Konzen - Mit Kindern für Kinder: Bruder Theo Call und die Arbeit in Afrika

Mit Kindern für Kinder: Bruder Theo Call und die Arbeit in Afrika

Von: Katharina Isabel Franke
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Christof Schmitz (im Bild links) und sein Bruder Sebastian Schmitz berichteten vor den Schülern der Gemeinschaftsgrundschule Imgenbroich-Konzen über den Aktionstag 2010, bei dem sie 2000 Euro für Bruder Theo Call (auf der Bühne, 4. von rechts) einnehmen konnten. Foto: H. Schepp

Konzen. Die Aula der Gemeinschaftsgrundschule Imgenbroich-Konzen ist gefüllt mit Kindern, die alle sehen und hören wollen, was der aus Konzen stammende Missionar Bruder Theo Call in Kabanga durch ihre Spenden und viel Arbeit seinerseits erreichen und verändern konnte.

In einer kurzen Einführung berichten Martin und Elke Krings vom Förderverein „Bruder Theo Call“ von ihrem Aufenthalt in Tansania und zeigen anhand von Fotos den Kindern die Unterschiede zwischen unserem Leben und dem Leben der Kinder im 7000 Kilometer entfernten Tansania auf.

Ausgelöst durch das Thema „Kinder in fernen Ländern“, das 2010 in der Grundschule Konzen in Sachkunde behandelt wurde, veranstalteten die damaligen Viertklässler am 12. Juni 2010 einen großen Aktionstag, bei dem Geld für die Organisation des weißen Missionars eingenommen werden sollte. Damals organisierten sie einen Rundlauf, der Kinderchor sang, afrikanisches Essen wurde angeboten und Autos wurden gewaschen.

Die inzwischen 13-jährigen Zwillingsbrüder Christof und Sebastian Schmitz, die 2010 die vierte Klasse besuchten, berichteten noch einmal von diesem Tag und von den Problemen, die Bruder Theo Call mit Hilfe des eingenommen Geldes – die Schule konnte damals 2000 Euro spenden – zu lösen versucht und bereits lösen konnte. Laut den beiden Brüdern gibt es vor allem zwei große Probleme in der afrikanischen Welt: der akute Geldmangel und die Jagd auf Albinos, die aufgrund ihres Gendefekts einer Menschenjagd ausgesetzt sind.

Der damalige Aktionstag bedeutet beiden noch heute sehr viel. Christof wollte den Kindern „ein halbwegs vernünftiges Leben“ ermöglichen und für Sebastian war es das wichtigste, „einfach den Kindern zu helfen“.

Ein Jahr Schule für zwölf Euro

Der Geldmangel in vielen afrikanischen Familien hat zur Folge, dass den meisten Kindern eine schulische Ausbildung nicht vergönnt ist. Obwohl das Schulgeld nur 12 Euro im Jahr beträgt, ist dies für die meisten Familien nicht aufzubringen. Von den eingenommen und gespendeten 2000 Euro der Grundschüler konnten somit 166 Kinder ein komplettes Jahr die Schule besuchen.

Die Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule, Marion Wenerus, unterstreicht aber ganz klar, dass man „nicht einmal sammeln muss“, sondern dass Theo Call immer Unterstützung benötige. Genau aus diesem Grund wird die Grundschule auch dieses Jahr, an einem Samstag im Juli, ein „großes Fest“ veranstalten. Wieder soll mit Hilfe von Gebasteltem und Theater- und Gesangsauftritten Geld für Theo Call und die Kinder in Kabanga gesammelt werden.

Mit einem freundlichen „Jambo“, was ,,Guten Morgen“ auf Kisuaheli heißt, begrüßte der 75-jährige Theo Call die Kinder im Konzener MuK. Nach einer fünfjährigen Pause von der Eifel ist er jetzt für ein paar Monate wieder in Konzen, was er nutzte, um die Kinder in der Schule zu besuchen, und um noch einmal auf seine wichtige Arbeit aufmerksam zu machen.

Zusammen mit Elke und Martin Krings, die ihn bereits mehre Male vor Ort in Afrika besuchten, erzählte er über seine Arbeit, unterstützt von einer Diashow mit Fotos, die Familie Krings selbst vor Ort machen konnte. Man sieht Straßen die abrupt enden, kleine Lehmhütten, Kinder mit bereits abgetragende Klamotten, Mädchen, die mehrere Liter Wasser auf dem Kopf balancieren, improvisierte Bäder und altertümliche Toiletten, die auch die Kinder direkt mit einer bereits vergangen Zeit in Verbindung brachten.

Auch dort versucht Call anzusetzen und zu helfen, indem er den Menschen, die nur die geringsten Mittel besitzen, eine modernere Lebensweise ermöglicht. So lässt er Beete für das Anpflanzen von Gemüse anlegen oder beschafft Nutztiere, wie z.B. Schweine, für die Nahrungssicherung.

Neben dem Ermöglichen eines Schulbesuchs und der Etablierung einer Behindertenschule konnte durch Theo Calls Missionsarbeit auch ein Kinderheim entstehen. Auf den Fotos sieht man viele, noch zum Teil sehr junge Kinder, die nun durch genügend Ernährung, Spielräume und ausreichend ausgestattete Kinderzimmer ein gutes Leben ermöglicht bekommen. Auch wenn in einem Zimmer bis zu zehn Kinder schlafen, ist die Verbesserung der Lebensumstände schon auf den Bildern sichtbar. Jedes einzelne Bild, das Elke Krings von den afrikanischen Heimkindern zeigt, wird von „Ahhs“ und „Oohs“ der Kinder begleitet.

Durch das Geld der damaligen Grundschüler konnte auch eine Küche modernisiert werden. Statt zwei in die Jahre gekommener Feuerstellen besitzen sie nun zwei große Kochkessel, die durch Brennholz beheizt werden können; die Hauptmahlzeit Mais und Bohnen ist so jetzt schneller und in größeren Mengen zuzubereiten.

Traurige Jagd auf Albinokinder

Unter dem Titel „Konzen Kinder Kabanga“ schenkten die Grundschulkinder aus der Eifel 2010 den Kindern in Afrika auch noch ein Klassenfoto von sich, für dessen Übergabe Elke und Martin Krings persönlich nach Afrika reisten. Wieder werden Fotos eingeblendet. Diesmal sieht man die afrikanischen Kinder, wie sie die hellen deutschen Kinder auf dem Foto genau begutachten. Ihre Erstauntheit wäre groß gewesen, berichtet Familie Krings, da die afrikanischen Kinder dachten, „dass alle Kinder hier Albinos wären, weil alle hell sind“.

Für Bruder Theo Call steht im Mittelpunkt seiner Arbeit momentan die Sicherheit der 70 Albinokinder, die ebenfalls in seinen Schulen und Einrichtungen ohne Angst leben können. Für ihn sind diese Kinder die „ärmsten Kinder“, deren Leben von Gefahr bestimmt wird. Durch Aberglauben geprägt, werden die hellhäutigen afrikanischen Kinder gejagt.

Das Tragen ihrer Füße oder auch Hände nah am Körper solle Glück bringen. Call berichtet, dass immer wieder eine große Welle von Albino-Morden stattfinde, wenn eine Wahl ansteht. Die aufgestellten Kandidaten glauben, dass sie die Wahl leichter gewinnen könnten, wenn sie z.B. eine Albinohand bei sich trügen. Die Täter und auch Mörder sind dabei nicht genau zu erfassen.

Was die Arbeit von Bruder Theo Call in den letzten Jahren erreichen konnte, ist nicht schnell nachzumachen. Elke Krings beschreibt es, während ein Foto mit mehren spielenden afrikanischen Kindern eingeblendet ist, so: „Sie sind glücklich, spielen zusammen und haben sogar einen Fußball.“ Und das wird die Kinder motivieren, auch in diesem Jahr fleißig für Theo Call zu sammeln.

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