Mit 71 Jahren schon zu alt für den Sparkassenbeirat?

Von: P. St.
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Fühlt sich für den Sparkassenbeirat noch nicht zu alt: Willi Axer (71) aus Rott. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Willi Axer ist von Natur aus ein friedlich gesinnter Mensch. Das unterstreicht er seit 16 Jahren als Mitglied im Roetgener Gemeinderat. So manchen Schlagabtausch ertrug er mit Gelassenheit. Aber jetzt, im schon etwas reiferen Alter, ist für den 71-jährigen SPD-Politiker eine Entwicklung eingetreten, der ihn ziemlich wütend, fassungslos und sogar ein wenig traurig macht.

Der Gemeinderat Roetgen hatte in seiner Sitzung am 20. September einstimmig vorgeschlagen, Willi Axer aus Rott als Nachfolger in den Beirat der Sparkasse Aachen zu wählen und dem Städteregionstag diesen Vorschlag zu unterbreiten. Die Wahl war notwendig geworden, weil Rainer Axer (das ist Willi Axers Sohn) aus beruflichen Gründen seinen Verzicht auf alle kommunalpolitischen Ämter erklärt hatte und nun Ersatz für die Besetzung des Ehrenamtes bestellt werden musste.

Am 6. Oktober tagte der Sparkassenbeirat turnusmäßig. Willi Axer wurde als „Gast“ eingeladen, da die offizielle Bestätigung seiner Wahl durch den Städteregionstag noch nicht vorlag. Vor der Sitzung unterzeichnete Axer zustimmend die Geschäftsordnung des Beirates. Unter Paragraph 3 steht hier: „Die Mitglieder des Beirates sollen zu Beginn ihrer Amtszeit das 70. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.“ Diesen Passus interpretierte Willi Axer als Kann-Bestimmung. Die Altersgrenze sei hier nicht zwingend vorgeschrieben.

Dennoch erfolgte seitens der Städteregionsverwaltung ein Anruf bei ihm, dass die Wahl nicht gültig sei und der Rat neu wählen müsse. Willi Axer zeigte sich und entsetzt und sagt im Gespräch: „Das ist gegenüber älteren Menschen diffamierend und diskriminierend“. Es gehe ihm nicht vorrangig um seine Person, aber ältere Menschen so darzustellen als wären sie ungeeignet, am öffentlichen Leben teilzunehmen, ist für den ehemaligen Werkstattleiter einer feinmechanisch-wissenschaftlichen Abteilung an der RWTH Aachen ein starkes Stück.

Unterstützung von der Fraktion

Einen neuen Kandidaten zu benennen, kommt für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Klaus Onasch derzeit nicht in Frage. Auch er sieht im Paragrafen 3 eine „Kann-Vorschrift“ und findet den Vorgang „ein Stück weit diskriminierend“. Nicht zuletzt sei Konrad Adenauer in noch einem wesentlich höheren Alter Bundeskanzler gewesen. Somit will die Fraktion Willi Axer dabei unterstützen, dass er als vom Rat vorgeschlagener Vertreter den Posten im Sparkassenbeirat antreten darf.

Die Abstimmung im Städteregionstag erfolgt am 27. Oktober. Auch Fraktionsvorsitzender Martin Peters will die Roetgener Genossen und Willi Axer unterstützen. Klaus Onasch will sich zudem auch um weitere Unterstützung bei den anderen Fraktionen im Städteregionstag bemühen.

Die Gemeinde Roetgen befindet sich unterdessen in Wartehaltung, wie die Städteregion nun den Personalvorschlag bewertet. Diese Reaktion, sagt Bürgermeister Jorma Klauss, „wird die Basis für unser weiteres Vorgehen bilden.“

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