Maibaumsetzen: Im Schaltjahr sind die Mädels gefragt

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
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Eigens für die Mainacht haben sich die „Königinnen on tour“ zusammengetan, im Schaltjahr haben auch die Mädels aus Lammersdorf, Roetgen, Konzen, Rollesbroich und Vossenack – mit männlicher Unterstützung – einen Wagen gebaut. Eine feste Größe, wenn nicht gar „Platzhirsch“ in Roetgen sind die Jungs von „Fucktruck“. Unter dem Motto „Girls-Night 2016“ ist auch eine Gruppe mit Mädels überwiegend aus dem Monschauer Raum Samstagnacht unterwegs.
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Eigens für die Mainacht haben sich die „Königinnen on tour“ zusammengetan, im Schaltjahr haben auch die Mädels aus Lammersdorf, Roetgen, Konzen, Rollesbroich und Vossenack – mit männlicher Unterstützung – einen Wagen gebaut. Eine feste Größe, wenn nicht gar „Platzhirsch“ in Roetgen sind die Jungs von „Fucktruck“. Unter dem Motto „Girls-Night 2016“ ist auch eine Gruppe mit Mädels überwiegend aus dem Monschauer Raum Samstagnacht unterwegs.
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Eigens für die Mainacht haben sich die „Königinnen on tour“ zusammengetan, im Schaltjahr haben auch die Mädels aus Lammersdorf, Roetgen, Konzen, Rollesbroich und Vossenack – mit männlicher Unterstützung – einen Wagen gebaut. Eine feste Größe, wenn nicht gar „Platzhirsch“ in Roetgen sind die Jungs von „Fucktruck“. Unter dem Motto „Girls-Night 2016“ ist auch eine Gruppe mit Mädels überwiegend aus dem Monschauer Raum Samstagnacht unterwegs.
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Eigens für die Mainacht haben sich die „Königinnen on tour“ zusammengetan, im Schaltjahr haben auch die Mädels aus Lammersdorf, Roetgen, Konzen, Rollesbroich und Vossenack – mit männlicher Unterstützung – einen Wagen gebaut. Eine feste Größe, wenn nicht gar „Platzhirsch“ in Roetgen sind die Jungs von „Fucktruck“. Unter dem Motto „Girls-Night 2016“ ist auch eine Gruppe mit Mädels überwiegend aus dem Monschauer Raum Samstagnacht unterwegs. Foto: Schepp

Nordeifel. „Im Schaltjahr gibt es einen Brauch, im Schaltjahr tun‘s die Mädels auch!“ Gemeint ist mit diesem Sprüchlein die Tradition des Maibaumsetzens im Rheinland und hier speziell die ausdrückliche Erlaubnis für alle Mädchen und jungen Frauen, in der Nacht zum 1. Mai eines Schaltjahrs ebenfalls loszuziehen und dem Liebsten ein Bäumchen zu setzen oder ein Liebesherz ans Haus zu hängen.

Woher diese – offenbar noch junge und auf den südlichen rheinischen Raum beschränkte – Brauchtumsregel kommt, das wissen weder Heimatforscher noch Google oder Wikipedia. Tatsache aber ist, dass auch in der Nordeifel – allerdings beschränkt auf Simmerath, Roetgen, Schmidt und Vossenack – am kommenden Samstag und in der folgenden Nacht reihenweise Mädchen- und Frauen-Gruppen bei bester Stimmung durch die Nacht ziehen und reihenweise Liebesbeweise setzen und aufhängen werden.

„Op Jöck“ werden dann auch die „Königinnen on tour“ sein, ein munteres Clübchen mit 15 Mädels aus Lammersdorf, Roetgen, Konzen, Rollesbroich und Vossenack, die sich eigens für diese Nacht so zusammengefunden haben. „Einige von uns waren auch schon vor vier Jahren unterwegs“, erzählt Jacqueline Willms (21), die einzige der jungen Frauen, die bereits „unter der Haube“ ist.

Ihr Mann Maurice hat gemeinsam mit einem Freund den Mädels sogar beim Wagenbau geholfen, „das war sehr nett“, sagen die „Königinnen“ mit einer Stimme. Auch in der Mainacht wird es nicht ganz ohne männliche Unterstützung gehen: Als Fahrer des Gespanns hat man zwei Väter der Mädels engagiert, die – natürlich ganz ohne Alkoholgenuss – die 15 Mädels im Alter zwischen 18 und 25 Jahren durch die Nacht kutschieren.

Immerhin wird der Weg die Gruppe bei der nächtlichen Tour nach Roetgen, Lammersdorf und Rollesbroich führen, wo Bäume und Herzen buchstäblich „an den Mann“ gebracht werden.

Los geht‘s aber in Konzen, wo der Wagen auf dem Grundstück eines Bekannten seit Anfang April zurecht gezimmert wird und wo die Mädels sich am frühen Samstagabend zum „Vorglühen“ einfinden werden. „Wir fahren dann zuerst zum Simmerather Bushof, wo sich viele Gruppen treffen und dann zum Maifest nach Kesternich“, erzählt Jacqueline Willms. Anschließend gehe es dann ans Bäume setzen und Herzen aufhängen, wobei man – wie die Männer auch – in den jeweiligen Dörfern brav eine Kiste Bier als „Zoll“ abliefern wird.

Schaltjahr hin, Schaltjahr her – auch wenn Samstagnacht viele junge Damen in der Eifel unterwegs sein werden, dürfte das „starke Geschlecht“ dennoch in der Überzahl sein. Viele Gruppen sind schon seit Jahren in der Mainacht und oft dann auch am 23./24. Juni in der Johannisnacht im Monschauer Raum unterwegs und stecken viel Energie in die Vorbereitung des Events.

Die wohl bekannteste Gruppe in Roetgen sind die Burschen um Patrick Reinartz, die sich vor Jahren den nicht ganz jugendfreien Namen „Fucktruck“ gegeben haben. „Beim Wagenbau waren öfters Flüche zu hören, und das hat uns dann zu diesem Namen inspiriert“, erzählt Hannes. Dass der Name inzwischen hoffähig ist und offenbar für Maibrauch-Qualität steht, beweist eine gleichnamige Facebook-Gruppe mit über 440 Mitgliedern, die Reinartz & Co. folgen.

„Wir sind schon ziemlich bekannt“, sagt Patrick Reinartz bescheiden und berichtet, dass die Ankunft des Gespanns mit dem schwarzen Anhänger alljährlich ein Highlight beim Roetgener Maifest ist. „Da hört dann die Live-Band auf und wir machen ein bisschen Musik“, untertreiben die jungen Männer, denn ihre Beschallung geht mit „jenseits der 25.000 Watt“ in Mark und Bein. Zwei 15-KW-Stromaggregate liefern den Kraftstrom für Ton und aufwendiges Licht an Bord – man will es ja ein bisschen nett haben auf der langen Reise durch die Nacht.

Denn nach der Visite beim heimatlichen Maifest in Roetgen haben die 28 Junggesellen (drei „Öcher“, ein Rollesbroicher, der Rest Roetgener und kein (!) Rotter)immerhin 13 Stationen mit Bäumen und Herzen zu beliefern, und das längst nicht nur in der Umgebung: „Wir fahren bis Stolberg, Eschweiler, Aachen und Bardenberg“, erzählt Robin, der auch in diesem Jahr den Chauffeur des fetten Gefährts gibt.

Auch wenn das Motto der 19- bis 24-Jährigen „faster, louder, stronger“ (schneller, lauter, stärker) heißt, legt Patrick Reinartz seine Hand für diese „Supertruppe“ ins Feuer. „Wir achten schon sehr darauf, dass hier keiner Mist baut. Und wenn die Polizei uns ermahnt, drehen wir auch die Musik kurz leiser“, verspricht Reinartz augenzwinkernd. Er ist einer der Gründer des Freundeskreises, der sich vor fünf Jahren aus der Gruppe „Spritnasen“ bildete, die wiederum eine Art Nachwuchstruppe im Musikverein Roetgen war.

Den Anhänger kaufte man beim Schrotthändler, richtete ihn verkehrstauglich her und steckt jedes Jahr viele Abende Arbeit in die Schaffung einer fahrbaren Großraumdisco mit Wohnzimmer. Wie lange die „wilde Fahrt“ Sonntagmorgen dauern wird, wissen die Jungs noch nicht, aber Patrick Reinartz fällt ein: „Sonntagmorgen um 9 Uhr ist in Roetgen Kinderkommunion. Da werden die meisten von uns dann wohl im Bett sein ...“

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