Mit „Rigoletto” kehrt die Klassik zurück

Von: P.St
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Monschau
Mit der Opernaufführung „Rigoletto”, dargeboten in konzertanter Form auf einer kleinen Bühne vor dem Roten Haus, erfuhr die Monschauer Altstadt eine spürbare kulturelle Belebung. Mit im Publikum auch Schlagersänger Heino. Foto: Peter Stollenwerk

Monschau. Es wurde der von allen Beteiligten herbeigesehnte rundum perfekte laue Sommerabend, als am Freitagabend nach 58-jähriger Pause die Festspiele zurückkehrten in die Monschauer Altstadt.

Mit der Opernaufführung „Rigoletto”, dargeboten in konzertanter Form auf einer kleinen Bühne vor dem Roten Haus, erfuhr die Altstadt eine spürbare kulturelle Belebung, die geradezu nach einer Fortsetzung ruft.

Rund 500 Besucher, darunter weit über die Hälfte Monschauer Bürger, hatten in der idealen Kulisse für die 150 Jahre alte Verdi-Oper Platz genommen, und freuten sich in entspannter und wohltuender Atmosphäre auf die Zusatzaufführung der Mon-Klassik 2010.

Auf einen „musikalischen Kunstgenuss” bei dieser fast italienischen Nacht freute sich auch Heino, Deutschlands bekanntester Volkssänger, der gemeinsam mit Gattin Hannelore der Einladung nach Monschau gefolgt war und auch kurzfristig im Mittelpunkt des Abends stand, als eine kleine Fangruppe dem kultigen Barden aus dem Dachgeschoss des Tuchschererhauses zuwinkte. Heino dagegen grüßte Stargast Eva Lind, die in der Rolle der Gilda auf der Bühne glänzte. „Ich kenne Eva Lind sehr gut, und freue mich auf den Abend in dieser nicht zu übertreffenden Atmosphäre in Monschau”, geriet auch Heino ins Schwärmen. Wird man ihn vielleicht demnächst öfter in Monschau sehen?

Schon zeitig waren die Besucher in die seit dem Nachmittag für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrte Stadt gekommen, um ebenfalls jene besondere Atmosphäre zu genießen. In der Laufenstraße waren Stehtische aufgestellt, und die Bürgerschützen bewirteten die Gäste zur Ouvertüre. Die Dachterasse des Eifelstübchens wurde zum Logenplatz für die Aufführung, aber auch in die umliegenden Fenster drang der Klang der Musik.

Die ersten Worte des Abends gehörten Harry Voigtsberger, dem Direktor des Landschaftsverbandes Rheinland, der die Aufführung vor dem Roten Haus erst ermöglichte. Den Anlass boten die Rheinlandtage, die vom 20. bis 27. Juni gefeiert wurden. Unterdessen sank lang die Sonne hinter dem Burgberg, und die Schatten kletterten zügig hoch an der Fassade des Roten Hauses. Mauersegler umschwirrten den Platz und leise rauschte an der Bühne der Laufenbach vorbei.

Da wurden schnell Erinnerungen bei den betagteren Monschauern wach, die sich noch gut an die einstige Spielstätte vor dem Roten Haus erinnern können, so auch der Journalist Kaspar Vallot, Zeitzeuge der letzten Aufführung vor dem Roten Haus im Sommer 1952, als hier Mozarts Frühwerk „Bastien und Bastienne” gespielt wurde. Das Orchester saß über dem Laufenbach, „und mit der Musik setzte auch der Regen ein”, erinnert sich Vallot, wie auch an den nachfolgenden überstürzten Umzug der Akteure in die Turnhalle Rosental, wo die Aufführung mehr schlecht als recht über die Bühne ging.

Kindheitserinnerungen werden bei Guido Breuer vor dem Roten Haus wach. Er spielte vor 60 Jahren bei einer Aufführung die Rolle eines Ministranten: „Wir zogen uns im Kolpinghaus um und ich schritt stolz und aufgeregt den Stehling hinunter. Das war der Beginn meiner Karriere als Schauspieler”, schmunzelt der bekannte Monschauer Senfmüller, und er ist sich in seinem Urteil über die aktuelle Aufführung mit wohl mit allen Beteiligten einig: „Das ist eine tolle Sache für Monschau.”

Mit Beifall begrüßt das Publikum dann Philipp van Buren, der die routiniert aufspielende Kammerphilarmonie St. Petersburg dirigiert. Die Musiker haben im kleinen Hofe vor Monschaus Wahrzeichen Platz genommen; zur besseren Sicht für die Zuschauer ist das Hauptgitter und das Eingangstor zum dem Roten Haus abgebaut worden. In der reduzierten Aufführung auf der Altstadt-Bühne ersetzt das Gesangsensemble Aix la Chapelle den Chor, und Hofnarr Rigoletto (Riccardo Lombardi) tritt im Smoking auf, was die Rolle nicht leichter macht. Die beiden Eichentüren zum Eingang des Roten Hauses bilden den Bühnenzugang, und wohl selten dürften Darsteller eine so feudale Garderobe bezogen haben.

Das Publikum ist verzückt, als Opernstar Eva Lind dann im farbenfrohen Abendkleid die Bühne betritt und der Glanz der großen Oper sich über den Platz legt. Ihr strahlender Sopran begeistert das Publikum ebenso wie der voluminöse Tenor Andrej Dunaev in der Rolle des Herzogs. Da hätte man gern gesehen, dass Igor Storozenko (Bass) und Veronica Amarres (Mezzosopran) noch etwas von ihrer Zurückhaltung abgelegt hätten.

Nach der zweistündigen Aufführung bedanken sich die Zuschauer mit Standing Ovations, und Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter überreichte Erinnerungsgeschenke, einen Blumenstrauß für den Hauptdarsteller und Rosen für die anderen.

Dann wurden die Zuschauer in den Monschauer Sommerabend entlassen. Einige Lokale in der Altstadt hatten die lauschige Atmosphäre des Abends aufgenommen, um den Gästen einen runden Ausklang dieses bezaubernden Opernabends zu bieten.
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