Monschau - „Meine zweite Kraftinsel“ für Kinder psychisch kranker Eltern

„Meine zweite Kraftinsel“ für Kinder psychisch kranker Eltern

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Monschau. „Papa liegt tagsüber immer im Bett und zieht die Vorhänge zu.“ Die Kinder wissen nicht, dass das Verhalten der Eltern durch eine Krankheit verursacht wird. Sie merken nur, dass etwas komisch ist. Kinder, die mit einem psychisch erkrankten Elternteil aufwachsen, haben sehr feine Antennen, sie sind sensibel für Stimmungsschwankungen.

Sie fragen sich, wie ihre Mutter oder ihr Vater sich heute wohl verhalten wird. Sind die Rollläden unten? Regt Mama sich heute wieder schnell auf? Die Kinder verhalten sich oft angepasst und übernehmen viel Verantwortung für den erkrankten Elternteil. Sie sprechen nicht über ihr zu Hause, weil sie die Erlaubnis dazu nicht erhalten oder, weil sie das Verhalten des Elternteils nicht einschätzen können. Die betroffenen Kinder fallen über einen langen Zeitraum nicht auf. Sie kümmern sich oftmals wenig um ihre eigenen Bedürfnisse, bis es ihnen selbst nicht gutgeht.

Im September startet in der Beratungsstelle in Monschau zum dritten Mal eine Gruppe für Kinder im Alter zwischen sieben und elf Jahren, deren Eltern unter einer psychischen Erkrankung leiden. Mit dieser Gruppe möchte die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche (in Trägerschaft des Vereins zur Förderung der Caritasarbeit im Bistum Aachen) betroffenen Familien Hilfe anbieten.

Die Kinder erhalten in der Gruppe Erklärungen über die Erkrankung und verstehen so, warum Mama oder Papa sich in bestimmten Lebenssituationen so verhalten. In der Gruppe wird das Gespür der Kinder für ihre eigenen Gefühle geschärft. Sie werden in der Gruppe unterstützt, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.

Arbeit gegen Schuldgefühle

Oftmals leiden die Kinder unter Schuldgefühlen. Sie glauben: „Hätte ich mir mehr Mühe gegeben, wäre ich noch lieber gewesen, dann wäre Mama bestimmt wieder gesund geworden.“ Kinder erfahren, dass sie keine Schuld haben an der Erkrankung der Eltern und dass es nicht in ihrer Macht steht, die Eltern durch Fürsorge gesund zu machen. Es stärkt die Kinder zu erfahren, dass andere Kinder die gleichen oder ähnlichen Erfahrungen in ihren Familien machen.

Die psychische Erkrankung eines Elternteils ist jedoch nur ein Aspekt in der Familie. Es wird mit den Kindern auch geschaut, was in der Familie schön ist und was sie glücklich macht. Sie erleben in der Gruppe Zusammenhalt und Spaß durch Spielen, künstlerische und erlebnispädagogische Elemente.

In einem Vorgespräch können Eltern alle Fragen und Unsicherheiten ansprechen. Erst danach wird gemeinsam entschieden, ob das Gruppenangebot für das Kind hilfreich sein kann. Durch Spendengelder ist es möglich, bei Bedarf einen Fahrdienst für die Kinder einzurichten.

Die Gruppe findet ab September elf Mal immer montags von 15 Uhr bis 16.30 Uhr unter der Leitung von Anne Klubert (Kinder- und Jugendlichentherapeutin) und Jean-Marie Cremer (Familientherapeut i.A.) statt. Ab sofort können sich interessierte Eltern bei der Beratungsstelle melden. Die Veranstalter freuen sich, Eltern und Kinder kennenzulernen und stehen für Fragen gerne zur Verfügung.

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