Mit Akkuratesse und innerem Engagement

Von: js
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Chormusik Renaissance
Mit Chormusik von der Renaissance bis zum 20. Jahrhundert gestaltete der Kirchenchor die Karfreitagsandacht. Foto: Josef Schreier

Lammersdorf. Auch für hohe kirchliche Festtage wird zurzeit angesichts des Personalmangels nach neuen Formen des thematisch-feierlichen Gedenkens gesucht. Statt der „normalen“ Karfreitagsliturgie gab es daher am diesjährigen Karfreitag in der Kirche St. Johannes in Lammersdorf, wie schon in den Vorjahren, eine kirchenmusikalische Andacht, die in der Qualität des ausführenden Lammersdorfer Kirchenchors unter der Leitung von Gabriele Scheidweiler-Pleines ihre Berechtigung fand.

Die zahlreichen Besucher wurden auch diesmal in keiner Weise enttäuscht. Der Chor führte eine Reihe von markanten Chorsätzen von der Renaissance bis zur Gegenwart auf, die thematisch zum Geschehen der Passion Jesu passten, wobei man allerdings gelegentlich eine gewisse Anleitung vermisste, was genau jeweils zu hören war. Unmittelbar wiederzuerkennen waren am ehesten Mozarts „Ave verum“ oder Sätze von Bach und Bruckner. Auch eine Motette von Palestrina („O crux ave“) ließ sich stilistisch in etwa zuordnen.

Dabei fielen aber eigentlich zwei Werke am meisten auf, deren genaue Identifizierung dem Zuhörer etwas Mühe machte. Das war einleitend die Motette „Ubi caritas et amor“ („Wo die Liebe ist, da ist Gott“) von Maurice Duruflé, bei der eine gregorianische Melodie mit impressionistischen Harmonien auf eine sehr zu Herzen gehende Weise verbunden wird. Am meisten bewegte aber eine Vertonung von Jesu Verzweiflungsschrei am Kreuz („Eli, eli“), die der ungarische Komponist György Bárdos im Jahre 1933 vorgelegt hat.

Nach ruhigen Akkorden in den ersten Takten bricht der Chor bei der Stelle „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ in ein beinahe erschreckendes Glissando aus, das den ganzen Ernst der Situation hautnah miterleben lässt. Die Genauigkeit und Akkuratesse der Interpretation bei gleichzeitigem inneren Engagement und musikalischem Verständnis lässt die Darbietungen des Lammersdorfer Kirchenchores immer wieder zum Erlebnis werden.

Dass der Hörer an diesem Nachmittag mit der Musik in gewisser Weise allein blieb, brachte das Nachdenken darüber mit sich, inwieweit auch die geistlich-religiöse Erfahrung im Grunde schließlich ebenso namenlos vor dem letzten Geheimnis steht, wie es dem Hörer an diesem Nachmittag bei dem musikalischen Erleben manchmal erging.

Gerade darin aber wies die Sprache der Musik unverkennbar in eine andere Richtung als die – persönlich zweifellos authentischen, aber in theologisch überwundenen Kategorien sich bewegenden – geistlichen Impulse des Gemeindereferenten Sven Riehn. Diese spürbare Differenz hätte vielleicht im Vorfeld besser ausgeglichen werden sollen. Insgesamt aber erlebten die Zuhörer eine spirituell bewegende Stunde, die sicher noch lange nachklang.

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