Lit.Eifel-Gäste unternehmen Nostalgietour mit Thomas Brussig

Von: pp
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Der Berliner Autor Thomas Brussig las im Rahmen der Lit.Eifel aus seinem neuen Roman „Das gibt’s in keinem Russenfilm“ im historischen Schienenbus, der auf der denkmalgeschützten Oleftalbahn von Kall bis nach Blumenthal und zurück fuhr. Foto: Franz Küpper/pp/Agentur ProfiPress

Nordeifel. Was wäre, wenn die Mauer nicht gefallen, das Leben in der DDR weitergegangen wäre? Ohne Wiedervereinigung. Die Uhr hätte sich im Osten und im Westen einfach weitergedreht. Bis heute. Der Berliner Schriftsteller Thomas Brussig hat sich genau mit dieser Frage beschäftigt und einen ganzen Roman dazu geschrieben.

In den Genuss dieser schrägen Geschichte kamen jetzt die Zuhörer einer ungewöhnlichen Lit.Eifel-Lesung: Im urigen Ambiente der „Flitsch“, dem historischen Schienenbus, las er den Fahrgästen auf der denkmalgeschützten Oleftalbahn aus seinem Buch „Das gibt’s in keinem Russenfilm“ vor. Die Bahn machte Halt an den Stationen in Kall-Antois, Olef und Blumenthal. Vier Stunden dauerte die unterhaltsame Nostalgietour, während der es immer wieder Zwischenapplaus für Brussig gab. So „tief im Westen“ habe er noch nie gelesen. Dies betonte er immer wieder humorvoll.

Die Hauptfigur des Romans ist Brussig selbst. „Es ist eine Parodie auf das Genre der Autobiografie“, sagte Brussig. Er habe senkrecht im Bett gestanden und sich gefragt, was wäre, wenn die Mauer eben nicht gefallen wäre. „Es ist eine Frage, die sich jeder Ost-Deutsche schon irgendwann mal gestellt hat.“ Die Frage „Was wäre wenn“ käme meist episodisch. „Wenn du vor den Niagarafällen stehst, überlegst du schon: Hättest du das jemals gesehen, wenn die Mauer nicht gefallen wäre?“

Als er angefangen habe, sich sein Leben im Roman auszudenken und zu schreiben, musste er sich auch Gedanken über die Wirtschaftlichkeit der DDR machen. In seinem Roman kann die DDR bestehen, weil sie etwa massiv auf die Erzeugung von Windkraft setzt und damit das westliche Ausland beliefert. „Der Roman ist eine Verkettung einer kontrafaktischen Autobiografie als Schriftsteller in der nach wie vor real existierenden DDR“, so Brussig weiter.

Geschrieben ist die Geschichte in der Ich-Erzählperspektive. Die Handlung ist Brussig – mit Abweichungen – tatsächlich widerfahren. Der Autor blickte auf seine ersten schriftstellerischen Versuche und erzählte von literarischen Vorbildern.

Brussig gelang mit „Helden wie wir” der Durchbruch.

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