Lutherjahr soll Kirchturmdenken abbauen

Von: Peter Stollenwerk
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Luther-Bücher für alle: Die evangelische Kirchengemeinde Monschauer Land überbrachte jetzt der Katholischen Öffentlichen Bücherei in Roetgen ausgewählte Literatur aus Anlass der 500. Wiederkehr des Reformationsjahres. Marion Behrendt-Höhne vom Leitungsteam der Pfarre St. Hubertus, der evangelische Pfarrer Jens-Peter Bentzin und Gundula Hermanns (v. re.) vom Leitungsteam der Bücherei sehen in der Bücherspende auch einen weitere Beitrag zur Ökumene. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Mehr als 4000 Medien kann die Katholische Öffentliche Bücherei St. Hubertus Roetgen für ihre Leser vorhalten; in dieser Woche ist nun ein Stapel Neuerscheinungen hinzugekommen. Die Neuzugänge fürs Bücherregal widmen sich allesamt einem großem Thema in diesem Jahr: der 500. Wiederkehr des Reformationsjahres.

Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther der Überlieferung nach an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug.

Während bislang Reformationsjubiläen in konfessioneller Abgrenzung begangen wurden, soll das 500. Jubiläum von Offenheit und Ökumene geprägt sein. Die evangelischen Christen begreifen den Jahrestag auch als eine Chance, Abschied vom Kirchturmsdenken zu nehmen, und den Fokus auf die Gemeinsamkeiten der Konfessionen zu lenken. Diesen Geist, dass die evangelischen und katholischen Gemeinden näher zusammenrücken, soll man auch in der Eifel spüren.

Als bemerkenswertes Beispiel dafür diente jetzt der Karton Luther-Bücher, den der evangelische Pfarrer Jens-Peter Bentzin, zugleich Vorsitzender des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Monschauer Land, jetzt an Gundula Hermanns vom Leitungsteam der Bücherei St. Hubertus Roetgen überreichte. Bentzin hatte sich im Presbyterium für diese Spende stark gemacht. „Diese Idee kam sehr gut an“, berichtet Bentzin.

Die Luther-Bücher zeigen einen bunten Querschnitt der anlässlich des Jubiläums-Reformationsjahres erschienenen Publikationen. Kinderbücher, Sachbücher, Romane und auch ein großes Familienspiel können ab sofort entliehen werden.

Gundula Hermanns hofft nun, dass die öffentliche Bücherei auch als solche Einrichtung wahrgenommen wird und die Besucher unabhängig von konfessionellen Bindungen das Angebot wahrnehmen.

Wichtig sei aber vor allem, das die Idee hinter der Bücherspende Gestalt annehme, sagt Jens-Peter Bentzin, der hofft, dass es im Jubiläums-Reformationsjahr gelingt, die Gemeinsamkeiten von katholischen und evangelischen Christen nach vorne zu rücken. Für den Seelsorger könnte das Jahr 2017 einen Meilenstein in dem Bemühen darstellen, die trennenden Elemente abzubauen. Seine Hoffnung mündet in dem Ziel, dass man irgendwann sagen könne: „Uns trennt nichts mehr.“ Seine Zuversicht wird auch gestärkt durch Äußerungen des Papstes, der Martin Luthers Platz in der Kirchengeschichte anerkannt habe. Bentzin selbst wünscht sich, noch erleben zu können, „dass wir unseren Glauben nicht mehr in getrennten Kirchen leben müssen.“

Vorreiterrolle der Roetgener

Gerade in Roetgen werden bereits seit Jahrzehnten gute Voraussetzungen für mehr Gemeinsamkeit geschaffen, und die Ökumene hat beispielsweise durch das gemeinsame Pfarrfest auch schon konkrete Formen angenommen. „Wir sind schon lange auf dem Weg des Zusammenwachsens“, betont Marion Behrendt-Höhne vom Leitungsteam der Pfarre St. Hubertus Roetgen und St. Antonius Rott: „Wir haben da eine gewisse Vorreiterrolle übernommen.“

In diesem Zusammenhang erinnert sie daran, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass evangelische und katholische Christen sich auch in der Eifel überaus distanziert und manchmal auch regelrecht feindselig betrachteten. Vorurteile und Vorbehalte sind inzwischen weitgehend abgebaut.

Deshalb, so betont Pfarrer Jens-Peter Bentzin abschließend, betrachte er die Luther-Bücher auch als „einen kleinen Dienst am Menschen“.

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