Monschau/Simmerath - Mehr Barrieren im Kopf als auf der Straße

Mehr Barrieren im Kopf als auf der Straße

Von: Heiner Schepp
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Partner im Bemühen, die Öffentlichkeit für das Thema Inklusion zu sensibilisieren: Bürgermeisterin Margareta Ritter und Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns (vorne) mit (von links) Marc Inderfurth (Caritas Lebenswelten), den Sozialraum-Managerinnen Andrea Hein und Anna-Lena Halm sowie Fred Perlbach (ABK). Foto: H. Schepp

Monschau/Simmerath. Die Stadt Monschau und die Gemeinde Simmerath haben jetzt gemeinsam mit den freien Trägern des Inklusionsprojekts „Wir Alle – Gemeinsam leben in der Städteregion Aachen“ einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Darin verpflichten sich alle Partner, die Ziele des von der „Aktion Mensch“ geförderten Projekts voranzutreiben, nämlich eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema „Inklusion“ sowie eine Vernetzung verschiedenster Akteure in unserem Raum.

Nicht nur in der Schule

Wenn in diesen Tagen die Rede auf den Begriff „Inklusion“ kommt, dann sind die Meinungen dazu nicht immer nur positiv. „Der Begriff hat im Zusammenhang mit dem Schulthema leider auch einen negativen Zungenschlag bekommen, weil die Zusammenführung von Sonder- und Regelschulen von oben herunter politisch durchgedrückt wurde“, bedauerte Fred Perlbach, Geschäftsführer des ABK-Hilfswerks, vor der Unterzeichnung am Mittwoch.

Auch Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns stellte fest, dass der Inklusionsbegriff derzeit fast nur auf Schule bezogen würde, wobei das Thema weit vielschichtiger sei.

Hermanns berichtete aus eigener Erfahrung, dass ihm erst kürzlich bewusst geworden sei, welch eine gewaltige Hürde eine sechs Zentimeter hohe Stufe auf der Straße für einen Rollstuhlfahrer sein könne. Und der Bürgermeister erzählte offen von seiner kürzlich verstorbenen, gehbehinderten Mutter, der es „zu peinlich war, sich einen Rollator zuzulegen, um mobiler zu sein“. Allerdings, so lobte Karl-Heinz Hermanns, werde „heute im öffentlichen Leben weit mehr auf Barrierefreiheit geachtet als noch vor 20 oder 30 Jahren“.

Bezugnehmend auf das Inklusionsprojekt „Wir Alle“ stellte Fred Perlbach fest, dass man es hierbei heute mehr noch mit Barrieren im Kopf als auf der Straße zu tun habe. Dies bestätigte Andrea Hein, gemeinsam mit Anna-Lena Halm als Sozialraummanagerin die Begleiterin des Inklusionsprojekts für den Raum Monschau/Simmerath: „Viele möchten ja durchaus auf Menschen mit Behinderung zugehen – aber nur bis zu einer bestimmten Grenze. Und die meisten machen dann doch lieber einen großen Bogen, wenn sie Jemanden sehen, der anders ist“, hatte Andrea Hein beim Projektstand auf dem Kraremanntag in Simmerath beobachtet. Der Umgang mit etwas Fremdem aber werde nur leichter durch Kontakt. „Das ist eine innere Haltung und hat etwas mit Herzensöffnung zu tun“, erinnerte die Sozialraum-Managerin daran, dass eine Behinderung jeden von uns und jederzeit betreffen könne.

Marc Inderfurth, Geschäftsführer des zweiten freien Projektträgers Caritas Lebenswelten, verwendet gerne den Begriff der „Teilhabe am Leben“, weil das (Fremd-)Wort Inklusion durch die Schuldiskussion durchaus Schaden genommen habe. Die Bemühungen, Menschen mit einer – wie auch immer gearteten – Behinderung am Leben teilhaben zu lassen, beträfen gerade auch ältere Menschen, und diese Gruppe der Gesellschaft werde allen demografischen Vorhersagen zufolge in den nächsten Jahren und jahrzehnten immer weiter wachsen.

Das nun unterzeichnete Koopartionsprojekt ist zunächst bis 2015 befrsitet, „in dieser Zeit möchten wir den Samen legen für etwas, das wachsen muss, vor allem in den Köpfen“, so der Geschäftsführer der „Lebenswelten“.

Den Prozess moderieren

Bürgermeisterin Margareta Ritter wünschte sich, dass durch das projekt eine Sensibilisierung in die Bevölkerung getragen werde, die leider bisher überhaupt noch nicht vorhanden sei und nun durch das Projekt in einen moderierten Prozess gelange. Ritter blickte über die Grenze nach Ostbelgien, wo Inklusion den Kindern schon seit vielen Jahren als gesellschaftliche Aufgabe von Geburt an mitgegeben werde.

„Wir sind dankbar, dass die freien Träger diesen prozess nun bei uns moderieren und begleiten“, so die Bürgermeisterin, die sich freute, dass der Vertrag, der vor allem auch vorhandene Angebote in unserer Region bündeln soll, noch vor den Sommerferien unterzeichnet werden konnte.

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