Simmerath - „Mädchen mittendrin“: Fußball hilft bei der Integration

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„Mädchen mittendrin“: Fußball hilft bei der Integration

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Strahlten mit der Sonne um die Wette: Rund 60 Mädchen aus sechs Aachener Grundschulen haben am fünftägigen Mädchen-Fußball-Camp in Simmerath teilgenommen. MdL Axel Wirtz und die drei Schirmherren, der stellvertretende Städteregionsrat Hans-Josef Hilsenbeck, Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp und Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns (hintere Reihe von rechts), überzeugten sich am Samstag vom Erfolg des Projektes. Foto: Städteregion

Simmerath. „Ich komme aus Aachen“, ruft die eine. „Ich auch“, die andere. „Ich komme aus Ägypten“, „und ich aus der Türkei“ – wildes Geplapper unter den Mädchen, als sie auf ihre Herkunft angesprochen werden. Ein bunter Mix aus vielen Nationalitäten tummelt sich zum Fußballspielen auf dem Kunstrasenplatz in Simmerath.

60 Grundschülerinnen haben sich hier vom 16. bis 20. Mai für das zweite Mädchen-Fußball-Camp in Trägerschaft des Aachener Fördervereins „Integration durch Sport“ getroffen.

Sechs Schulen aus dem Aachener Ostviertel und dem Stadtteil Preuswald haben teilgenommen. Stadtteile, in denen viele Kinder mit Migrationshintergrund und sozial Benachteiligte leben. Hier setzt das Projekt „Mädchen mittendrin – mehr Chancen für Mädchen durch Fußball“ an. In Zusammenarbeit mit Vereinen vor Ort dienen Fußball AGs an Grundschulen in sozialen Brennpunkten als Mittel zur Integration.

Fußball-Assistentinnen

„Die AGs sind aber nur ein Teil des Projekts“, erläutert Katharina Althoff, die an 20 Standorten in NRW die Maßnahmen koordiniert. Ein weiterer Baustein ist die Ausbildung von 14- bis 17-Jährigen, die an ihrer Schule in dreitägigen Kursen zur Fußballassistentin ausgebildet werden. Zusätzlich werden Mädchenfußballturniere veranstaltet. Das letzte fand vergangenen Donnerstag mit mehr als 100 Teilnehmerinnen in Aachen-Forst statt.

Das Highlight, sowohl für die Projektträger als auch die Schülerinnen, ist aber das Fußball-Camp. Das besondere daran: hier sind die Kinder fünf Tage lang rund um die Uhr zusammen, spielen, essen und schlafen in Gemeinschaftszelten. „Ich habe bereits beim Camp im letzten Jahr nette Mädchen getroffen, die jetzt gute Freundinnen von mir sind“, erzählt Irma Bekisch von der KGS Barbarastraße.

Hoher Besuch

Am Samstag kam dann hoher Besuch zum Sportplatz Simmerath. Die drei Schirmherren – Hans-Josef Hilsenbeck kam in Vertretung von Städteregionsrat Helmut Etschenberg, Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp und Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns als „Gastgeber“ – wollten sich mit eigenen Augen vom Erfolg überzeugen. Auch der Landtagsabgeordnete Axel Witz und Dr. Stephan Osnabrügge vom Fußball-Verband Mittelrhein waren anwesend. Und alle waren sich einig, „wenn man in die strahlenden Kinderaugen blickt, dann weiß man, dass hier etwas Tolles auf die Beine gestellt wurde“. Der stellvertretende Städteregionsrat Hilsenbeck lobte insbesondere „die ehrenamtliche Arbeit, die in Vereinen wie Hansa Simmerath geleistet wird“. Marcel Philipp brachte es mit einer Fußballweisheit auf den Punkt: „Wichtig ist auf‘m Platz. Und die Gegebenheiten hier in Simmerath mit den neuen Sportanlagen sind fantastisch.“

Simmeraths Bürgermeister Hermanns findet es „klasse, dass wir aus der Eifel etwas für Aachener Kinder tun können. Das Camp ist ein gutes Beispiel für städteregionale Zusammenarbeit.“

Dr. Stephan Osnabrügge freute sich aus Verbandssicht über die Nachhaltigkeit: „Durch die Trainerassistentinnen gewinnen auch die beteiligten Vereine. Der Transfer von der Schule in die Vereine ist ein wichtiger Aspekt.“

Der Fußball ist aber letztlich nur Mittel zum Zweck. „Durch den Sport und das Gemeinschaftserlebnis hier im Camp erweitern die Kinder spielerisch ihre sozialen Kompetenzen“, sagt Lara Brammertz, die als pädagogische Leiterin verantwortlich für das Rahmenprogramm ist. „Sie lernen, sich an Regeln zu halten – auf und neben dem Platz.“

In den fünf Tagen steht nicht nur Fußball auf dem Programm – Nachtwanderungen, künstlerische Angebote und vieles mehr erweitern das Angebot für die Kinder. Das Highlight für die Kids war der Besuch des DFB-Pokalfinales der Frauen am vergangenen Samstag im RheinEnergieStadion Köln, das bekanntlich die Frauen des FFC Frankfurt mit 3:0 gegen Essen gewannen.

Um auch Kindern aus einkommensschwächeren Familien die Teilnahme zu ermöglichen, wird kein Teilnehmerbeitrag erhoben. In Aachen ist das möglich, weil sich der Förderverein „Integration durch Sport“ um Geschäftsführerin Uschi Brammertz für die Finanzierung stark gemacht und zahlungskräftige Sponsoren an Land gezogen hat. Der Hilfsfonds „Nele und Hans Bittmann e. V.“ hat gemeinsam mit dem Sporthaus Drucks Fußbälle und einen Satz Turnschuhe gestiftet.

„Mädchen mittendrin“

An 20 Standorten in NRW hat die Initiative „Mädchen mittendrin“ erfolgreich Strukturen aufgebaut. Die Finanzierung des Landesministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport läuft allerdings in diesem Jahr aus.

Der Landtagsabgeordnete Axel Wirtz versprach daher, sich im Sportausschuss für weitere Gelder einzusetzen. Und auch der stellvertretende Städteregionsrat Hans-Josef Hilsenbeck aus Dedenborn machte deutlich, dass „wir solche Projekte auch weiterhin unterstützen werden“.

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