnehmer der Wärme kommt zum Wärmeproduzenten - deutlich günstiger.

Wird es denn auch günstiger für die Bürger? Sprich: Werden die Abfallgebühren sinken? „Wir stellen den Kommunen im kommenden Jahr jedenfalls vier Euro je Tonne Biomüll weniger in Rechnung”, sagt Rambadt. Inwieweit die Kommunen diese Ersparnis an die Bürger weitergeben (können), ist offen. Zumal sich die kommunalen Müllgebühren aus vielen Positionen zusammensetzen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert