AZ App

Menschen mit und ohne Handicap im Theater Kunterbunt

Von: ale
Letzte Aktualisierung:
11652186.jpg
Nach der gelungenen Premiere wurden die Schauspieler des Theaters Kunterbunt vom begeisterten Publikum mit stürmischen und langanhaltenden Applaus belohnt. Foto: Anneliese Lauscher

Konzen. Was für ein spaßiger Abend! Am Wochenende spielte das Theater Kunterbunt zweimal vor ausverkauftem Haus im Musik- und Kulturzentrum in Konzen. Die großartigen Laienspieler, wobei es sich um Menschen mit und ohne Handicap handelt, hatten sich entschieden, den Theaterfreunden einen Shakespeare-Abend zu bieten.

Aus dem vielseitigen Fundus von schillernden und geheimnisvollen, teil romantischen und teils blutrünstigen Figuren hatte sich jeder eine ausgesucht, die er gern verkörpern wollte. Nun wurde in bunten, rasch wechselnden Szenen die Theaterwelt des Dramatikers aus dem 16. Jahrhundert hervorgezaubert, die verschiedenen Werke wurden nach Herzenslust vermischt, herausgekommen ist „Konzen sehen und sterben“.

Nebel waberte zu mystischen Musikklängen über die Bühne, als die Hexe (Rita Förster) dem König von Schottland ihre Huldigungen zurief. Als drolliger Geist trat Elena Ullmann auf, sie mimte Hamlets ermordeten Vater, dem „die letzte Ölung“ gefehlt hat und der nun als Untoter herumgeistert. König Lear ist äußerst eitel, sein Hofnarr (Yassin Mashi) muss ihm dauernd den Spiegel vorhalten, damit er seine Schönheit bewundern kann, besonders sein knackiges Hinterteil. Die Elfenkönigin Titania soll sich verlieben, dafür reicht der Narr ihr einen Liebestrank – mit dem Ergebnis, das sie nun liebestoll hinter ihm her rennt. Mit gregorianischen Gesängen wurde die lustige Szene eingeleitet, als der ehrwürdige Kardinal Wolsey (Simon Braun) mit Königin Elisabeth (Petra Jollet) zusammentrifft. Der Kardinal will Papst werden und braucht Geld, deshalb bietet ihm die vornehme und vom Publikum umjubelte Königin an, sich etwas dazu zu verdienen: Er solle sich mit ihren Möpsen beschäftigen – da blieb im Publikum kein Auge trocken.

Eine völlig verliebte Julia spielte Angela Bätz, textsicher und hingebungsvoll sang sie: „Ich spür, mein Held wird kommen“ (wahrscheinlich bei Ella Endlich abgeguckt). Da ihr Romeo aber eine Puppe ist, wurden die Liebesszenen sehr witzig. Und erst die Heiratszeremonie, da sangen alle schmachtend „I will follow him“.

Die fiese Lady Macbeth (Annemie Stollenwerk) schmiedet ihre Mordpläne und schafft es tatsächlich, ihren Gemahl (Angelina Freihöfer) auf den Königsthron zu bekommen. Hamlet (Brigitte Palm) flieht mit dem Geist seines Vaters nach Dänemark, er hat sich mit Elisabeth einen originellen Streit geliefert, da kam viel Lokalkolorit zum Vorschein.

In Konzen stirbt es sich besonders dramatisch, darüber lachten die Zuschauer herzhaft. Sie drückten ihre Begeisterung und Bewunderung mit langanhaltendem Beifall aus, sie bedankten sich in Gesprächen spontan für die tollen Einfälle, die pfiffige Spielweise und den umsichtigen Szenenaufbau.

„Ich bin stolz auf die Gruppe“, sagte die Theaterpädagogin Ingrid Wiederhold, als der herzliche Applaus verklungen war, „sie haben so mutig gespielt und sich sogar getraut zu improvisieren. Manche Textzeile war auch für mich neu. Die Spieler und auch ich würden es bedauern, wenn die Theaterreihe nun enden würde, es hat unendlich viel Spaß gemacht.“

Andrea Hein von der KoKoBe Eifel, die das Theaterprojekt über drei Jahre betreut hat, bedankte sich bei der engagierten Spielleiterin und bei allen Sponsoren. Sie versprach, nach Möglichkeiten zu suchen, um das „Theater Kunterbunt“ fortzuführen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.