Lustvoll kramen im Gedächtnis des Monschauer Landes

Von: red
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Nach elf Büchern hat er wieder drei neue in Arbeit: Hans-Jürgen Siebertz. Foto: Rita Plum

Simmerath. Endlich sind die Jahre der Entbehrung und der Not, die durch den verheerenden Zweiten Weltkrieg verursacht wurden, vorüber. Auch im beschaulichen Eifelort Lammersdorf lässt sich der Fortschritt nicht aufhalten. Jeder versucht nach besten Kräften, am allgemeinen Aufschwung teilzunehmen.

Wenn einer fragt, wie’s denn so geht, gibt es oft nur eine Antwort: ‚Alles in Butter!‘ Ein bislang kaum bekannter Werkstoff revolutioniert die Haushalte: der ‚Kunststoff‘. Vieles, was schwergewichtig oder zerbrechlich ist, wird gegen das neue, scheinbar ewig haltbare Material ausgetauscht. Jetzt werden auch die letzten irdenen ‚Kappesjrüle‘ in die zu Müllhalden degradierten Bunker gefahren.

Das enge Dorf öffnet sich den Neuerungen einer Zeit, die man später als die ‚Goldenen Fünfziger‘ bezeichnen wird. Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Die Entdeckung der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, lässt Vieles, was über Jahrhunderte Bestand hatte, als unmodern und überflüssig zurück. Ein neues Wort macht die Runde: ‚pflegeleicht‘.“

So beschreibt Hans-Jürgen Siebertz in seinem Buch „Alles in Butter – die 50er Jahre in Lammersdorf“, das er im Literaturcafé der Gemeindebücherei Simmerath vorstellte, die neue Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Dabei steht „sein“ Dorf exemplarisch für viele Dörfer des Monschauer Landes. Als aufmerksamer, fast pedantischer Chronist verknüpft Hans-Jürgen Siebertz das Weltgeschehen mit den Umbrüchen in der Eifel. Auch hier hörte man die angesagten Schlager, sah die populären Kino-Filme, redete man politisch mit. Besonders eindrucksvoll sind die Schilderungen über Lammersdorfer Originale wie etwa den Bahnangestellten Peter Koll, von allen nur gemäß seinem französischen Lieblingstrinkspruch, dessen Bedeutung („Ich weiß nicht“) ihm womöglich nie bewusst war, „Schenesepa“ genannt.

An Alois Mertens („Pettisch Alois“) erinnert man sich noch lebhaft: Karnevalsprinz, Schützenkönig, „Fringser“ mit kirchlichem Beistand, in dessen Frisörsalon man den „Internationalen Frühschoppen“ hätte abhalten können, was schließlich dazu führte, dass er tatsächlich Bürgermeister und schließlich Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande wurde.

Was Hans-Jürgen Siebertz zusammengetragen und formuliert hat, ist als das Gedächtnis des Monschauer Landes zu bezeichnen. Und auch nach elf Büchern macht er nicht Schluss, drei neue hat er aktuell in Arbeit; unter anderem seine Autobiografie. Siebertz freut sich, demnächst mit dem „Rheinlandtaler“ ausgezeichnet zu werden, die er als symbolischen Lohn für seine ansonsten ehrenamtliche Arbeit im Dienste der Eifeler Heimatkunde betrachtet.

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