Kesternich - Meisterschaft: Erich Degen weiß, wie man Energie spart

Meisterschaft: Erich Degen weiß, wie man Energie spart

Von: Max Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
13946578.jpg
Er weiß, wie man richtig und effizient Energie spart: Erich Degen aus Kesternich hat im Rahmen der Energiesparmeisterschaft nicht nur die Heizkosten verringert. Foto: Max Stollenwerk

Kesternich. 240 Kilometer steil bergauf mit vier extremen, energiezehrenden Alpenpässen, rasende Abfahrten bei über 100 Kilometern pro Stunde, über 5500 Meter zu bewältigender Höhenunterschied und circa zehn kräftezehrende Stunden auf dem Rennrad – bei dieser Beschreibung würde man wohl zu allerletzt an das Thema Energiesparen denken.

Doch diesen extremen Energieverbrauch betreibt Erich Degen aus Kesternich nur, wenn es um seine eigene körperliche Fitness geht.

Rund um die Themen Heizungs- und Stromverbräuche kann man ihn dagegen als echten Energiesparer bezeichnen. Denn der 52-Jährige Kesternicher hat gemeinsam mit 15 weiteren Familien (14 Besitzer von Einfamilienhäusern sowie eine Mietpartei) aus der gesamten Städteregion Aachen an der Energiesparmeisterschaft teilgenommen, die über das ganze Jahr 2016 ging. Die Voraussetzungen zur Teilnahme sahen vor, dass das Haus oder die Wohnung von mindestens vier Bewohnern und seit mindestens drei Jahren bewohnt ist, damit vergleichbare Daten aus der Vergangenheit gegeben sind.

„Ich bin durch eine Anzeige der Verbraucherzentrale auf den Wettbewerb aufmerksam geworden und fand besonders das Angebot einer kostenlosen Thermographie reizvoll“, sagt Degen über die Entscheidung zur Teilnahme an der Energiesparmeisterschaft. Bei diesem bildgebenden Verfahren zur Anzeige der Oberflächentemperatur von Objekten werden ungedämmte Flächen einer Außenwand eines Hauses, die für das menschliche Auge nicht erkennbar sind, rot gekennzeichnet. Und so habe er sich beworben und schließlich auch an dem Wettbewerb, den die Energieberatung der Verbraucherzentrale NRW in Kooperation mit Altbauplus, der Energeticon GmbH und der Städteregion Aachen erstmalig durchgeführt hat, teilnehmen können. Die Energiesparmeisterschaft war ein Pilotprojekt, eine solche Aktion hat bisher in keiner anderen Stadt in Nordrhein-Westfalen stattgefunden.

Auf Suche nach Schwachstellen

Im gesamten abgelaufenen Jahr hat Erich Degen gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern dann akribisch daran gearbeitet, Schwachstellen am Haus zu entdecken und Energie zu sparen. Seine Verbrauchsdaten habe er immer am Monatsende an die Verbraucherzentrale übermittelt. „Es ist interessant das eigene Verhalten beim Energieverbrauch kennenzulernen und zu sehen, an welchen Stellen Einsparpotenziale und Optimierungen möglich sind“, ist Degen, der beruflich im Anlagenbau angesiedelt und auch dort mit dem Thema Energie vertraut ist, überzeugt von dem Nutzen des Wettbewerbes.

Um Energie zu sparen, hat Erich Degen beispielsweise schaltbare Steckdosenleisten angeschafft, „um viele Geräte, die bisher im Stand-by-Modus gelaufen sind, abzuschalten“. „Denn in diesem Modus brauchen viele Geräte einiges an Energie“, weiß der Energiefachmann, für den das Bewusstsein über das eigene Nutzungsverhalten entscheidend ist, und betont, dass „selbst in Neubauten Einsparpotenzial vorhanden ist“.

Auch Funksteckdosen gehören zum Einsparprogramm, so dass der Strom nun auch vom Sofa oder dem Bett bequem ausgeschaltet werden kann. Wichtig sei auch, dass man Energie sparen könne, ohne dabei Komfortverluste in Kauf nehmen zu müssen. „Nur, weil wir Energie sparen, wird jetzt nicht kalt geduscht“, sagt Degen scherzhaft.

Im Bereich der Heizung hat Erich Degen zwar nicht viel gespart, da er dort bereits sehr gut aufgestellt ist. „Wir verfügen über eine Heizung mit Ölpumpe, eine Wärmepumpe, über Solarkollektoren sowie eine Photovoltaikanlage, wobei die Technik darüber entscheidet, dass zum richtigen Zeitpunkt das richtige Heizmittel verwendet wird“, erklärt er die komplexe Steuerung seiner Heizungsanlage. Doch selbst bei dieser konnte durch Zufall eine Einsparmöglichkeit entdeckt werden: „Wir konnten feststellen, dass sich am Außenfühler der Heizung wohl eine Katze gekrault hat und den Temperaturregler verstellt hat. Den Regler haben wir neu eingestellt und an eine andere Stelle versetzt“, erzählt er amüsiert.

Bei der Siegerehrung am vergangenen Freitag im Alsdorfer Energeticon war Erich Degen auch mit von der Partie. „Es war spannend den Vergleich zu den anderen Teilnehmern zu haben und zu sehen, wer an welcher Stelle wie viel Energie einsparen konnte“, so Degen. Ausgezeichnet worden bei der Abschlussveranstaltung in Alsdorf sind der beste Stromsparmeister sowie der beste Heizungssparmeister. Preise wie zwei Pedelecs oder ein Reisegutschein sind unter den Teilnehmern verlost worden, „da die Vergleichbarkeit der einzelnen Verbräuche aufgrund individueller Schwankungen schwierig war und es dadurch nicht so einfach festzustellen war, wer etwas besser war oder nicht“, erläutert Degen. Doch es sind auch aussagekräftige Zahlen präsentiert worden.

„Der Stromsparmeister hat 35 Prozent im Vergleich zu den Werten aus den Vorjahren eingespart“, berichtet der 52-Jährige, der seinen eigenen Stromverbrauch um 16 Prozent senken konnte und auch die Heizkosten verringert hat. Auch, wenn der Wettbewerb jetzt abgeschlossen ist, besteht für ihn weiter die Möglichkeit, seine Daten an die Verbraucherzentrale zu übermitteln, um stets auf dem Laufenden zu bleiben und den Verbrauch im Blick zu haben.

„Gefühlt alle Energiesparmeister“

„In der Summe haben alle Teilnehmer Energiekosten gespart, so dass gefühlt alle Energiesparmeister geworden sind“, schildert Degen. „Wichtig ist es nun, dauerhaft auf den Energieverbrauch zu achten und die Einsparmöglichkeiten zu verinnerlichen, um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen“, so der zweifache Familienvater. Und auch wenn er nicht als der beste Stromsparmeister oder Energiesparmeister ausgezeichnet worden ist, zieht Erich Degen ein positives Fazit: „Ich habe in dem Wettbewerb interessante Erkenntnisse über das eigene Nutzungsverhalten erfahren, um Fehler nun frühzeitig feststellen und beheben zu können und kann jeden nur dazu motivieren und ermutigen, auf sein eigenes Verhalten zu achten.“

Bei seiner zweiten Teilnahme nach 2014 am wohl härtesten Radmarathon der Welt im August dieses Jahres in Sölden, der wohl nicht einmal mit einer Königsetappe der Tour de France zu vergleichen ist, muss der leidenschaftliche Radsportler dann jedoch hochschalten und den Energiesparmodus eine Zeit lang ruhen lassen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert