Maria im Tann: Gruppe für minderjährige Flüchtlinge

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Gespendet von einem Roetgener Bürger: Der Kicker ist in der Wohngruppe Maria im Tann eine willkommene Freizeitbeschäftigung für die Jungen, die aus ihrer Heimat geflohen sind. Sozialpädagoge Simon Uebachs (2.v.r.) betreut die Jugendlichen und hilft ihnen, einen geregelten Alltag zu führen. Foto: Kubat

Roetgen. Frische Tulpen stehen auf dem Esstisch, das große Sofa ist zum Fernseher gewandt, im Regal stapeln sich Kniffel, Scrabble und Co. Alles wirkt wie das Wohnzimmer einer ganz gewöhnlichen Familie.

Aber die, die hier wie eine Familie wohnen, sind nicht miteinander verwandt, kommen meist nicht mal aus demselben Land: Es sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die seit rund drei Wochen in einer Wohngruppe der Maria-im-Tann-Organisation in Roetgen leben. Diese Wohngruppe des Zentrums für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe ist ganz neu, die Räume frisch renoviert.

Drei Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren sind bereits in Roetgen eingezogen – einer stammt aus Afghanistan, zwei aus Eritrea. Was sie verbindet ist, dass sie zum Teil jahrelang auf der Flucht waren: per Schiff, im Zug oder auch zu Fuß durch Afrika, den Mittleren Osten und Europa irrten – auf der Suche nach einem friedlichen Zuhause. Sie flohen zum Teil vor schrecklichen Verhältnissen in ihrem Land. Zum Teil flohen sie vor ihren Familien.

Insgesamt neun Jungen mit ähnlichem Schicksal werden bald in der Flüchtlings-Gruppe in Roetgen wohnen. Sie ziehen nach und nach ein, so dass sich alle aneinander gewöhnen können, erklärt Erziehungsleiterin Meryam Goudriaan-Pauls. Schließlich sei dies kein weiteres Übergangsheim; es soll ein Zuhause für die jungen Männer werden, die hier bleiben dürfen, bis sie ihr Leben selbst regeln können – mindestens aber bis zur Volljährigkeit.

Und darüber seien sie sehr dankbar. „Einer unserer Jungs hat monatelang in einem Aachener Hotelzimmer gelebt und ist jetzt unglaublich froh, hier zu sein“, so Goudriaan-Pauls.

Der Alltag der Jungen gleiche dem „normaler“ deutscher Jugendlicher, berichtet Jan Martin Moll, einer von fünf hauptamtlichen Sozialpädagogen, die in 24-Stunden-Schichten in der Wohngruppe arbeiten: Die Jungs, so sagt er, wollen ganz normale Dinge, wie Fußballspielen, Chillen oder Fernsehen.

Aber wie funktioniert Alltägliches, wenn immer wieder schreckliche Erinnerungen der Flucht hochkommen? „Wir stoßen die Jugendlichen nicht auf ihre Traumata“, erklärt Goudriaan-Pauls.

Moll ergänzt: „Die drei waren in Situationen, die ich in meinem ganzen Leben nicht erleben möchte. Aber ich bin hier, um ihnen jetzt Halt und Sicherheit zu geben. Denn trotz allem müssen sie zum Beispiel morgens aufstehen, damit sie den Bus nicht verpassen.“

Die Flüchtlingsjungen sollen lernen, ein geregeltes Leben zu führen. Dazu gehört auch, Verantwortung zu übernehmen. Zum Beispiel für das abendliche Kochen: Dafür ist jeden Abend ein anderer Junge zuständig.

Doch beim Thema Schulbesuch merkt man, dass eben doch nicht alles ganz so alltäglich ist. Zwei der Jungen haben aktuell einen Schulplatz, der Dritte bekommt vorerst keinen. Da ist für ihn „eine Welt zusammengebrochen“, berichtet Goudriaan-Pauls. Denn Lernen – vor allem Deutsch lernen – ist für die Drei oberste Priorität.

Die Erziehungsleiterin hofft für die Jungen vor allem auf eins: „Ich wünsche mir, dass sie zu gesunden und glücklichen Menschen heran wachsen“. Doch sie weiß, dass das ein langer Weg sein wird, der ohne die Hilfe der Roetgener Bürger kaum realisierbar ist: Ihr Ziel ist, einen möglichst unbefangenen Kontakt zwischen den bald neun Jugendlichen und den Roetgenern herzustellen und die Jungen peu a peu zu integrieren – je nach Interesse und Wunsch der Jugendlichen auch in Sportgruppen. Und bisher sind alle Kontakte sehr positiv: Bereits nach kürzester Zeit wurde der Wohngruppe ein Kicker geschenkt, der jetzt fester Bestandteil der Freizeitbeschäftigung ist. Und auch im Fußballverein wurden die Jungen sehr herzlich empfangen, erinnert sich Goudriaan-Pauls. Für die sechs Jungen, die bald noch zusätzlich in Roetgen einziehen werden, ist alles bereit: Die Betten sind schon gemacht. Kleine Schokoladen liegen auf dem Kopfkissen. Auch das sorgt für ein ganz ungewohntes Gefühl bei den Flüchtlingskindern, so Goudriaan-Pauls: „Ich bin wichtig. Ich bin gesehen“

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