Mit Qualität gegen die Milchkrise kämpfen

Von: hes
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Mindestens 180 Tage im Jahr weiden die rund 120 Milchkühe von Markus Legge auf der Imgenbroicher Höhe oberhalb von Menzerath. Die hochwertige Biomilch, die die Kühe über den Melkroboter abgeben, gibt es demnächst an einem Dutzend Automaten in der gesamten Städteregion (großes Bild). Mit diesem Logo werben die beiden Monschauer Landwirte für ihre Biomilch, die in Kürze auch in den Städten erhältlich ist. Foto: Heiner Schepp
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Die neue NRW-Umweltministerin Christina Schulze-Föcking (re) informierte sich auf dem Hof der Familie Radermacher in Sief über die regionale Erzeugung einer eigenen Sternenfair-Weidemilch. Foto: H. Müller

Monschau. In Deutschland bewegen sich die Milchpreise Anfang September zwischen 42,0 und 42,5 Cent und damit deutlich über der 40-Cent-Marke. Im Vergleich zum August haben die sogenannten Spotmarktpreise damit je nach Region nochmals leicht um 0,5 bis bis 1,0 Cent zugelegt.

Von November 2016 (41,0 Cent) bis April 2017 (30,0 Cent) waren die Preise am Spotmarkt in Deutschland zunächst um mehr als 10 Cent zurückgegangen und dann ab Ende Mai wieder kräftig gestiegen.

„Im Moment ist etwas Ruhe im Karton. Aber wie schnell sich das ändern kann, haben wir in der Vergangenheit schon oft genug erfahren müssen“, sagt Markus Legge (54), Milchbauer aus Imgenbroich mit 120 Tieren. Auch deshalb liefert Legge seit Anfang 2015 seine rund 850.000 Liter Biomilch zu EKO-Holland, einer reinen Erzeugergemeinschaft mit rund 130 Biobetrieben, die von sechs Kollegen gemanagt wird.

Die Milch werde von der Erzeugergemeinschaft an zwölf Molkereien verteilt, erläutert der Imgenbroicher Landwirt. „Wenn die niederländischen Tanklaster früh morgens die Milch bei mir abholen, wissen die Fahrer oft noch nicht, wo die Reise an diesem Tag hingehen wird“, weiß Markus Legge, lobt aber die flexiblere Ideologie in unserem Nachbarland.

Obschon Legge wie zwei Kollegen aus der Nordeifel den Wechsel zu EKO-Holland bislang nicht bereut hat, werden die Niederländer demnächst mit weniger Milch vom Weideland um Imgenbroich und Hoscheid auskommen müssen. Denn Markus Legge und sein Kollege Josef Thomas, der einen Nebenerwerbshof in Hoscheid betreibt, steigen schon bald in die Direktvermarktung ihrer Milch ein.

Dazu gründen sie sogar eine eigene Molkerei, deren Halle und Räumlichkeiten derzeit im B-Trakt des Imgenbroicher Himo hergerichtet werden. „Wir werden unsere Milch dort pasteurisieren, also für 15 bis 20 Sekunden auf 72 bis 74 Grad Celsius erhitzen“, erläutert Legge das Prozedere. Anschließend wird die Milch in Kühltanks gelagert und zeitnah an ein Dutzend Stellen in der Städteregion – vom Nordkreis über die Stadt Aachen bis hin nach Roetgen und Imgenbroich – verteilt.

An all diesen Standorten (zumeist in oder vor Supermärkten) werden in Kürze Milchautomaten des Herstellers Milch Concept aufgestellt, über die die Eifeler Biomilch dann in Glasflaschen verkauft werden wird. Die Aufstellung der Automaten beginnt in Kürze.

„Das Konzept unterscheidet sich ein wenig von den Automaten, die bisher hier in der Eifel zu finden sind“, sagt Markus Legge. So stehen beispielsweise die Automaten in Konzen oder Kalterherberg direkt an den jeweiligen Erzeugerhöfen, außerdem wird dort Rohmilch in einem Mehrwegsystem mit einem Literpreis von einem Euro verkauft. Da die Milch dort nicht pasteurisiert wird, müssen die Aufsteller darauf hinweisen, dass die Milch vor dem Verzehr erhitzt werden muss.

Ministerin zu Besuch

„Diesen Preis können wir nicht halten, weil wir zum einen Pasteurisierung und Logistik bezahlen müssen und zum anderen zertifizierte Biomilch verkaufen, die auch im Handel teurer ist als konventionelle Milch“, so Legge. Für einen Literpreis von 1,50 Euro wird die Monschauer Bauernmolkerei – so der Name der neuen Errungenschaft – ihre „Biomilch voll Eifelgras“ vertreiben.

Mit ihrem Konzept der regionalen Vermarktung und der kurzen Wege haben die Höfe Legge und Thomas auch das Marken-Management der Regionalmarke Eifel überzeugen können. Und deshalb wird auch das gelbe „Eifel-e“ die Milch der jungen Molkerei schmücken.

Keine Unterstützung, sprich Subventionen, dürfen Markus Legge und Josef Thomas dagegen von höheren Stellen erwarten. „Wir haben hier einige Stunden mit den zuständigen Stellen zusammengesessen und erfahren, dass wir leider nicht förderfähig sind“, bedauert Markus Legge.

Unterstützung aus der Politik – zumindest moralische – haben dagegen kürzlich die Eifeler Sternenfair-Landwirte von höchster Stelle im Lande erfahren dürfen. Die neue NRW-Umweltministerin Christina Schulze-Föcking informierte sich auf dem Hof der Familie Radermacher in Sief über die regionale Erzeugung einer eigenen Weidemilch in Nordrhein-Westfalen.

„Am Beginn einer erfolgreichen Wertschöpfung unserer heimischen Land- und Ernährungswirtschaft steht die Wertschätzung für die Erzeugnisse und Leistungen unserer heimischen Landwirtinnen und Landwirte“, erklärte die Ministerin. „Eigene Produkte selber herzustellen und vor Ort zu vermarkten ist eine von vielen Möglichkeiten, um eine Verbindung zwischen Verbrauchern und Erzeugern zu ermöglichen. Hierdurch erreichen wir auch eine stärkere Wertschätzung für unsere heimische Landwirtschaft“, betonte Schulze-Föcking beim Besuch in Aachen-Sief, dem auch einige der anderen, insgesamt neun Sternenfair-Landwirte aus der Eifel beiwohnten.

Eigene Sternenfair-Weidemilch

Das Projekt Sternenfair stammt aus Bayern und wurde 2012 gegründet. Rund 100 Milchhöfe liefern bundesweit eine eigene Weidemilch in regionale Supermärkte. Die Philosophie der Marke ist, die Kühe auf der Weide zu halten und das eigene Grünland zur Futtermittelerzeugung zu nutzen. Am Ende dieser Kette steht die eigene Weidemilch, die unter dem Projektnamen Sternenfair in Supermärkten der Eifel vertrieben wird.

Damit erhält das Erzeugnis einen ganz eigenen lokalen und regionalen Bezug. Für den Mehraufwand in der Haltung und Fütterung der Kühe wird den Landwirten ein Preis von 40 Cent pro Liter Milch garantiert.

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