Markus Werkers Masterplan geht auf

Von: Heiner Schepp
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550 Marathonläufer und 100 er
550 Marathonläufer und 100 erste Läufer der Staffeln gingen am Sonntagmorgen auf die Strecke, zwei Stunden zuvor hatten sich bereits weit über 200 Teilnehmer des ersten Monschau Ultramarathon über 56 Kilometer auf den Weg gebracht. Rund 1200 Sportlerinnen und Sportler bevölkerten beim 36. Monschau Marathon die herrliche Naturstrecke.

Monschau. Ins Straucheln kam er erst hinter der Ziellinie, als sich die ganze Anspannung in einem Urschrei und einem wuchtigen Tritt gegen das Absperrgitter entlud: Markus Werker vom ausrichtenden TV Konzen hat es tatsächlich geschafft, der 26-Jährige geht als erster Nordeifeler Gesamtsieger in die mittlerweile 36-jährige Historie des Monschau Marathon ein.

Drei Eifeler Siegerinnen und Sieger

Welch ein Kaiserwetter, welch ein Lauf, welch ein Tag für den Laufsport in der Nordeifel! Nicht nur, dass sich Markus Werker im Ziel auf dem Konzener Dorfplatz frenetisch als Sieger feiern lassen durfte, nein, drei der vier strahlenden Gewinnerinnen und Gewinner dieses sonnigen Augusttages kamen diesmal aus den hiesigen Gefilden.

Für die eigentlich größte Sensation des Tages sorgte dabei eine junge Läuferin aus Lammersdorf: Christina Ortmanns, 22 Jahre jung und in der Nordeifeler Laufszene bislang kaum bekannt, lief nach 3:23,49 Stunden als schnellste Frau durch den Zielbogen und konnte es zunächst selbst noch nicht glauben: „Ich hatte keinen Plan, höchstens den, unter vier Stunden zu bleiben”, verwies sie auf ihre letztjährige Zeit von 4:09 Stunden. Wie man in einem Jahr mal eben 46 Minuten über 42,1 Kilometer gut macht, bleibt wohl das (Trainings-) Geheimnis der sympathischen jungen Frau, die für das stark vertretene Team coolart gestartet war und bis weit nach der Siegerehrung das Strahlen nicht mehr aus dem Gesicht bekam.

Erleichterung pur

Doch damit nicht genug. Auch für Marion Braun aus Witzerath geriet der Zieleinlauf auf der Konrad-Adenauer-Straße zum Triumphzug. Nach 4:43,30 Stunden erreichte die für Germania Eicherscheid startende Läuferin den Konzener Dorfplatz und schrieb als erste weibliche Siegerin des Monschauer Ultramarathons Geschichte. „Ich hab es, ich hab es, ich hab es!”, entfuhr es ihr im Ziel immer wieder, und als sie ihre Fassung wieder gefunden hatte, folgte die Erklärung für die hoch emotionale Reaktion der eigentlich sieggewohnten Ausdauerathletin: „Es hat doch jeder von mir erwartet, dass ich das Ding hier heute gewinne, auf unserer Heimatstrecke. Das hat mich unwahrscheinlich unter Druck gesetzt”, wusste die zierliche Witzeratherin, die mit ihrem Mann Wolfgang (schnellster Nordeifeler Ultraläufer in 4:35,28 Stunden) und Helmut Hoff vom Organisationsteam den Ultralauf angeregt hatte, Ähnliches zu berichten wie Markus Werker.

Denn eigentlich war auch der Sieg des jungen Konzeners eine ganz logische Sache: Dritter 2010, Zweiter 2011, Erster 2012. „Als feststand, dass André (Collet) Ultra laufen würde, war der Weg ja eigentlich für mich frei. Aber von da an wuchs auch der Druck”, blickte Markus Werker auf die letzten Wochen zurück und gab auch zu bedenken, „dass es ja auch noch andere starke Läufer gibt, die hier gewinnen können”.

Vorsprung weiter vergrößert

Danach sah es Sonntag früh zunächst auch aus. Der zweimalige Sieger (1997 und 2005) Jörg Achten von der Aachener TG heftete sich sofort an die Fersen des 15 Jahre jüngeren Lokalmatadors, und auch Markus Mey vom Team Peters Sport aus Gemünd und Andreas Esser von der DJK Elmar Kohlscheid folgten zunächst dem Spitzenduo.

„Ich hatte mir das Rennen in sechs Sieben-Kilometer-Abschnitte eingeteilt”, verriet Werker im Ziel. „Nach dem ersten Teilstück lag ich 30 Sekunden unter der mir selbst gesetzten Marke; das war gut, aber auch riskant”, so der 26-Jährige. Doch schon bei Kilometer 17,5 unterhalb von Rohren, nach den berüchtigten Steigungen vor Widdau und im Holderbachtal, hatte der profilgewöhnte Eifelläufer Verfolger Jörg Achten um mehr als zwei Minuten distanziert.

„Bis jetzt läuft alles nach Plan”, freute sich nach knapp der Hälfte der Strecke Aline Koch, ein Mädel aus dem großen Freundeskreis von Markus Werker, die den späteren Sieger mit minutiös und präzise abgesprochenen Aktionen - Getränke, Energieriegel, Obst oder einfach nur Zuspruch - unterstützten.

Die Befürchtung, Werker könne des hohe Tempo nicht halten, verflüchtigte sich rasch, im Gegenteil: Stetig wuchs der Vorsprung; auf fast drei Minuten an Gut Heistert (km 26,5) und auf über vier nach der Steigung Leyloch (km 34). Und als Markus Werker unter tosendem Jubel durch das „Honigzelt” der LG Mützenich lief, stand bei fünf Minuten Vorsprung gegenüber Jörg Achten der Sieger längst fest.

Im Ziel waren es dann bei 2:38,57 Stunden für den Konzener und 2:45,58 Stunden für den Aachener genau sieben Minuten, die Markus Werker die Konkurrenz distanzierte. Die fabelhafte Zeit reichte zwar nicht an den Uralt-Streckenrekord heran, bedeutete wohl aber Werkers persönlich MM-Bestzeit und seine zweitbeste überhaupt. „Dabei habe ich es die letzten sieben Kilometer sogar noch Tempo rausgenommen, weil ich wusste, dass ich Luft hatte”, war der 26-Jährige durch Radler Thomas Kirch immer bestens informiert.

André Collets One-Man-Show

Der vierte strahlende Sieger des Sonntags war ein Altbekannter, der „Mister Monschau Marathon” schlechthin, der Seriensieger André Collet von der Aachener TG. Ein paar Kilometerchen bis ins morgendliche Venn lief der Niederländer und spätere Zweite Jeroen Romeijn noch gemeinsam auf der 56-Kilometer-Ultrastrecke, dann aber zog der 41-jährige einsam seine Bahnen.

Um mehr als 15 Minute hängte Collet das Feld ab, und nur er und der zweitplatzierte 31-Jährige aus dem Nachbarland (3:55,56 Stunden) blieben unter der Vier-Stunden-Marke. Collets Zeit von 3:40,36 Stunden (Moderator Roland Schreieber: „Diese Zeit würden sich viele für die 42 km wünschen”) wird die Duftmarke für die Monschauer Ultramarathonläufe der Zukunft sein, die es hoffentlich geben wird. Denn mit rund 200 Startern erschloss der erste Ultralauf in der Nordeifel überhaupt auch dem Volksfest Monschau Marathon neue Dimensionen und neue Freunde.
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