Mit klingendem Spiel hinaus aus der Stadt

Von: P. St.
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Nicht weniger als 7300 Einzelstücke umfasst die Sammlung des Musikmuseums Monschau. Gründer Thomas Jansen besitzt nicht nur eine Vielzahl selbst spielender Musikinstrumente sondern auch zahlreiche Notenrollen. Foto: P. Stollenwerk
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Das war der Anfang: Ende der 1980-er Jahre bezog Thomas Jansen mit seinem Musikmuseum in das damalige Festhaus Wiesenthal ein. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Es war eine echte Attraktion für die Monschauer Altstadt, als Thomas Jansen vor knapp 30 Jahren mit einer ungewöhnlichen Idee aufkreuzte. Der Sammler, Restaurator und Liebhaber mechanischer Musikinstrumente bezog mit seinen selbst spielenden Instrumenten die Parterre des damals leer stehenden Festhauses Wiesenthal (heutiges Carat-Hotel).

Das Musikmuseum Monschau war geboren, aber letztlich ist die Einrichtung in Monschau nie so richtig heimisch geworden.

Nach dem Umbau des Festhauses zum Hotel zog Jansen zunächst ins Rosenthal und später in die alte Molkerei nach Imgenbroich. Hier fand 2009 die Neueröffnung statt, aber im Sommer 2013 schloss das Musikmuseum schon wieder seine Türen. Dass es gleich fünf Mal Nachforderungen bei der Einhaltung der Brandschutzbestimmungen gab, begünstigte den Fortbestand des Museums nicht gerade.

Bei der Schließung wird es jetzt auch bleiben, denn die einzigartige Sammlung mechanischer Musikinstrumente hat eine neue Heimat gefunden. In Kürze geht es von der Rur an die Spree – in den 8000 Einwohner-Ort Beeskow nach Brandenburg, 60 Kilometer entfernt von der polnischen Grenze. Die Kommune im Landkreis Oder-Spree hat das komplette Museum erworben. Im November 2013 konnten die Beeskower schon einmal einen Blick auf die Sammlung werfen, denn Thomas Jansen hatte einen kleinen Teil seiner historischen Instrumente eingepackt und war damit die rund 800 Kilometer in Richtung Osten gereist.

Der Kontakt war kurz zuvor entstanden, als Thomas Jansen in einem Ort in der Nähe ein Konzert gegeben hatte. Hier suchte die Scharwenka-Stiftung Aufnahmen des Pianisten Xaver Scharwenka. Thomas Jansen war im Besitz von Original-Tonrollen und gelangte so in die Region, die oft auch als Tor zur Niederlausitz bezeichnet wird.

Der Beeskower Bürgermeister, Frank Steffen, war bereits zweimal zu Gast im Musikmuseum bei Thomas Jansen in Imgenbroich, um sich von der Qualität der Sammlung selbst ein Bild zu machen.

Das Musik-Museum Monschau präsentiert hier auf 750 Quadratmetern eine Sammlung von selbstspielenden Musikinstrumenten aus fast drei Jahrhunderten. Sage und schreibe 7300 Einzelstücke sind hier vertreten. Lochplatten-Musikwerke, Schaustellerorgeln und historische Notenrollen gehören ebenfalls zur Sammlung wie Kuriosa, darunter klingende Flaschen oder Musik aus der Klopapierrolle.

Laut einem Bericht der Märkischen Oder-Zeitung belaufen sich die Kosten für den Erwerb einschließlich der Leihgaben auf rund 600.000 Euro. Ein Drittel der Kosten will die Stadt Beeskow übernehmen, zwei Drittel sollen über Spenden, Fördermittel und Einnahmen aufgebracht werden. Die Verantwortlichen in Beeskow rechnen damit, dass jährlich rund 5000 Besucher die Einrichtung besuchen. Noch in diesem Jahr soll mit einer Vorab-Dauerausstellung auf der Burg Beeskow der Startschuss gegeben werden.

Wie auch in Monschau üblich, soll die Ausstellung durch Führungen begleitet werden, weil die alten Instrumente ja auch vorgeführt werden und 200 Jahre Musikgeschichte zum Klingen bebracht sollen.

Inzwischen haben die Beeskower Stadtverordneten den Erwerb der privaten Sammlung beschlossen.

Dauerhafte Lösung

Für Thomas Jansen ist der neue Standort an der Spree als dauerhafte Lösung gedacht. Er werde vor Ort bis zur Eröffnung der Gesamt-Ausstellung die Einrichtung und den Aufbau des Museums als Kurator begleiten „und dann nach einem Nachfolger Ausschau halten. Auch das neue Musikmuseum soll auf jeden Fall meine Handschrift tragen.“

Das Kapitel Monschau ist damit für Jansen auch endgültig abgeschlossen, auch wenn er am Erlenweg seine Werkstatt zur Restaurierung historischer Instrumente bis auf Weiteres fortführen wird. Unter anderem Umständen hätte er sich durchaus einen Verbleib in der Eifel vorstellen können, „aber Nachkarten bringt jetzt nichts mehr“.

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