Maria und Josef stehen noch im Heizungskeller

Von: Andreas Gabbert
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In seiner Krippe fühlt sich Reiner Jakobs wohl: Ab Samstag wird er wieder jeden Tag als singender Hirte von 10 bis 18 Uhr die Besucher erfreuen.

Höfen. Maria und Josef liegen noch im Heizungskeller von Reiner Jakobs, dem singenden Hirten aus Höfen. Ochse und Esel hingegen haben ihren Platz in der großen Landschaftskrippe in der Pfarrkirche St. Michael in Höfen schon gefunden. Seit gut zwei Wochen ist Jakobs mit seinen Helfern (Franz Roder, Engelbert Roder, Erich Jakobs, Klaus Schülter, Rudi Rader, Günter Below und Georg Hoppe) wieder dabei, die riesige Landschaftskrippe aufzubauen.

Ein Dutzend Nordmanntannen sind bereits aufgestellt, die die Kulisse für das Kunstwerk aus Naturmaterialien bilden. In unzähligen Kisten stehen Moos, Tannenzapfen, Kastanien, Maiskolben, Blätter und Gräser bereit, damit sie in der Krippe verbaut werden können. Getreide liegt in blauen Müllsäcken vor dem Altar, der vor lauter Werkzeug überquillt. „Das hab ich von meinem Nachbarn“, sagt Reiner Jakobs.

Für andere Dinge nimmt er auch weite Fahrten auf sich. Die Hauptsache für ihn ist, dass später die Augen der Besucher strahlen, wenn sie seine Krippe sehen. Dafür ist ihm kein Weg zu weit. Wie viel Zeit er in die Vorbereitung steckt, weiß der 72-Jährige gar nicht zu sagen. „Bei mir dreht sich das ganze Jahr alles um die Krippe. Ich könnte auch innerhalb von zwei Stunde eine aufbauen, aber die kommt ja keiner gucken“, sagt Jakobs.

Auch die Zahl der selbst gebastelten Schafe und der ausgestopften Tiere, von denen er die meisten geschenkt bekommen hat, lässt sich nur schätzen. „Ich vermute, dass es mittlerweile zwischen 250 und 300 Stück sind“, sagt Jakobs.

Jedes Jahr verändert sich die Krippe; nur der Stall war von Anfang an dabei. Alte Dinge fallen weg, neue kommen hinzu, Jakobs denkt sich eben immer wieder etwas aus. In diesem Jahr hat er an der Mariengrotte gefeilt und den großen Weihnachtsstern überarbeitet. Das große Kreuz, das sonst senkrecht über dem Altar hängt, schwebt nun waagrecht im Chorraum. Daran sind mehrere große Greifvögel befestigt. „Wenn die Heizung läuft, dann kreisen die Vögel da oben“, sagt Jakobs und zeigt an die Decke.

Auf die Details legt Jakobs besonders viel wert, Schließlich kommen viele Besucher jedes Jahr aufs Neue und schauen ganz genau hin, was der singende Hirte diesmal verändert hat.

Schon als Kind hat er gerne Krippen gebaut – für die Nachbarschaft, in der Schule und natürlich auch zu Hause. „Das war schon immer mein Hobby“, sagt Jakobs. Vor 23 Jahren wurde er dann von der Höfener Kirchengemeinde gefragt, ob er nicht eine Krippe in der Kirche aufbauen möchte. Seine Antwort war klar: „Wenn, dann eine Große.“

Seitdem erfreut er jedes Jahr die Besucher, die es zu Tausenden in die Höfener Kirche zieht, mit seiner Krippe und auch seinem Gesang.

Den Bart lässt er sich schon seit Ende September für seine Rolle als singender Hirte wachsen. Auch wenn es offiziell erst am Samstag los geht, haben sich die ersten zwei Busse mit Besuchern schon für Freitag angekündigt. „Dann bin ich auch soweit fertig“, sagt Jakobs. Dann wird er auch wieder den Umhang überziehen und den Hut aufsetzen, um in der Krippe Platz zu nehmen, Gitarre, Mundharmonika und Panflöte zu spielen und dabei zu singen.

58 Tage lang wird Reiner Jakobs immer von 10 bis 18 Uhr in seiner Krippe anzutreffen sein. Dabei ist er auch auf die Unterstützung seiner Familie angewiesen, schließlich hat nimmt der singende Hirte nicht nur den ganzen Keller und mehrere Schuppen mit Krippendekoration in Beschlag, sondern fehlt auch an den Weihnachtsfeiertagen zu Hause. Jakobs nimmt das gelassen: „Die Flasche Rotwein schmeckt ja auch noch um 19 Uhr.“

Schon jetzt steht das Telefon im Hause Jakobs nicht mehr still. Von überall her rufen die Menschen an, um zu fragen, ab wann die Krippe wieder zu sehen ist. Erste Besucher waren sogar schon während des Aufbaus in der Kirche, die ihren Gästen aus Münster die Krippe zeigen wollten. „Jetzt sieht man erstmal, welche Arbeit dahinter steckt“, sagt eine Frau und Jakobs antwortet prompt: „Das ist keine Arbeit, das ist ein Hobby.“

Mit seinem Hobby hat Jakobs schon viel Gutes bewirkt. Die gesammelten Spenden reicht er immer an die Kinderkrebsstation des Aachener Klinikums weiter. Im vergangenem Jahr kamen dabei 38.750 Euro zusammen.

Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. „Ich wüsste nicht, wer das hier machen möchte“, sagt Jakobs und zuckt mit den Schultern. Solange es geht, will Reiner Jakobs seine Krippe immer wieder aufbauen. „Wann damit Schluss ist, entscheidet der liebe Gott.“

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