Monschau - Manfred Mann spielt nur den Mann im Hintergrund

Manfred Mann spielt nur den Mann im Hintergrund

Von: P. St.
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Mick Rogers und Robert Hart standen im Vordergrund bei Auftritt der Earth Band auf der Burg Monschau. Bandgründer Manfred Mann zog es vor, im Hintergrund zu agieren.

Monschau. Dass ein Besucher am Freitagabend zur Eröffnung der 16. Monschauer Festspiele meinte, er sei nicht etwa wegen der legendären Manfred Mann‘s Earth auf die Burg gekommen, sondern vielmehr um die altgediente Monschauer Reggae- und Ska-Truppe „Keuners Tanzkapelle“, kurz KTK zu hören, beweist, dass der Musikfreund Humor hat, aber was die Begeisterung beim Publikum im ausverkauften Burghof anging, befanden sich die beiden Bands durchaus auf Augenhöhe.

Bei angenehmem Spätsommerwetter erlebten die 1150 Besucher einen hörenswerten und starken Auftakt der Klassik, die ihre neuen Zielgruppen gefunden hat, und im runderneuerten, bunten Programmkleid jetzt frischer und farbiger erscheint.

Wäre da nicht das abrupte Ende des Auftritts von KTK als Vorband gewesen, hätte man von einem perfekten Abend sprechen können. Vor dem letzten Stück wurde der Band unter den Buhrufen des Publikums der Strom abgedreht, und der verdiente Beifall ging in der Überbrückungsmusik der Umbaupause unter. Wie Vertriebene schlichen KTK von der Bühne, aber das plötzliche Ende vom Auftritt des Lebens war letztlich nur die Konsequenz einer zuvor getroffenen Absprache mit der Vorband und der Earth Band. Der als überaus sensibel und fast unnahbare geltende Manfred Mann war auf den Wunsch eingegangen, etwas später auf die Bühne kommen, und in dieses klar vorgegebene Zeitfenster passte das letzte KTK-Stück eben nicht mehr hinein.

Ohne jedes Spektakel kam die Earth Band, die seit über 40 Jahren im Geschäft ist, auf die deutlich erweiterte Bühne, und ihr Gründer Manfred Mann zog es vor, zurückgezogen und fast unsichtbar den Abend hinter seinem Gestell aus Keyboards zu verbringen, abgesehen von zwei Einlagen mit dem Schulter-Keyboard, jenes bizarre Tasteninstrument, das anscheinend auch die Zeit überdauert hat.

Die erste Reihe auf der Bühne gehörte Sänger Robert Hart, dessen markante Stimme in der Nähe zu Rod Stewart einen starken Eindruck hinterließ, während Manfred Mann (75) kein Wort an das Publikum verschwendete und sich ganz auf sein ausgeprägtes Tastenspiel konzentrierte. Ohne jegliches Showelement agierte der Bandgründer, der allein seinen großartigen Sound sprechen lässt.

Nicht weniger herausragend aber war auch die Performance von Gitarrist und Sänger Mick Rogers, der bei einer Version vom T. Rex-Hit Get it on, die dann überging in Zitate aus Iron Butterflys Rock-Klassiker In-A-Gadda-Da-Vida, großartig rockte und später bei einem Hochgeschwindigkeits-Solo im Chet Atkins-Stil seine außergewöhnliche Virtuosität unterstrich.

Die Hörgewohnheiten haben sich inzwischen zwar geändert, doch die ausgedehnten und unkommerziellen Instrumentalphasen in seinen perfekt durchkomponierten Stücken lässt sich Manfred Mann nicht nehmen.

Die Freunde der Rockmusik aus den 1970-er Jahre kamen voll ihre Kosten, und auch Dutzende Mithörer auf dem der Burg gegenüberliegenden Kierberg genossen den musikalischen Sommerabend mit einem immer noch erstklassigen Manfred Mann.

Das auf Nostalgie eingestimmte Publikum wartete selbstverständlich auf das beachtliche Hit-Repertoire, das die Earth Band vor Jahrzehnten bereits weltberühmt gemacht hat. Als dann „For You“, Blinded by the Light“, Mighty Quinn“ etc. aufgetischt wurden, hielt es das Publikum nicht mehr auf den Stühlen. Von den knackigen Drei-Minuten-Versionen aus der Hitparade nahm die Band allerdings Abstand, und ließ stattdessen der Improvisation und musikalischen Phantasie freien Lauf. Der Wiedererkennungswert dieser Meilensteine der Rockgeschichte ging dabei allerdings nicht verloren, und so durften die Besucher am Ende begeistert und entspannt vom Tanzen den Weg hinunter in die Stadt antreten.

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