Roetgen - Mehr Wasser als genug im Wohngebiet

Mehr Wasser als genug im Wohngebiet

Von: Günther Sander
Letzte Aktualisierung:
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Mehr Wasser als genug gibt es im Bereich „Muerenbruch/Im Dorf“ in Roetgen. Jetzt soll die Situation durch Sofortmaßnahmen entschärft werden. Foto: Günther Sander

Roetgen. Mehr Wasser als genug gibt es im Roetgener Wohngebiet „Muerenbruch/Im Dorf“. Jetzt befasste sich der Gemeinderat in seiner ersten Sitzung 2015 mit der Entwässerungssituation und erkannte: Handlungsbedarf ist vorhanden, jetzt muss rasch Abhilfe geschaffen werden.

Ursprünglich sollte sich der Bauausschuss in seiner Sitzung am nächsten Dienstag mit der Entwässerungssituation befassen, doch ein Antrag der CDU-Fraktion führte dazu, einen gewünschten Sachstandsbericht des Ingenieurbüros Achten und Jansen „vorzuziehen“ und den Gemeinderat damit zu beschäftigen. Für die Christdemokraten hatte Michael Seidel aktuelle Regenereignisse für die „aktuelle Stellungnahme“ als Begründung angegeben. Seidel machte deutlich, die bisherigen Maßnahmen seien nach Auffassung der CDU „teilweise nicht korrekt umgesetzt worden.“ Weiter: „Die Stellungnahme der Verwaltung entspricht nach unserer erneuten Ortsbesichtigung nicht den Tatsachen.“

Das Ingenieurbüro Achten und Jansen gab in der Sitzung mit der „Entwässerungsstudie Faulenbruch“ reichlich Aufschluss über den Überflutungsschutz der Erschließungsgebiete Greppstraße/Lammerskreuzstraße und kam zu dem Ergebnis, dass der WVER seiner Pflicht zur Gewässerunterhaltung nachkomme.

Trockenlegung abgelehnt

Weiter mache das Ergebnis einer Ortsbegehung mit der Gemeinde Roetgen, WVER und der Unteren Wasserbehörde (UWB) deutlich, dass es eine Entfernung und Ertüchtigung von Verrohrungen sowie Grundräumung geben werde. In Teilbereichen werde auch der Zaun versetzt, der Zugang zum Gewässer gewährleiste. Eine Trockenlegung der typisch bewachsenen Wiesen jedoch lehne die UWB ab.

Deutlich kam zum Ausdruck, dass „Grepp III“ nicht die Ursache der Wasserproblematik sei. Im Bereich „Greppstraße I“ sei der Kanal für Niederschlagswasser des Erschließungsgebietes ausgelegt – nicht für Oberflächenwasser. Abfanggraben und Rigolen seien weitere Maßnahmen, dezentrale Maßnahmen würden sich erübrigen.

Eine Stellungnahme der Gemeinde vom 22. Dezember 2014 zum Schreiben der UWG sei „technisch korrekt“, so die Ingenieure. Auch klang an, dass die Umsetzung der Maßnahmen das Einverständnis der Grundstückseigentümer voraussetze. Als flankierende Maßnahme sei ein möglicher zusätzlicher Abfanggraben oberhalb des Campingplatzes wünschenswert. Eine erste Sofortmaßnahme sei der „Nebenarm Faulenbruch“, eine zweite habe hohe Priorität, ein Graben von etwa 400 Metern Länge. Nach baulicher Umsetzung der Rigolen könnten die Tondrainagen verschlossen werden.

Noch einmal wurde betont, „Grepp III“ sei nicht Ursache der Wasserproblematik. Fazit: Die Abflüsse aus dem natürlichen Einzugsgebiet seien größer als der Abfluss aus dem Staukanal von „Grepp III“. Die Trockenlegung großer Feuchtgebiete habe Auswirkungen auf den Wasserkreislauf und den natürlichen Wasserspeicher in Roetgen, so die Studie. Die um 1890 gegründeten Drainagenverbände seien aufgelöst worden, die rechtliche Nachfolge noch ungeklärt. Die Gemeinde Roetgen sei nicht für die Unterhaltung und ordnungsgemäße Funktion der Drainage verantwortlich. Eine endgültige Klärung müsse die Rechtslage bringen.

Zu den Baukosten war zu hören, dass für den unteren Abfanggraben 85.000 Euro brutto angesetzt werden, hinzu kommen 15.000 Euro für Vermessung, Baugrundgutachten und Ingenieur-Honorare. Die Kosten für den oberen Abfanggraben: Rigolen sind mit 65.000 Euro brutto veranschlagt sowie noch einmal 15.000 Euro für Vermessung, Baugrundgutachten und Honorare. Insgesamt also 180.000 Euro brutto.

Bauamtsleiter Dirk Meyer teilte mit, man strebe eine Anliegerversammlung an, denn ein erster Schritt sei das Gespräch mit den Leuten. Dazu gehöre auch die Rechtslage, die noch geklärt werden müsse. „Dann wissen wir, wo wir stehen“, so Meyer.

Für Bernd Vogel (CDU) sind die Wiesen „nicht vernetzt“, sinnvoll sei es, den alten Zustand wieder herzustellen. Aber alles müsse rechtlich haltbar sein. „Wir sind natürlich daran interessiert, die Situation zu verbessern“, gab Bürgermeister Manfred Eis (SPD) zu verstehen. Für Michael Seidel (CDU) ist das Problem nicht neu, die Situation habe sich noch verschärft. Er habe das Gefühl, die Politiker seien nicht ernst genommen worden, denn es hätte stets Anfragen gegeben. „Das ärgert mich sehr, jetzt muss was passieren“, so Seidel.

Bei einer Ortsbesichtigung, an der auch die UWG teilgenommen habe, konnten wichtige Erkenntnisse gesammelt werden. Bernd Vogel dokumentierte noch einmal mit aktuellen Dias die dringende Notwendigkeit zur Abhilfe.

Silvia Bourceau (UWG) vermisste konkrete Unterlagen für die Öffentlichkeit. „Für die ist die Problematik wichtig“, gab sie zu verstehen, denn Anwohner hätten auf die Probleme aufmerksam gemacht. Helmut Mulorz (SPD): „Dass Handlungsbedarf besteht, bestreitet niemand.“ Was das Ingenieurbüro vorgetragen habe, sei eine vernünftige Grundlage, um weiter arbeiten zu können. „Wir sollten uns auf den Weg machen, Punkt für Punkt alles abzuarbeiten“, empfahl Mulorz.

Realität vor Ort

In einer Stellungnahme des Bauamtes an Silvia Bourceau (UWG) heißt es, dass seitens des Bauhofes im Gebiet „Muerenbruch/Im Dorf“ einiges unternommen worden sei. Die Problemstellen im Bereich Im Dorf 17 seien „bekannt.“ Man habe versucht, den Zufluss aus der Wiese in Richtung Senke links von Haus Nummer 17 zu leiten. Ungünstiges Grabengefälle habe neue Probleme bereitet. Der Ablauf müsse tiefer gelegt und der Graben umgebaut werden. Auch andere Maßnahmen seien realisiert worden, weitere müssen noch in Angriff genommen werden.

UWG-Fraktionsvorsitzende Silvia Bourceau konnte vor Ort andere Erfahrungen machen, nachdem es lange Zeit geregnet hatte. Im Muerenbruch komme das Wasser vor einem Haus im Wasserfall auf das Grundstück. Der vorgelagerte Kanal sei randvoll mit Wasser, er werde überspült, es finde kein Ablauf statt. Auch am Fußweg sei eine Seite des Wegegrabens „vollgelaufen.“ „Augenscheinlich sind im Muerenbruch planerische Fehler unterlaufen, denn auch nach Erschließung des Gebietes ist das Problem nicht gelöst. Der Kanal fasst das Wasser definitiv nicht“, so Bourceau an Gemeinderat, Bürgermeister Eis und Bauamtsleiter Meyer. Gefragt wurde auch nach zukünftigen Planungen für das kommende Baugebiet „Grepp II“.

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