Metzger-Tradition in Schmidt geht zu Ende

Von: ale
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Mit einer originellen Idee gestaltete eine Familie aus der Nachbarschaft eine Abschiedsszene für das Ehepaar Ritter. Foto: Anneliese Lauscher

Schmidt. „Alles hat ein Ende – nur die Wurst hat zwei“ – der Spruch, den eine Familie aus der Nachbarschaft am Haus der Eheleute Ritter aufhängte, ist wirklich passend: Am vergangenen Samstag haben die Ritters ihre Metzgerei in Schmidt geschlossen. Nach insgesamt 51 Jahren in seinem Beruf hat Rolf Ritter den verständlichen Wunsch, sich ins Privatleben zurückzuziehen.

Seine Lehre absolvierte er von 1963 bis 1966 im elterlichen Betrieb, drei Jahre später legte er die Meisterprüfung im Fleischerhandwerk ab. Im Jahre 1972 übernahm er den Betrieb von seiner Mutter. In den letzten zwei Wochen teilten er und seine Ehefrau Marita der Kundschaft nun mit, dass sie das Geschäft aufgeben, sie hatten aber nicht mit so emotionalen Reaktionen gerechnet. „Das ist sehr schade, für Schmidt ist das ein Verlust“, meinte eine Kundin.

Rasch leerte sich in der vorigen Woche die Theke, viele Kunden kauften auf Vorrat ein. Ehefrau Marita gibt zu: „Es war schon ein komisches Gefühl zu sehen, wie alles leer wurde. Im Kühlraum hallten die Geräusche, weil nichts mehr da war. Alles, wirklich alles wurde weggekauft.“

Seit über 100 Jahren vor Ort

Eine über 100-jährige Familientradition geht damit zu Ende. Leider gibt es keine Aufzeichnungen über die Anfänge der Metzgerei, doch ein Foto aus dem Jahre 1908 belegt, dass damals Rolf Ritters Großvater schon selbstständig war mit Fleischwaren.

Das Geschäft befand sich im Oberdorf, in der heutigen Monschauer Straße, wo nun der „Schützenhof“ steht. Später kaufte der Großvater dann im Ortsteil Harscheidt ein Haus, das den Erzählungen nach früher ein Forsthaus gewesen ist. Hier eröffnete sein Sohn Heinrich 1948 seine Metzgerei.

Die nicht mehr ganz jungen Schmidter erinnern sich noch, dass Martha Ritter, die Metzgersfrau, mit einem dreirädrigen Auto samstags in Schmidt ihre Waren ausfuhr. Damals wurden noch nicht solche Mengen an Fleisch und Wurst gegessen wie heute, aber samstags brauchten fast alle Haushalte was „vom Ritter“.

Heinrich Ritter hatte gerade mit dem Bau des neuen Hauses in der Heimbacher Straße begonnen, da starb er im Jahre 1960 mit nur 42 Jahren. Martha Ritter blieb nichts anderes übrig, als das Geschäft weiterzuführen; sie bekam keine Rente und musste für ihre drei Kinder sorgen. Ein Glücksfall für sie war, dass Eberhard Hallmanns, der noch bei ihrem Mann sein Handwerk erlernt hatte, die Metzgerei weiter führte.

1972 übergab sie den Betrieb an ihren Sohn Rolf, dessen Ehefrau Marita arbeitete von 1974 an im Geschäft mit. Als 1977 Sohn Alexander geboren wurde, lebten in dem Haus vier Generationen, denn auch die Oma mütterlicherseits war noch da.

Alexander strebte aber niemals eine Karriere als Metzger an, und das finden seine Eltern heute gut. „Es hat uns bis heute nicht leidgetan, dass wir unseren Sohn nicht auf diese berufliche Schiene gebracht haben“, sagt Rolf Ritter, „es ist nicht so einfach in der Selbstständigkeit.“

Einen Einbruch erlebte das Geschäft - wie viele andere in der Branche ebenfalls – mit dem BSE-Skandal in den 90-er Jahren; kaum jemand kaufte noch Rindfleisch. Außerdem stellte der Fleischermeister eine Entwicklung fest: „Die klassischen Fleischgerichte werden immer seltener gekocht. Wir haben mit selbst hergestellten Spezialitäten unsere Kunden umworben und immer Wert auf Qualität gelegt.“

Weil Rolf und Marita Ritter aber noch ein wenig Lust aufs Arbeiten haben, ist das Geschäft auch in Zukunft an einigen Stunden im Monat geöffnet.

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