Marktbesuch mit Unbehagen: Keine Behinderten-Toilette in Simmerath

Von: Peter Stollenwerk
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Selbst kleinste Unebenheiten, und sei es nur ein abgeflachter Bürgersteig, können für Rollstuhlfahrer ein großes Hindernis darstellen. Diese Erfahrung hat haben Doris Roppel und ihre Begleiterin Gisela Breuer schön häufiger gemacht. Foto: Peter Stollenwerk

Kesternich. Die Wetteraussichten sind perfekt, und trotz der wegen Bauarbeiten reduzierten Veranstaltungsfläche dürfte auch der Simmerather Herbstmarkt 2017 wieder ein Publikumsmagnet werden.

Auch Doris Roppel aus Kesternich würde sich gerne unter die Marktbesucher mischen. Seit zehn Jahren war sie nicht mehr auf dem Simmerather Markt. Doch als sie jetzt ihren Ausflug ins benachbarte Simmerath konkreter plante, überkam sie größeres Unbehagen. Die 55-Jährige sitzt seit einem Jahr im Rollstuhl, und kann schon von einer Reihe Alltagsbegebenheiten berichten, die die Abhängigkeit vom Rollstuhl so mit sich bringen.

Frage im Rathaus gestellt

„Gibt es in Simmerath eine öffentliche Behindertentoilette?“, war eine der zentralen Fragen, die sich Doris Roppel stellte. Nun hat sie sicherlich keine Probleme damit, ihre Wünsche zu artikulieren, aber es ging ihr auch um die grundsätzliche Frage, inwieweit den Bedürfnissen von in ihrer Alltagsbeweglichkeit eingeschränkten Menschen Rechnung getragen wird. Sicherheitshalber fragte sie daher im Rathaus nach, aber man habe ihr nur mit der Informationen dienen können, dass einige Geschäfte im Ortskern über behindertengereichte Toiletten verfügen würden.

Die 55-Jährige, die seit zehn Jahren unter der schleichenden Krankheit Multiple Sklerose (MS), einer entzündlichen Erkrankung des Zentralen Nervensystems, leidet, war ziemlich verärgert über diese Auskunft und auch darüber, dass die öffentliche Hand es bisher versäumt habe, in Simmerath eine behindertengerechte Toilette anzubieten.

„Simmerath explodiert in alle Richtungen, überall entstehen neuen Wohnkomplexe, es gibt zwei Seniorenheime, und immer mehr alte Menschen zieht es in den Ort. Das ist eine Behindertentoilette doch geradezu Pflicht“, meint Roppel. Vor 22 Jahren gab es bei ihr die ersten Anzeichen für MS, seit fünf Jahren ist sie durch die Krankheit stark eingeschränkt.

Auch ihre Teilzeitarbeit in der Jugendherberge Rurberg musste sie von anderthalb Jahren aufgeben, vor allem auch, weil das Haus weder über eine barrierefrei zu erreichende behindertengerechte Toilette noch über ein solches Büro verfügte. Im vergangenen Jahr habe sie in dieser Richtung bereits eine Reihe neuer Erfahrungen gemacht, „und man begegnet vielen Situationen, die mir früher gar nicht aufgefallen sind, aber für einen Gehandicapten ein Problem darstellen“, erzählt Doris Roppel.

Als Beispiel nennt sie die Hauptstraße in Simmerath: „Die ist für einen Behinderten, der sich aus eigener Kraft im Rollstuhl fortbewegen muss, ganz schön steil.“ Immer wieder stelle sich für sie Frage, „wie man als Behinderter möglichst ohne Einschränkungen am Alltagsleben teilnehmen kann“.

Bedarf für Anlaufstelle

Viel sensibler für die Bedürfnisse von Behinderten ist auch Gisela Breuer geworden, die ihre jetzt im Rollstuhl sitzende Freundin bei vielen Alltagsangelegenheiten unterstützt. Sie arbeitet in einem Café und erlebt häufig, dass ältere Menschen nach einer behindertengerechten Toilette fragen. Als Behinderte sehe man viele Dinge eben „mit ganz anderen Augen“.

In diesem Zusammenhang lobt sie die Einsetzung eines Behindertenbeauftragten, wie es in der Nachbargemeinde Roetgen geschehen sei. Für eine solche Anlaufstelle gebe es mit Sicherheit auch in der Gemeinde Simmerath Bedarf.

Doris Roppel, deren Lebensmotto „Aufgeben gibt es nicht“ lautet, hat aber auch positive Erfahrungen als Rollstuhlfahrerin gemacht. Sie besitzt beispielsweise einen sogenannten Euro-Schlüssel, der weltweit den Zugang zu Behinderten-Einrichtungen ermöglicht. In vielen Geschäften sei die Barrierefreiheit verbessert worden, und auch beim Einkaufen erfahre sie Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft. Grundsätzlich sei auch in Simmerath schon einiges umgesetzt worden, was Behinderten das Alltagsleben erleichtere. „Vieles ist besser geworden. Ich fühle mich nicht allein gelassen.“

Den Herbstmarkt wird Doris Roppel auf alle Fälle besuchen. Dazu hat sie sich trotz einiger Bedenken jetzt entschlossen. „Es gibt ja in Simmerath ein paar Optionen, was Behinderten-Toiletten betrifft“, lacht sie.

„Müssen noch daran arbeiten“

„Die Dame hat recht“, kann Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns die Anregungen von Doris Roppel gut nachvollziehen“. Im Rathaus gebe es zwar eine Behinderten-Toilette, die aber nur zu den Öffnungszeiten des Rathauses zur Verfügung stehe. Im Zuge der laufenden Umgestaltung des Rathausplatzes werde dafür gesorgt, dass das Gebäude barrierefrei erreichbar sei. Eine Hubeinrichtung für Rollstuhlfahrer, um auf die erste Ebene zu gelangen, sei vor geraumer Zeit installiert worden.

Auch die Gesamtgestaltung des Platzes als barrierefreie Zone sei einer weiterer Schritt. Auch die Außentoilette des Rathauses würde künftig barrierefrei zugänglich sein. Ein Nachteil sei, dass diese nicht behindertengerecht sei. „Daran müssen wird noch arbeiten“, sagt Hermanns, der sich weiter dafür einsetzen möchte, „dass in der Gemeinde Simmerath die Bedingungen für Behinderte kontinuierlich verbessert werden“.

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