Nordeifel - „Milch Board” als Rettungsanker für die Landwirte

„Milch Board” als Rettungsanker für die Landwirte

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Damit Kühe nicht in absehbarer Zeit aus der Kulturlandschaft Eifel verschwinden, verlangen die Milcherzeuger faire Preise und einen fairen Markt. Foto: Ernst Schneiders

Nordeifel. „Die Politik muss jetzt eingreifen, denn die Milcherzeuger sind inzwischen völlig ausgelutscht und die Preise sind immer noch am Limit. Wir verbrennen täglich Geld.” Auch wenn es mittlerweile 25 Cent pro Liter gebe - es fehlten immer noch „zwischen zwölf und 15 Cent”.

Hubert Frohn, Sprecher des Bundes Deutscher Milcherzeuger (BDM) für die Nordeifel, nimmt kein Blatt vor den Mund. Er und viele seiner Kolleginnen und Kollegen erwarten umgehend Hilfe aus Berlin, aber vor allem aus Brüssel, hoffend, dass „die Politik inzwischen erkannt hat, dass die Milchviehbetriebe vor die Wand gefahren werden”.

Der Milchindustrieverband, so Frohn, wolle den Eindruck erwecken, dass die Situation besser werde und die Preise künftig steigen würden. Der BDM-Sprecher: „Wenn die Preise jetzt schnell steigen, ist der nächste Kollaps vorprogrammiert, weil alle versuchen werden, auf Teufel komm raus zu melken, um etwas zu verdienen. Und dann ist wieder viel zu viel Milch auf dem Markt und die Preise kippen.”

Deshalb gibt es für die BDM-Mitglieder in der Eifel nur eine Möglichkeit, aus der Malaise herauszukommen: Marktregeln, und zwar für ganz Europa.

Damit soll der Landwirten ein fairer Markt eröffnet und verhindert werden, dass nach dem Auslaufen der Milchquote im Jahr 2015 die Regeln des freien Marktes greifen.

Außerdem, so Landwirt Bruno Horrichs aus Mützenich, soll durch eine Umstrukturierung künftig vermieden werden, „dass Unsummen von Geld des Steuerzahlers direkt in die Landwirtschaft gepumpt werden. Das ist unzumutbar.” Es sei besser, Steuergelder beim Steuerzahler zu belassen und den Milcherzeugern als Existenzgrundlage einen fairen Markt zu garantieren.

Das sei dann auch das Ende von Frontenbildung und Neiddebatten, weil die Landwirte angeblich mit Subventionen zugeschüttet würden und nicht wüssten, wohin mit dem Geld.

Hubert Frohn: „Viele Kritiker sind falsch informiert. Die Politik hat mit uns über Jahre hinweg ein falsches Spiel gespielt. Sie mischt sich einerseits ein, will uns aber andererseits dem freien Markt überlassen. Das geht so nicht!”

Kritik geht in diesem Zusammenhang besonders in Richtung NRW-Umweltminister Uhlenberg, der ein Verfechter des freien Marktes sei.

Wenn die Politik sich inzwischen rühme, 750 Millionen Euro für die Landwirtschaft zur Verfügung gestellt zu haben, dann bedeute das, umgerechnet auf die Milchmenge, einen Cent pro Liter. Landwirt Markus Legge: „Das ist dann unser Schweigegeld.”

Noch drastischer formulierte es einer seiner Kollegen: „Liquiditätshilfe ist Sterbehilfe!” Um aber nicht bis zum Jahr 2015 am Existenzminimum herumzukrebsen, soll ein sogenanntes Milch Board, eine Milchmarktmodell nach kanadischem Vorbild, als Soforthilfe gebildet werden.
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