Nordeifel - Mehr als nur ein freier Tag

Mehr als nur ein freier Tag

Von: dm
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Auch wenn das Fest Fronleichnam nicht mehr die Bedeutung aus früherer Zeit besitzt, findet man in einigen Dörfern (wie hier in Steckenborn) noch prächtige Blütenteppiche vor. Foto: Archiv/P. Stollenwerk

Nordeifel. Fronleichnam war in der Nordeifel stets ein großes Fest, ein Ereignis, das überall die Menschen auf die Straße brachte. „Vor wenigen Generationen noch waren die Prozessionen öffentliche Bekenntnisse des Glaubens, etwa gegen eine glaubensfeindliche Staatsmacht”, schreibt Eicherscheids Pfarrer Ernst Schneider im aktuellen Juni-Pfarrbrief.

Vor 90 Jahren, also 1919, kurz nach dem 1. Weltkrieg, mussten die Fronleichnams-Prozessionen ausdrücklich beantragt und genehmigt werden - vom britischen Militärgouverneur. So lesen wir am 21. Juni 1919 in der Lokalzeitung: „In Anbetracht des starken Autoverkehrs der Besatzungstruppen waren in Montjoie drei (Segens) Altäre verlegt worden, um die Hauptstraßen frei zu halten.” Auch dies vermerkt der Bericht: „Die Beteiligung an der Prozession war eine sehr gute, besonders waren auch Männer und Jünglinge vertreten”.

So lesen wir über Fronleichnam anno 1895 in Monschau: „Die Straßen waren prächtig mit Laubwerk und Girlanden geschmückt, die Altäre mit reicher Pracht hergerichtet und herrlich und kunstgerecht aufgebaut. Dazu kam die lebhafteste und erfreulichste Beteiligung der katholischen Gemeinde, die Vereine waren fast vollzählig vertreten.”

Zum Stellenwert des Fronleichnamsfestes heute schreibt Pfarrer Schneider: „Viele denken bei diesem Feiertag nur noch an die geschickte Ausnutzung von Brückentagen und einen zusätzlichen Urlaub und halten die für gestrig, die den Feiertag noch in seinem ursprünglichen Sinn begehen.”

Die Bräuche früherer Jahre und Generationen sind auch in der Nordeifel weniger geworden. Vor vielen Jahren, da war (fast) das ganze Dorf unterwegs, um für das Fest zu rüsten, selbst die Kinder mussten ran. Zu ihrer Aufgabe gehörte es vor allem, auf den Wiesen rund ums Dorf Blumen zu pflücken für die Blumenteppiche wie Ginster oder die hellgrünen Spitzen der Fichtenzweige.

Die Gläubigen wetteiferten, den Weg, den das Allerheiligste durch das Dorf nahm, festlich zu schmücken. Am Wegesrand wurden grüne Maien aufgestellt.

Aus den bunten Blumen der Eifelwiesen wurden farbenprächtige Teppiche gestaltet und auf dem grauen Asphalt der Straßen ausgebreitet. In den Hauseingängen wurden kleine Altäre aufgebaut, die Fensterbänke waren mit Blumen und Zweigen geschmückt. Kaum ein Haus, an dem keine Fahne wehte. Die Dörfer wurden für den Tag, da der Herr durch die Straßen zog, auf Hochglanz gebracht.

Die Frauen und Mädchen hatten ihre besten Kleider angelegt, für die Männer war es wie ein ungeschriebenes Gesetz, den schwarzen Anzug anzuziehen, gleich, was draußen für ein Wetter war. Die Fronleichnamsprozession hatte ihre feste Ordnung. Da waren die Schulkinder mit ihren Lehrern dabei, da wurde die Prozession noch aufgeteilt in Jungmänner und Jungfrauen, und jede Gruppe hatte eine eigene Fahne.

Und der Mittelpunkt der Prozession: Der Pfarrer mit der Monstranz unter dem „Himmel”, der von Mitgliedern des Kirchenvorstandes getragen wird. In einigen Eifeldörfern war es einst Brauch, dass die vier jungen Ehemänner, die zuletzt geheiratet hatten, den „Himmel” trugen. Die Musikvereine spielten alt überlieferte Sakramentslieder und die Kirchenchöre sangen das „Tantum ergo” zum Lobe Gottes.

„Auch in unserer Zeit könnte Fronleichnam wieder zu einem öffentlichen Bekenntnis werden: Lassen Sie sich mit Jesus in der Öffentlichkeit sehen”, wünscht sich Pfarrer Schneider im Pfarrbrief.
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