Radarfallen Bltzen Freisteller

Mit Motorrad auf Polizist zugerast: 48-Jähriger verurteilt

Von: Stephan Everling
Letzte Aktualisierung:
Symbol Polizei Kelle Polizeikelle Kontrolle Blaulicht Unfall Foto: Patrick Seeger/dpa
Zwischen 15 und 16 Uhr wurde von dem Messfahrzeug, das einen Kilometer entfernt in Richtung Milzenhäuschen stand, ein Motorradfahrer gemeldet, der mit 95 Stundenkilometern in der 70er-Zone gemessen worden war. Als der Fahrer in Sichtweite kam, stellte sich der Polizist auf die Straße und gab ihm Zeichen anzuhalten. Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa

Nordeifel. Ein ungewohntes Bild bot sich am Mittwochvormittag beim Prozess der Schöffenkammer des Amtsgericht Schleiden. Während die Vorsitzende Richterin Claudia Giesen das Urteil von 14 Monaten auf Bewährung in dem Verfahren gegen einen 48-jährigen Mann aus Kalterherberg verlas, standen im hinteren Teil des Gerichtssaales vier Polizisten in Uniform, darunter Rainer Unger, Leiter des Verkehrsdienstes Mechernich. Denn die Tat, die verhandelt worden war, hatte tief in des Leben eines der Polizisten eingegriffen.

Bei einer Verkehrskontrolle hatte der Kalterherberger nicht angehalten, sondern hatte sein schweres Motorrad beschleunigt und war gerade auf den Mann zugefahren.

Deutlich aufgewühlt schilderte der 51-jährige Polizeibeamte die Situation. „Ich träume heute noch davon, und zwar nicht gut“, sagte er bei seiner Einvernahme. An einem Sonntagnachmittag im vergangenen Juli war er bei einer großangelegten Tempokontrolle am Ortseingang von Kall-Krekel als Anhalteposten eingesetzt gewesen. Zwischen 15 und 16 Uhr wurde von dem Messfahrzeug, das einen Kilometer entfernt in Richtung Milzenhäuschen stand, ein Motorradfahrer gemeldet, der mit 95 Stundenkilometern in der 70er-Zone gemessen worden war. Als der Fahrer in Sichtweite kam, stellte sich der Polizist auf die Straße und gab ihm Zeichen anzuhalten.

„Er fuhr äußerst rechts und verhielt sich so auffallend, dass ich zu meinem Kollegen sagte: ‚Pass auf, der hat etwas vor‘“, beschrieb der Beamte die Situation. Dann habe der Fahrer plötzlich stark beschleunigt und sei mit aufheulendem Motor auf ihn zugerast. „Ich habe mich gefühlt, wie ein Torwart beim Elfmeter“, erzählte der Polizist, da er nicht wusste, wohin der Mann sein Motorrad steuern würde.

Mit einem Sprung in Richtung Fahrbahnrand brachte er sich in Sicherheit, doch seine Kelle kollidierte noch mit dem Motorrad und zerbarst. „Der fuhr genau da lang, wo ich eine Sekunde vorher gestanden hatte“, berichtete der Polizist weiter. Das sei kein Ausweichen gewesen, das sei ein direkter Angriff auf seine Person gewesen.

Während die Polizeibeamten in ihren Streifenwagen sprangen, floh der Kalterherberger mit hohem Tempo durch Krekel. In Dickerscheid stellte er schließlich seine rund 280 Kilo schwere Maschine ab und machte sich zu Fuß auf den Weg nach Hause, so dass die sofort eingeleitete Großfahndung ergebnislos blieb. Erst Tage später wurde das Motorrad gefunden. Da hatten die Ermittler den Täter aber bereits über das Kennzeichen identifiziert.

„Ich habe gedacht, jetzt ist alles zu Ende“, zeigte sich der Kalterherberger voll geständig und reumütig. Denn der begeisterte Motorradfahrer hatte sich auf seine Maschine gesetzt, obwohl er nach einem Unfall, den er bei einer Alkoholfahrt verursacht hatte, keinen Führerschein mehr besaß. Er habe aber eine Schwenkbewegung gemacht und habe den Polizisten nicht in Gefahr bringen wollen.

Ohne Fahrerlaubnis zum Nürburgring und zurück, und dann auch noch an einer beliebten Kontrollstelle zu schnell sein, da fiel selbst der selten um einen passenden Spruch verlegenen Richterin keine Beschreibung ein. Der Angeklagte soufflierte ihr: „Viel bescheuerter geht nicht.“ Dass er, wie die Radarfotos zeigten, mit kurzer Hose auf der Maschine unterwegs war, erhöhte nur noch die Verwunderung.

Auch wenn der Angeklagte tiefe Reue zeigte und sich auch im persönlichen Gespräch bei dem Polizeibeamten auf dem Gerichtsflur entschuldigte, musste er sich von Staatsanwalt und Richter vorhalten lassen, dass er das Motorrad trotz des Führerscheinentzuges angemeldet und fahrbereit im Schuppen stehen hatte. „Ich bin selbst Motorradfahrer, wie können Sie sich so in Versuchung bringen“, mahnte der Staatsanwalt an. Auch dass die Maschine heute noch zugelassen sei, hielt das Gericht für eine kritische Konstellation.

Da der Angriff gestartet worden war, um die Fahrt ohne Führerschein zu vertuschen, wurde als strafverschärfend angesehen, so dass die Schöffenkammer schließlich dem Antrag des Staatsanwaltes auf eine Freiheitsstrafe von vierzehn Monaten wegen gefährlichem Eingriffs in den Straßenverkehr folgte.

Aufgrund des Geständnisses und der sichtlichen Reue des Angeklagten wurde diese schließlich zur Bewährung ausgesetzt.

Leserkommentare

Leserkommentare (8)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.