Literatur-Festival-Macher in der Kritik

Von: P. St.
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Drei Veranstaltungen im Rahmen
Drei Veranstaltungen im Rahmen des von Dr. Josef Zierden (re.) organisierten Eifel-Literatur-Festivals fanden auch in Monschau statt, unter anderem mit Krimi-Erfolgsautor Simon Beckett (2. v.li.). Jetzt geht Monschau eigene Wege. Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Das Eifel-Literatur-Festival zählt dank seiner hochkarätigen Autoren-Besetzung inzwischen zu den Top-Ten-Veranstaltungen seiner Art in Deutschland, doch um das Festival, einst auch als kulturelle Klammer für die gesamte Eifel gedacht, gibt es hinter den Kulissen mächtig Streit.

Josef Zierden (58) aus Prüm, der Initiator des 1994 gegründeten Festivals und im Jahr 2011 noch von der Zukunftsinitiative Eifel bei der ITB in Berlin mit dem „Eifel-Award” ausgezeichnet, reitet jetzt scharfe Attacken gegen Monschau. In einem vorige Woche veröffentlichten Interview äußert sich der Festival-Macher zu dem „unglaublichen Vorgang”, dass Monschau das Eifel-Literatur-Festival „boykottieren” wolle.

„Mit Verwunderung”

Erschienen ist das Interview in der Eifel-Zeitung Daun, einem Anzeigenblatt, das im Verbreitungsgebiet Vulkankreis/Mosel erscheint. Ziel der Attacke ist in erster Linie der Monschauer Wochenspiegel, dem Dr. Zierden vorwirft, gezielt die redaktionelle Berichterstattung über das Eifel-Literatur-Festival zu unterbinden. Das „aktuelle Interview zu einem unglaublichen Vorgang” hat zumindest zu einer noch stärkeren Polarisierung geführt, zumal die Eifel-Zeitung direkt unter den Interview-Text per Eigenanzeige wissen lässt: „Monschau boykottiert, die Eifel-Zeitung unterstützt das Eifel-Literatur-Festival.”

Die gezielte Art und Weise der Veröffentlichung führt nun zu wachsender Kritik an Zierden. Die Kampfansage hat auch in anderen Teilen der Eifel Irritationen ausgelöst: „Mit Verwunderung habe ich die massiven Angriffe von Herrn Dr. Zierden zur Kenntnis genommen. Sie sind unberechtigt und sein Verhalten auch grob undankbar. Der Wochenspiegel hat in den letzten Jahren das Eifeler Literaturfestival umfassend redaktionell begleitet und auch darüber hinaus auch durch die Darstellung des Programms breit unterstützt”, betont Alexander Lenders, Leiter beim Weiss Verlag Monschau. Diese Unterstützung sei geleistet worden, so Lenders weiter, „obwohl Herr Dr. Zierden andere offizielle Medienpartner hatte, die bei den Veranstaltungen auch stets genannt wurden”.

Mit der vertraglich vereinbarten Ausweitung des Festivals auf die gesamte Eifel sei diese Unterstützung sogar noch ausgeweitet worden. Entgegen anderer Abmachungen habe Dr. Zierden aber das Veranstaltungsgebiet in diesem Jahr nur auf drei Landkreise in Rheinland-Pfalz beschränkt. Diese neue Situation habe man zum Anlass genommen, „nun über die Veranstaltung wieder lokaler zu berichten, da der eifelweite Ansatz vom Veranstalter leider nicht mehr realisiert wurde.”

Lenders weist die Angriffe von Zierden „entschieden zurück. Er ist über die inneren Vorgänge in unserem Verlag in keiner Weise richtig informiert.”

Dr. Josef Zierden, der in diesem Jahr 26 Veranstaltungen, unter anderem mit populären Schriftstellern wie Donna Leon oder Nobelpreisträgerin Herta Müller im Programm hat, sprach am Montag von einer „kriegerischen Situation.” Angesprochen auf einen 2006 unterzeichneten Vertrag, wonach auch Monschau regelmäßig zu den Veranstaltungsorten des Festivals gehören sollte, sagt Zierden am Montag, dass er sich durch diesen Vertrag „nicht für alle Zeiten verpflichtet sehe, eine Veranstaltung in Monschau anzubieten.” Zierden: „Ich arbeite Tag und Nacht für das Festival, da muss ich meine Kräfte auf die bewährten Partner konzentrieren.” Als „desolat” bezeichnet Zierden die Situation in der Zukunftsinitiative Eifel.

Nachdem Zierden seinen Rückzug aus Monschau angekündigt hatte, entwickelte sich hier die Idee, eine eigene Veranstaltung rund um das Thema Literatur zu etablieren, was umgehend heftige Reaktion bei Dr. Zierden ausgelöst hatte, unter anderem äußerte er den Vorwurf, dass im Monschauer Rathaus beabsichtigt sei, mit einer Konkurrenzveranstaltung das Eifel-Literatur-Festival „zugrunde zu richten.”

Nicht nachvollziehbar sind auch für Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter solche Vorwürfe. „Mir ist nichts von einem Monschauer Boykott bekannt. Herr Dr. Zierden hat seine Aktivitäten aus persönlichen Gründen in der Nordeifel eingestellt,” stellt Margareta Ritter klar. Sie sei allerdings „sehr dankbar für die Initiative und die Möglichkeiten, die sich im Nachgang zu seinem Rückzug in der Nordeifel ergeben haben”.

Mit einer Vielzahl von Akteuren sei es gelungen, in den drei Landkreisen Aachen, Düren und Euskirchen an interessanten Orten „ein kleines feines neues Kulturlesefestival auf den Weg zu bringen, welches unter dem Namen Lit.Eifel im Herbst diesen Jahres starten wird und viele Partner mitnimmt. Da dieses neue Festival viele Interessen und Städte in der Region berücksichtigt, liegt es nahe, dass auch unsere bisherigen Sponsoren der Nordeifel aus der Zeit des gemeinsamen Festivals bereits Interesse gezeigt haben, uns zu unterstützen.” Die Angriffe von Zierden seien daher „völlig unangemessen und unwahr”.

Keine Eifeler Autoren mehr

Mit Bestürzung, Verwunderung und auch Trauer sieht der Eifeler Krimi-Autor Ralf Kramp die Vorgänge rund um das Eifel-Literatur-Festival. Die Leistung von Dr. Zierden, ein Eifel-Literatur-Festival auf die Beine zu stellen, sei unbestritten, wobei die Eifeler Autoren ja inzwischen außen vor blieben. Kramp: „Da ist kein einziger mehr dabei.”

Diese Entwicklung zeige aber auch die Problematik auf, wenn eine einzelne Person alleine Gestaltung und Inhalte des Festivals bestimme. Dies sollte eine Warnung sein.

Dr. Josef Zierden sieht unterdessen mit Spannung der Lesung mit Thilo Sarrazin am Donnerstag in Prüm entgegen, die unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen stattfindet. Auch diese Veranstaltung hat dem eigenwilligen Literaturfreund eine Menge Kritik eingebracht.
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