Mit Klarinette und Charisma die Seele berührt

Von: P. St.
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Giora Feidman
Giora Feidman rührte mit seinem Konzert die Klassikfans. Foto: P.St.

Monschau. Es gibt Konzerte, die wirken über den Tag hinaus, von denen man auch noch am nächsten Tag oder länger spricht. Der Auftritt von Giora Feidman bei der Monschau-Klassik 2011 wird dazugehören.

Der charismatische Klarinettist bewegte und berührte die rund 1000 Besucher mit seiner Musik, und Monschau dürfte an diesem kühlen Sommerabend vielleicht schon den Höhepunkt der Festspiele gleich zu deren Auftakt gesehen haben.

„Von Kletzmer bis Klassik” war das Programm überschrieben; dabei gibt es für Feidman keine Grenzen in der Musik: „Sie gehört allen”, sagt der 75-Jährige, und so durfte man sich mit dem Solisten und dem Orchester als große Familie fühlen, die die besondere Energie der Musik ehrlich, direkt und ganz tief spüren konnte.

Mit dieser Veranstaltung dürften die Festspiele zudem wieder viele neue Freunde gewonnen, denn auf der Burg wird nicht nur Klassik geboten.

Leise und kraftvoll

Als am Samstagabend die Dämmerung den grauen Himmel ablöste, wurde es plötzlich ganz still auf der Burg: Giora Feidman schritt, ganz in Schwarz gekleidet, über das Pflaster des Burghofes in Richtung Bühne. Dabei ließ er seine Klarinette ganz leise singen. Wohl kaum vorher bei einer Veranstaltung auf der Burg lauschten die Zuhörer so leise und konzentriert, ja fast andächtig, dem Musiker, der im Zeitlupen-Tempo den Weg auf die Bühne zurücklegte. Musik voller Schönheit und Poesie entlockte Feidman seinem Instrument, ließ die Zuhörer träumen und trauern, um dann wieder kraftvoll und pointiert die Möglichkeiten der Klarinette bis an die Grenzen auszureizen. Nie langweilig oder belanglos sind die Interpretationen von Giora Feidmann; Er gibt den Stücken eine Note, deren bewegender und berührender Wirkung sich niemand entziehen kann. Voller Konzentration sind die Zuschauer an diesem Abend, sie lauschen auch den wenigen Worten des Künstlers, die pointiert und von einem feinen Humor geprägt sind (als er beispielsweise die Zugabe schon zum Ende des ersten Teil ankündigt).

Schon beim zweiten Stück des Abends, das von vielen Künstlern interpretierte jüdische Lied „Donna, Donna” , bedurfte es kaum einer Aufforderung des sympathischen und immer bescheiden wirkenden Künstlers, um das Publikum zum Mitsingen zu bewegen.

Giora Feidmann ist ein großer Botschafter der Versöhnung , aber seine Appelle an den Frieden, insbesondere mit Blick auf den Nahen Osten, wirken weder gequält noch sind sie ihm eine Verpflichtung. Der Musiker spricht die Sprache der einfachen Menschen, und wenn der Träger der großen Bundesverdienstkreuzes das Deutschland-Lied spielt, dann klingt das nicht pathetisch sondern von Herzen kommend ehrlich.

Erstklassig aufgelegt war an diesem Abend auch die Russische Kammer-Philarmonie St. Petersburg unter dem Dirigenten Juri Gilbo. Das Orchester ging jedes Tempo und jede musikalische Pointe mit, ob bei Stücken aus Gershwins Oper „Porgy and Bess” oder bei treibenden Klezmer-Nummern. Die ausgezeichnete Tontechnik verstärkte das musikalische Erlebnis noch. Dass die neugegründete Monschau Festival GmbH nun als Veranstalter auftritt, scheint ein guter Schritt gewesen zu sein.

Mit einer sanften Zugabe, vor einem Sternenhimmel als Bühnenhintergrund, entließ Giora Feidman das Publikum ins Reich der Träume. Während das Orchester und Giora Feidmann bereits die Bühne verlassen hatten, summte das Publikum noch leise weiter: Was für ein großartiger Abgang!

Auch Heino war zu Gast

Nachdem am Freitagabend bereits das Duo Konstantin Wecker/Hannes Wader die Festspiele gestartet hatte, folgte am Samstagabend dann die offzielle Eröffnung. Rund 140 Gäste, darunter auch die Vertreter 30 ortsansässiger Firmen) hatte die Stadt zum Empfang geladen.

Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter begrüßte die Festspiel-Gäste, unter ihnen auch die „Stimme der deutschen Volksmusik”, Heino mit Gattin Hannelore. Man gehe neue Wege bei der Klassik, die erstmalig auf drei Wochenenden ausgedehnt werde. Durch die Veranstaltung gewinne Monschau überregionale Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Dann war es die Aufgabe von Friedhelm Kamps, als Schirmherr und Geschäftsführer des Deutschen Jugendherbergswerkes Rheinland, die Festspiele 2011 in Monschau offiziell zu eröffnen.
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