„Milchrebellen“ auf dem Weg nach Brüssel

Von: Carmen Krämer
Letzte Aktualisierung:
4453643.jpg
Sie kämpfen für eine faire Milchmarktpolitik: Gemeinsam mit Landwirten aus ganz Deutschland machen sich Hubert Frohn (vorne), Hubert Hermanns, Bruno Horrichs und Markus Legge am Montag auf den Weg nach Brüssel, um dort für eine Änderung in der Milchmarktpolitik zu demonstrieren. Foto: Carmen Krämer

Nordeifel. Wir haben Kakao auf dem Frühstückstisch, Kondensmilch im Kaffee, essen Joghurt zum Müsli und benutzen Milch zum Backen und Kochen – und das meist ohne darüber nachzudenken, wo die Milch eigentlich herkommt. Wenn keine mehr da ist, gehen wir in den Supermarkt und kaufen uns neue. Derzeit für neun Cent mehr als noch vor einiger Zeit.

„Da war doch mal was mit den Milchbauern“, mag sich der ein oder andere vielleicht noch erinnern. Richtig, vor noch gar nicht allzu langer Zeit haben genau diese um ihr Überleben gekämpft – und sie müssen auch jetzt wieder um ihre Existenz bangen. Denn von den genannten neun Cent Erhöhung kommen bei den Landwirten allerhöchstens drei Cent an.

„Im Laden sind die Preise der Milch um neun Cent gestiegen. Klar denkt der Verbraucher, dass das Geld an die Bauern geht, aber so ist es leider nicht“, erklärt Markus Legge, Mitglied des Bundesverbands Deutscher Milchviehalter (BDM). Acht Monate lang haben die Landwirte in diesem Jahr mit einem sehr schlechten Milchpreis zu kämpfen gehabt und erhielten im Schnitt sechs Cent pro Liter weniger als im letzten Jahr. „Bei steigenden Energie- und Futterkosten – die sind um fast 30 Prozent gestiegen – bedeutet das, dass wir häufig am Ende, wenn wir Glück haben, vielleicht auf Null kommen“, weiß Markus Legge. Derzeit bekommen er und seine Kollegen circa 30 Cent pro Liter Milch. in den letzten Monaten waren es 26 Cent, aber zwischen 33 und 35 Cent bräuchten sie, um kostendeckend produzieren zu können. „So wie das im Moment läuft, steuern wir häufig sogar noch was zur Milch bei. Und das liegt an den Gesetzen und der vom Staat vorgegebenen Mengenangabe.“

Da die Landwirte die Restgeldempfänger sind und die Produktionsmenge vom Staat ständig höher gesetzt wird, gleichzeitig aber die Menge den Preis bestimmt, wird der Preis bei ständig steigenden Produktionsmengen immer wieder gedrückt. „Im letzten Jahr haben wir nichts an unserer Milch verdient, sondern noch dazu beigesteuert. Das bedeutet, wir hatten im Prinzip nichts übrig, was wir für unseren privaten Bedarf ausgeben konnten. Alles, was wir verdient haben und sogar noch mehr, ist wieder für die Produktion verwendet worden“, erinnert sich Hubert Frohn, Teamleiter des BDM in der Region Aachen.

Das wollen sich die Landwirte nicht gefallen lassen und fahren aus diesem Grund am kommenden Montag, 26. November, in einer großen Schlepper-Sternfahrt nach Brüssel, um dort für eine „zukunftsfähige Milchmarktpolitik“, wie es auf dem Flyer steht, zu kämpfen. Landwirte aus ganz Deutschland werden an der Sternfahrt teilnehmen.

„Wenn die Leute unseren Konvoi sehen, denken sie möglicherweise, dass es unverschämt ist, schon wieder zu demonstrieren, nachdem der Milchpreis kürzlich erst angehoben wurde. Aber sie können ja auch nicht wissen, dass von dem Geld nur so wenig bei uns ankommt“, betont Markus Legge. Er und seine Kollegen vom BDM, die sich selbst „Milchrebellen“ nennen, rufen alle auf – auch die, die nicht Mitglied in ihrem Verband sind – am Montag mit nach Brüssel zu fahren. „Für uns sind die Beschlüsse im Europaparlament existenzentscheidend!“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert