Mädchen steckt im Rurseeschlamm fest

Von: Ernst Schneiders
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Rettung über die Leiter: Die
Rettung über die Leiter: Die junge Aachenerin steckte bis zur Hüfte im Schlamm des Rursees und musste von der Feuerwehr Woffelsbach aus dem Dreck gezogen werden. Foto: Heinrich Schauerte

Woffelsbach/Aachen. Der Baron von Münchhausen hätte wohl keine Probleme gehabt und sich selber am Haarzopf aus dem Schlamm gezogen. So aber musste der Feuerwehr-Löschzug Woffelsbach am Sonntag zum zweite Mal binnen weniger Tage ausrücken, um einen Menschen zu befreien, die im Schlick der Rurtalsperre zu versinken drohte.

Am Donnerstag vergangener Woche war ein Mann in höchste Not geraten, der seinem entlaufenen Hund gefolgt war. Die Sache ging glimpflich aus. Am Sonntag steckte eine Jugendliche aus Aachen bis zu den Hüften im Schlamm. Erneut musste der Löschzug Woffelsbach ausrücken.

Befreiungsversuche gescheitert

Wie bei einer Eisrettung, so Simmeraths Feuerwehrchef Jürgen Förster, legte die Wehr eine zehn Meter lange Steckleiter aus, um den Druck möglichst weiträumig zu verteilen. Feuerwehrmänner wagten sich bis zu dem Mädchen vor und zogen es aus dem Morast.

Nach Augenzeugenberichten waren zuvor Versuche gescheitert, sich mit bloßen Händen freizugraben. Kaum sei ein Bein frei gewesen, sei das andere wieder versunken. Auch eine umstehende Wandergruppe habe nicht helfen können, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.

Wie Jürgen Weckmann von der Woffelsbacher Feuerwehr betonte, sei es ein „Trugschluss, dass die Woffelsbacher Bucht trockenen Fußes zu durchqueren ist”. Gerade im unmittelbaren Bereich des Bachlaufes, der wegen des extrem niedrigen Wasserstands der Rurtalsperre sichtbar ist, sei es sehr schlammig.

In der Rurtalsperre mit einem Fassungsvermögen von mehr als 205 Millionen Kubikmetern Wasser befinden sich aktuell knapp 62 Millionen Kubikmeter. Der Pegel lag am 20. November bei 256, 434 Metern über NN. Bei Vollstau wären es 281,5 Meter über NN. Dann ist der See an seiner tiefsten Stelle 66 Meter tief. Im Jahr 2000 hatte die Talsperre zuletzt einen Pegelstand, der noch niedriger war als derzeit.

Wasserwirtschaftlich birgt die aktuelle Situation nach Auskunft von Experten keine Probleme. Die scheinen sich jetzt in einem anderen Sektor aufzutun, denn Jürgen Förster geht nicht davon aus, dass der Einsatz am Sonntag der letzte dieser Art war. Bei den Rettungsaktionen müssen sich die Wehrmänner selbst in Gefahr bringen, weil sie auch auf instabilem Untergrund operieren.

Der niedrige Wasserstand biete viele Einblicke, die man so oft nicht erhält, und das wiederum verleite die Menschen dazu, sich in Bereichen aufzuhalten, in denen das gefährlich und deshalb untersagt sei.

Solcher Tourismus ist verboten

Das betont auch Herbert Polczyk, Leiter Talsperren beim Wasserverband Eifel-Rur (WVER), der vor dieser Art von Tourismus warnte. Rund um die Talsperren seien Hinweisschilder angebracht, dass der Aufenthalt im Staubereich grundsätzlich verboten sei. Einige Ausnahmen gebe es in Rurberg. Diese Bereiche seien besonders ausgewiesen. Außerdem habe man man in einigen Stellen eigens Promenaden angelegt, wo Schaulustige möglichst nahe gefahrlos an die Wasserkante heran können.

Polczyk warnte davor, beispielsweise die Grundmauern alter Bauernhöfe aufzusuchen, die im Rahmen der Talsperrenausbaus weichen mussten und derzeit vom See preisgegeben würden. Lokalhistorisch sei das womöglich interessant, vor Ort aber höchst gefährlich.

Von oben sehe der Schlamm nämlich trocken aus, sei aber nicht „stichfest” und damit nicht begehbar. Eindringlich appelliert der Leiter Talsperren an die Besucher, sich nicht von ihrer Neugier überwältigen zu lassen, sondern den Staubereich der Talsperre zu ihrer eigenen Sicherheit zu meiden.

Feuerwehrchef Jürgen Förster weist unterdessen darauf hin, dass ein solches Malheur auch einmal schlimm enden kann, dann nämlich, „wenn niemand in der Nähe ist, der uns rechtzeitig alarmiert”.
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