Marco Palm: Landwirtschaft aus purer Leidenschaft

Von: Max Stollenwerk
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Schick gemacht: Auf der Bundesschau der schönsten Kühe in Oldenburg putzte Marco Palm seine Kuh Rihanna fein heraus. Am Ende erreichte er eine Platzierung im Mittelfeld. Foto: Max Stollenwerk/privat
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Marco Palm aus Hoscheit auf dem heimischen Hof. In den Händen hält er die Urkunde, die er im letzten Jahr bei seiner erfolgreichen Abschlussprüfung zum Landwirt erhalten hat. Foto: Max Stollenwerk/privat

Konzen/Hoscheit. Hoch oben sitzt er auf dem mächtigen Traktor. Er ist fokussiert auf seine Arbeit, macht aber gleichzeitig einen sehr zufriedenen und entspannten Eindruck. Denn die erste Ernte des Jahres ist eingefahren und alles nach Plan gelaufen. Doch nach der Arbeit ist bekanntlich vor der Arbeit – so auch für Marco Palm aus Hoscheit.

Der 21-jährige junge Mann hat sich bereits im Kindesalter mehr oder minder für den Beruf des Landwirts entschieden. „Ich bin mit der Landwirtschaft groß geworden und helfe bereits seit meinem achten Lebensjahr auf dem Hof. Anstatt nach der Schule am Computer zu sitzen, bin ich lieber nach draußen gegangen“, sagt Marco Palm, dessen Eltern einen Milchviehbetrieb mit rund 100 Kühen betreiben.

Nach seinem Realschulabschluss und dem anschließenden Fachabitur in Metalltechnik an der Aachener Mies-van-der-Rohe-Schule, entschied er sich 2014 dazu, eine zweijährige Ausbildung zum Landwirt zu absolvieren. Er besuchte während der Ausbildung regulär die Berufsschule und wurde auf zwei Höfen, jeweils für ein Jahr, eingesetzt. „Der erste Betrieb in Zülpich war ein Mischbetrieb mit Milchvieh und Ackerbau. Der zweite Hof war in Vettweiß und ein reiner Ackerbaubetrieb“, erzählt Marco Palm. Aktuell absolviert er sein Gesellenjahr auf dem elterlichen Hof in Hoscheit. Hier liegt der Schwerpunkt auf Milchvieh und Grünland. Mit der Zeit habe er immer mehr Zugang zu Maschinen und Tieren bekommen, bis dies schließlich wie selbstverständlich zu seinem Tagesablauf dazugehörte.

„Anfangs habe ich im Winter auf dem Schneeschieber gesessen, später dann selbstständig mit dem Mulchen angefangen und auch die Kühe geschoren“, schildert er seine ersten Erfahrungen auf dem Hof in der abgelegenen Siedlung Hoscheit. „Er hat schon früher lieber mit auf dem Traktor gesessen als in den Kindergarten zu gehen“ sagt Mutter Aggi lachend. „Die Landwirtschaft ist meine Leidenschaft, für die ich auch die Nachteile in Kauf nehme, gleichzeitig aber auch Hobby und Beruf in einem“, macht Marco Palm deutlich, dass sein beruflicher Weg schon früh vorgezeichnet war.

Zu einem normalen Arbeitstag gehören für Marco Palm beispielsweise die Weiden- und Wiesenpflege, das Düngen der Flächen, die Erntearbeiten, die Stallarbeit und natürlich die stetige Beobachtung und Pflege der Tiere. „Neben dem Füttern und Tränken der Tiere schauen wir regelmäßig nach deren Gesundheitszustand“, erläutert Marco Palm.

Nach dem Ende seines Gesellenjahres wird er ab August gemeinsam mit vier weiteren Mitstreitern aus der Eifel die Fachschule für Landwirtschaft in Köln besuchen, um in zwei Jahren ausgebildeter Agrarbetriebswirt zu sein. Einiges an Erfahrung hat der erst 21-Jährige in seinem Berufsfeld bereits sammeln können.

Zuletzt war er vier Tage lang auf der Bundesschau für die schönsten Kühe Deutschlands im niedersächsischen Oldenburg. Entscheidend in dem bundesweiten Wettbewerb war das äußere Erscheinungsbild der Tiere. „Vorher müssen die Tiere mit Shampoo und Wasser gewaschen werden, dann werden sie gleichmäßig geschoren, geföhnt, gekämmt und geliftet“, erklärt Marco Palm die detaillierte Vorbereitung des Schönheitswettbewerbs. „Außerdem werden die Tiere mehrmals gefüttert, aber nur mit einer bestimmten Menge und bestimmten Futtermitteln“, so Palm. Auch das Melken gehöre selbstverständlich dazu. Um die Tiere an die neue Umgebung zu gewöhnen, würden sie im Vorfeld des Wettbewerbs noch mehrmals ausgeführt.

Doch für die Bundesschau in Oldenburg muss man sich erst einmal qualifizieren: „Zunächst kommt eine Auswahlkommission zu den Betrieben, die das Erscheinungsbild und Aussehen der Kühe beurteilt und dann entscheidet, welche Tiere startberechtigt sind“, erläutert Marco Palm. Am Tag der Schau hieß es für Marco Palm dann, letzte Vorbereitungen zu treffen.

„Das Tier wird mit Glanzspray und Weißspray eingesprüht und der Euter mit Baby-Öl eingerieben“, schildert Marco Palm die Prodezur, die auch seine Top-Kuh Rihanna geduldig ertrug. Aus den Siegern der unterschiedlichen Klassen werde dann abschließend noch ein sogenannter „Grand Champion“ gekürt. „Durch Auszeichnungen auf der Bundesschau steigt das Ansehen eines Betriebes, was natürlich gut für die Vermarktung der Tiere ist“, sagt Marco Palm. In seiner Klasse schaffte es der Eifeler Junglandwirt auf Platz vier von sieben Teilnehmern.

Ein Erfolg bei der Bundesschau ist schön für die Betriebe, aber ersetzt nicht das Alltagsgeschäft. Und dies ist nicht immer einfach, auch nicht auf dem Milchviehbetrieb der Familie Palm. Denn vor dem Hintergrund der aktuellen Milchmarktkrise, haben innerhalb des letzten Jahres alleine in NRW 500 Landwirte ihre Milchkuhhaltung aufgegeben.

„Das Verhältnis von Arbeitsaufwand, Kosten für Maschinenanschaffung, Futterkosten und Mitarbeiterkosten steht in keinem Verhältnis mehr zum Verdienst“, spricht Marco Palm den Ernst der Lage an. Größere Betriebe würden versuchen, den niedrigen Milchpreis über die Menge auszugleichen, dadurch gebe es zu viel Milch auf dem Markt und zwangsläufig niedrige Preise. „Es ist so etwas wie ein Teufelskreis“, sagt Marco Palm. „Für die kleinen Familienbetriebe wird es dadurch immer schwieriger, zu überleben, und es droht deren Verschwinden“, blickt er sorgenvoll in die Zukunft. Zudem sei der Arbeitsaufwand durch höhere Auflagen und mehr Büroarbeit zusätzlich gestiegen. Seine Forderung: „Das Verhältnis von Arbeitsaufwand und Ertrag muss wieder stimmen, und dafür muss auch ein Bewusstsein in der Bevölkerung entstehen.“

Klarer Standpunkt zur Gülle

Ein heikles Thema ist auch die sogenannte Import-Gülle aus den Niederlanden. Rund 1,4 Millionen Tonnen Gülle exportieren die Niederlande jährlich nach Deutschland. Dies sind knapp 80 Prozent der niederländischen Gülle-Exporte. Ein Großteil davon geht nach NRW und sicherlich auch in die Nordeifel. Da es in unserem Nachbarland zu viele Tiere auf zu wenig Fläche gibt, machen sich die beladenen Gülletransporter in der Nacht auf den Weg nach Deutschland. So hat sich der Gülle-Export nach Deutschland binnen weniger Jahre auf fast 60.000 Lkw pro Jahr vervierfacht und Gülle zu einem internationalen Wirtschaftsgut gemacht.

Marco Palm vertritt bei dieser Thematik einen klaren Standpunkt: „Wir haben in Deutschland eine Düngeverordnung, die genau festlegt, welche Düngerarten und welche Mengen auf welcher Fläche erlaubt sind.“ Und hier kommt für ihn der entscheidende Faktor ins Spiel: „Man muss ganz klar unterscheiden zwischen organischem, also natürlichem, und mineralischem, künstlich erzeugtem Dünger, denn das sind zwei Paar Schuhe“, sagt Palm. „Die Mischung aus organischem und mineralischem Dünger ist ganz wichtig“, erläutert er. Für reine Ackerbaubetriebe sei der organische Dünger aus den Niederlanden eine sehr willkommene Alternative. „Denn diese Betriebe produzieren selber überhaupt keinen eigenen organischen Dünger, benötigen ihn aber trotzdem.“

Hundekot als Problem

In Deutschland gebe es strenge Kontrollen, es sei ein bestimmtes Verhältnis zwischen organischem und mineralischem Dünger vorgeschrieben und auch regelmäßige Bodenproben fänden statt, so dass eine Manipulation faktisch kaum möglich sei. „Außenstehende können oft nicht zwischen Ackerbaubetrieben und Milchviehbetrieben unterscheiden. Sie wissen manchmal alles besser als die Fachleute, sehen aber nur das, was nach außen hin passiert“, zeigt sich Marco Palm etwas verärgert über das in Teilen der Bevölkerung fehlende Verständnis.

Auch gebe es strenge Fristen, wann und wo Gülle gefahren werden dürfe. In diesem Zusammenhang ist Marco Palm vor allem der Hundekot auf den Feldern ein Dorn im Auge, den man schon beim Mähen der Wiesen wahrnehme: „Dies ist für uns ein Problem, denn Hundekot ist gefährlich für die Kühe, und sie können im schlimmsten Fall sogar dadurch sterben. Während die Wiederkäuer reine Pflanzenfresser sind, enthält Hundekot für die Kühe tödliche Gifte“, mahnt Marco Palm.

Ob er nun in der Landwirtschaft seinen Traumjob gefunden hat? „Es gibt natürlich in jedem Job Vor- und Nachteile. Doch die Vorteile müssen überwiegen. und jeder Tag muss Spaß machen – das ist eindeutig der Fall“, sagt Marco Palm zufrieden, bevor er auch schon wieder im Stall nach dem Rechten sehen muss.

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