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Mehr als jeder zweite Eifeler ist ein Pendler

Von: Andreas Gabbert
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Morgens auf dem Weg nach Aachen: Auf der B 258 ist einiges los. Aber nur in einer Richtung. Abends ist die Situation dann genau umgekehrt. Foto: Archiv/Stollenwerk

Monschau. Kurz nach 7 Uhr, Stoßstange an Stoßstange schlängelt sich die Autokarawane über die B 258 in Richtung Aachen – die Eifel ist auf dem Weg zur Arbeit. Auf der Gegenfahrbahn ist um diese Zeit nur wenig los. Wenn sich die tausenden Pendler im Laufe des Tages aber wieder auf den Heimweg machen, wird sich das Bild umkehren.

Auch der 23-jährige Verwaltungsbeamte Nicolas Lunz aus Imgenbroich pendelt jeden Tag nach Aachen zur RTWH um seiner Arbeit nachzugehen. „Ich stehe extra etwas früher auf, denn wenn ich eine Viertelstunde später unterwegs wäre, würde ich fast ein halbe Stunde länger brauchen“, sagt Lunz. Vor allem an den Ampeln in Oberforstbach und in Aachen am Siegel staue sich oft der Verkehr – das kostet Zeit und Nerven.

Der junge Eifeler ist einer von rund 8,3 Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen, die jeden Tag über die Grenzen ihres Wohnortes hinaus zur Arbeit pendeln. Das ist rund die Hälfte der Erwerbstätigen. Mit Blick auf die Statistik der Ein- und Auspendlerquoten von IT.NRW lässt sich diese Aussage so auch auf die Stadt Monschau übertragen. 55,7 Prozent der Erwerbstätigen aus Monschau arbeiten in einer anderen Kommune. Das sind 3408 Personen. Davon zieht es täglich 1525 Menschen nach Aachen, 678 in die Gemeinde Simmerath und 143 nach Roetgen. Auf den weiteren Plätzen folgen Stolberg, Schleiden, Düren, Köln und Würselen. Gleichzeitig kommen 3334 Personen nach Monschau zur Arbeit, die meisten davon aus Simmerath (961), Aachen (251) und Roetgen (176). Aber auch Menschen aus Euskirchen (114), Belgien (93), Mechernich (82) oder Bad Neuenahr-Ahrweiler (75) arbeiten in Monschau.

In der Gemeinde Simmerath ist der Anteil der Auspendler mit 62,9 Prozent (4837 Personen) etwas höher als in Monschau. Gleichzeitig ist die Zahl der Einpendler (2147 Personen) geringer als in Monschau. Die meisten Auspendler fahren nach Aachen zur Arbeit (1717), gefolgt von Monschau (961) und Stolberg (293). Die meisten Einpendler kommen aus Monschau (678), Aachen (239) und Nideggen (173).

Mit einer Auspendlerquote von 79,3 Prozent unterstreicht die Gemeinde Roetgen ihren ungeliebten Ruf als „Schlafdorf“. Von 3806 Erwerbstätigen arbeiten 3018 außerhalb. Mit dieser Quote liegt die Gemeinde bei den Auspendlern an der Spitze der Städteregion, landesweit immerhin auf Platz 14. Die meisten Auspendler aus Roetgen fahren nach Aachen (1730), Monschau (176) und Simmerath (171). Auf der anderen Seite kommen 1125 Pendler aus Aachen (318), Simmerath (193) und Monschau (143) nach Roetgen zur Arbeit.

Bemerkenswert ist auch, dass die Gemeinde Simmerath mit 43 Prozent die niedrigste Einpendlerquote in der Städteregion aufweist.

Die meisten Beschäftigten in der Städteregion arbeiten in Aachen (161248), Eschweiler (22514) und Stolberg (20407). Die wenigsten Beschäftigten arbeiten in Roetgen (1913), Simmerath (4995) und Monschau (6042), gefolgt von Baesweiler (7417) und Herzogenrath (13228).

Inwieweit sich die Pendlerströme in den kommenden Jahren verändern werden hängt nach Einschätzung von Monika Frohn, die bei der Industrie- und Handelskammer in Aachen für Verkehr und Handel zuständig ist, in erster Linie mit den steigenden Energiekosten und dem demografischen Wandel zusammen. Klar ist für sie, dass die Fahrt mit dem eigenen Pkw zur Arbeit immer teurer wird. „Da hat jeder seine individuelle Schmerzgrenze und Lösung des Problems“, sagt Frohn. Vielleicht könne in der Zukunft das Elektroauto eine Möglichkeit sein, kostengünstig zur Arbeit zu gelangen, der Ausbau von Fahrgemeinschaften sei eine weitere. Eventuell sei aber auch der ein oder andere gezwungen, näher an seinen Arbeitsplatz zu ziehen oder sich einen Arbeitsplatz in der näheren Umgebung zu suchen, sagt Frohn. Auch für Nicolas Lunz würde sich die ständige Fahrerei auf Dauer nicht lohnen, deshalb hat er sich mit zwei weiteren Eifelern zu einer Fahrgemeinschaft zusammen geschlossen.

Eine weitere Herausforderung sieht Frohn vor dem Hintergrund sinkender Schülerzahlen in der Finanzierung des ÖPNV. Klar ist für sie, „dass die Anbindung des ländlichen Raumes erhalten bleiben muss“, die Frage ist wie.

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