Menzerather Weiher: Tristesse an einem ökologischen Kleinod

Von: Ernst Schneiders
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Vom einstmals idyllischen Menzerather Weiher ist nichts mehr übrig. Dort herrscht derzeit Tristesse pur. Foto: Ernst Schneiders

Menzerath. Mindestens seit dem 16. Jahrhundert gibt es die Fischweiher in Menzerath. 1549 wurden sie erstmals urkundlich zur Versorgung der Monschauer Burg erwähnt. Seit 1918 sind sie im Besitz der Familie Gronen.

Das 1927 errichtete Wohnhaus wurde bis 1953 als Pension und Restaurant genutzt. Prominenz wie Franz von Papen, Heinrich Lübke oder Konrad Adenauer haben dort bei Kaffee und Kuchen die Eifel-Idylle genossen. Pension und Fischzucht wurden 1989 eingestellt. 2007 wurde der Angelbetrieb zunächst reduziert. Inzwischen ist er völlig beendet der Weiher wurde abgelassen, allerdings nicht freiwillig. Tristesse pur.

Die Brüder Gerrit und Axel Gronen möchten das Terrain, das wegen seiner ökologischen Vielfalt unter Landschaftsschutz steht, wieder wirtschaftlich nutzen, doch fühlen sich die Gronens von der Stadt Monschau und der Städteregion Aachen im Stich gelassen und zwischen den Mühlsteinen der Bürokratien zermahlen - und das seit vier Jahren.

Am Anfang war „Kyrill”

Das Dilemma begann mit „Kyrill” im Frühjahr 2007. Der Sturm wehte eine der beiden Buchen um, die die Brüder Gronen ohnehin entfernen wollten, was ihnen allerdings von der Behörde untersagt worden war. Der große alte Baum beschädigte den Staudamm des Weihers. Seitdem wird diskutiert, bisher ohne sichtbares Ergebnis. Vor allem die Behörden untereinander seien sich nicht einig. Ein Amt ordne etwas an, ein anderes Amt hebe diese Anordnung wieder auf, beispielsweise bei der Abriegelung des Waischbachs, so Axel Gronen. Zu Lebzeiten von Reinhold Thönnessen hatten die Brüder Gronen im Monschauer Rathaus einen „verlässlichen Ansprechpartner”.

Nach dessen Tod erinnere sich an der Laufenstraße niemand mehr an Absprachen und Zusagen. Gerrit Gronen: „Leider gibt es dazu nichts Schriftliches. Das ist jetzt unser Problem.” Die Städteregion biete weiterhin ihren Rat an, erinnere sich aber wie die Stadt Monschau nicht mehr an finanzielle Zusagen, nach denen die gesamten Sanierungskosten von etwa 60.000 Euro gedrittelt werden sollten. Nächsten Monat ist wieder ein Gespräch anberaumt. Axel Gronen: „Dann fangen wir schon wieder bei Null an!”

Vorläufiger Höhepunkt der Malaise war das zwangsweise Ablassen des großen Weihers im Spätherbst vergangenen Jahres. Der Unteren Wasserbehörde war aufgefallen, dass die beschädigte Dammkrone abgesunken war und bersten könnte. Die Gronens trommelten in Windeseile einige Helfer zusammen, setzen Fische und Teichmuscheln in andere Weiher um, so gut des ging. An die 2000 große Teichmuscheln, ganzjährig geschützt, konnten nicht gerettet werden. Sie steckten bei der Umsiedlung unsichtbar im Schlick auf dem Grund des Weiher und haben den strengen Frost im Winter nicht überlebt.

Geschätzte 60.000 Euro

Um den „großen Weiher”, also den eigentlichen Menzerather Weiher, wieder wirtschaftlich nutzen zu können, müssten der Grundablass, das Mönchsbauwerk und eine tiefer im Gelände liegende Rohrleitung saniert werden. Mit den geschätzten Kosten in Höhe von 60.000 Euro sieht ich die Familie Gronen finanziell überfordert, zumal inzwischen jegliche Einnahmen aus der Bewirtschaftung des Weihers fehlen. Die Gronens appellieren deshalb an die Stadt Monschau, ihren Verpflichtung nachzukommen, denn der Weiher diene auch dem Hochwasserschutz, vor allem für die am Eschbach lebende Bevölkerung.

Das wird auch im Monschauer Rathaus nicht bestritten, allerdings relativiert Bürgermeisterin Margareta Ritter in einem Schreiben an die Städteregion den Wert des Weihers in dieser Beziehung. Axel Gronen reagiert enttäuscht: „Das nächste Starkregenereignis kommt bestimmt, und dann werden wir sehen, wie rasch die Keller in der Eschbachstraße vollgelaufen sind.”

„Es geht nicht weiter”, konstatiert auch Verwaltungschefin Ritter den Stand der Verhandlungen: „Es scheitert nicht am Willen, sondern an der Aufteilung der Kosten.” Der Weiher gehöre nun einmal der Familie Gronen, und wenn sie das Gewässer wirtschaftlich nutzen wolle, dann müsse sie bestimmte Auflagen erfüllen. Die Stadt Monschau, das hat die Bürgermeisterin schriftlich niedergelegt, sehe ihre Beteiligung bei etwas mehr als 15.000 Euro.

Bleibe also, so Axel Gronen, die Rolle der Städteregion zu klären, die zwar für „Schweinegeld” sechs Krötentunnel unter der Alten Monschauer Straße verlegt habe, den Amphibien mit dem angeordneten Ablassen des Weihers jedoch die Möglichkeit zu Fortpflanzung nehme. Denn der in dieser Pfütze deponierte Laich werde mit steigenden Temperaturen binnen kurzer Zeit verfaulen.

Die Gebrüder Gronen können sich des Eindrucks nicht erwehren, dass an der Aachener Zollernstraße die Linke nicht weiß, was die Rechte tut. Bestätigt wurde diese Vermutung von Amphibienschützerin Roswitha Weinberg aus Simmerath, die auch die Erfahrung gemacht hat, dass die Untere Wasser- und die Untere Landschaftsbehörde nicht miteinander kommunizieren, „obwohl sie auf einem Flur sitzen”. Weinberg: Die sind wohl beide so überlastet, dass sie einfach nicht dazu kommen, sich auszutauschen.”

Entsprechend schlicht fällt denn auch nach vierjähriger Arbeit am Thema die Stellungnahme der Städteregion aus. In der ersten Aprilhälfte, so Pressesprecher Detlef Funken, gebe es ein gemeinsames Gespräch mit der Stadt Monschau und der Familie Gronen, bei dem es um die erforderlichen Maßnahmen gehe, zumal der Weiher auch „als Überlauf für den Eschbach gebraucht” werde. Eine Kostenbeteiligung werde im Hause geprüft.
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