Mehr Hecken, aber weniger Höhe

Von: hes
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An der „schönsten Hecke 2009” endete für die Kommission der Aachen die Bewertung der Buchenschutzhecken im Stadtgebiet Monschau. unser Bild zeigt von links die Juroren Udo THorwesten (Umweltamt Städteregion), Stefan Pauls (Landschaftsbaubetrieb) und Klaus-Jürgen Schmitz (Forstwirt der Stadt Monschau) mit Wolfgang und Elisabeth Steffens sowie Mützenichs Ortsvorsteherin Jacqueline Huppertz. Foto: Heiner Schepp

Monschau. Trotz schönsten Wetters wurde die Arbeit der Heckenkommission kein Herbstspaziergang: 680 Hecken mussten die Juroren um Udo Thorwesten binnen drei Tagen im Stadtgebiet begutachten und durften dabei eines erfreut feststellen.

Die Monschauer stehen zu ihren großen Buchenschutzhecken, ihre Zahl hat seit der letzten Prüfung sogar zugenommen. Und so durfte die Bewertungskommission, die erstmals unter der Flagge der Städtregion durchs buntgefärbte Land zog, alleine 99 Mal das Prädikat „sehr gut” und den entsprechenden „Pflegezuschuss” verleihen.

Enormer Pflegeaufwand

Einen kleinen Wermutstropfen hatte Jurysprecher Udo Thorwesten, früher beim Kreis Aachen und nun bei der Städteregion zuständig für Naturschutz und Landschaftsplanung, aber doch bei der Bekanntgabe seiner Bilanz mitzuteilen: „Der Trend geht nach unten, was die Höhe angeht.”

Immer weniger Heckenbesitzer seien bereit, den enormen Aufwand für die Heckenpflege in drei, vier oder fünf Metern Höhe in Kauf zu nehmen. „Wir haben beobachtet, dass nach einem Eigentümerwechsel, bei Krankheit und im Alter oder auch aufgrund anderer fehlender Möglichkeiten häufig Hecken zurückgeschnitten und gestutzt werden”, so Thorwesten.

Biologische Wärmedämmung

Der Mann von der Landschaftsbehörde ermunterte Heckenbesitzer, nicht so schnell aufzugeben, denn die Eifeler Buchenschutzhecken seien ein Stück Kulturgut, dessen Ursprünge seit Ende des 17. Jahrhunderts belegt seien, und die daher besonders schützenswert seien.

„Die Hecken sind nicht nur die beste biologische Wärmedämmung auf den zugigen Eifeler Höhen, sondern auch ein ökologisches Linienbiotop und ein besonders ästhetisches Element der Dorfgestaltung. Und nicht zuletzt sind sie auch im Winter ein Lärm- und Sichtschutz”, so Thorwesten.

Wer der Hecke und vor allem ihrer Höhe alleine nicht mehr Herr zu werden glaubt, hat noch einige Möglichkeiten, ehe er zur Säge greift. So lasse sich meistens ein hilfsbereiter Traktorbesitzer finden, der seine Karre oder den Frontlader als Arbeitsbühne zur Verfügung stellt, wenn die Leiter zu wackelig wird.

Hebebühne aus Höfen

Reicht auch dies nicht aus, kann man im Handel oder auch bei einem Verein in Höfen eine Hebebühne leihen. „Diese kostet 50 Euro für einen Tag, und wer sagt denn, dass sich beispielsweise zwei oder drei Heckenbesitzer diese Arbeitshilfe nicht an einem Tag teilen können”, so Thorwesten augenzwinkernd.

Wenn das alles nicht reicht, könne man beispielsweise so weit (bzw. hoch) schneiden, wie man komme und den Rest einem Unternehmer überlassen. Die Kosten dafür deckt der Heckenzuschuss der Städteregion zwar nicht ab, aber die Prämie soll ja auch nur eine Anerkennung für den Besitzer sein, dass er das Kulturgut Buchenschutzhecke pflegt.

Eine Anerkennung gab es zum Schluss der Bewertungsreise 2009 - im nächsten Jahr sind dann wieder die Heckenbesitzer in Simmerath und Roetgen an der Reihe - auch für Wolfgang und Elisabeth Steffens: Die 80 Meter lange und durchgängig drei, teils sogar fünf Meter hohe Hecke an der Ecke Gustengasse/Reichensteiner Straße wurde in diesem Jahr als „schönste Hecke 2009” ausgemacht und mit einer Pflanzenschere samt Teleskopstiel belohnt.

Wolfgang Steffens, im Venndorf besser bekannt als „Oaßweeds Jupp” (benannt nach der früheren Gaststätte Zur Ochsenweide), pflegt die Hecke weitgehend noch selbst. „Nur für die letzten Meter da oben habe ich mir einen Profi bestellt”, zeigt Steffens auf die höchste Stelle seiner prämierten Hecke, der auch ein eingewachsener eifeltypischer Weißdorn keinen Abbruch tut.

Auch Familie Steffens wurde von Udo Thorwesten ermuntert, die Hecke nicht weiter zu kürzen, „denn das haben wir dieses Jahr sehr oft beobachtet und tut uns schon weh”, bekennt der Mann vom Umweltamt. In aller Regel vertrage die typische Buchenschutzhecke auch das Kürzen von oben überhaupt nicht: „Eine kopflose Hecke wird oben drauf niemehr richtig dicht”, weiß Landschaftsbauer Stefan Pauls, und Udo Thorwesten hat noch einen Tipp parat: Buchenschutzhecken muss man behandeln wie einen Kinderpopo: immer schön sanft herangehen und die Wurzeln nicht abdecken, denn das mag die Buche nicht.”
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