Lit.Eifel: Gaby Köster präsentiert Erstlingswerk „Die Chefin“

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Gaby Köster las im Rahmen der Lit.Eifel aus ihrem ersten Roman „Die Chefin“ in der Aula der Berufsschule in Kall. Foto: Franz Küpper/pp

Kall. Gestützt von einer Freundin und unter dem Beifall ihrer treuen Fans betrat Gaby Köster am Freitagabend die Bühne für ihre Lit.Eifel-Lesung. Mit ihrem unverkennbaren Lachen präsentierte sie stolz ihren ersten Roman: „Die Chefin“.

Das himmelblaue Buchcover zeigt eine Schildkröte auf Rollschuhen, eine Rakete auf den Rücken geschnallt. Denn Romanheldin Marie Sander ist seit ihrem Schlaganfall auf den Rollstuhl angewiesen und trotzdem mit Vollgas unterwegs. „Früher war Sanders Leben Rock’n’Roll, heute ist es mehr ein Leben des Rollens“, scherzte Gaby Köster mit leicht krächzender Stimme.

Die Kölner Schauspielerin, Komikerin und Autorin ist schmal geworden. Mit gelber Bluse, blau verwaschenen Jeans und ihrer typischen blonden Struwwelfrisur saß sie auf dem hellen Sessel, die Lesebrille auf der Nase, und las mit Witz und Begeisterung einige Passagen der abenteuerlichen Geschichte ihrer „Chefin“.

Im Mittelpunkt des Romans steht Marie Sander alias „Die Chefin“. Die 42-Jährige steht als erfolgreiche Rocksängerin auf der Bühne, als ihr Leben in Schieflage gerät. Plötzlich läuft es nicht mehr. Stattdessen sitzt „die Chefin“ nur noch – und zwar im Rollstuhl. Nach einem Schlaganfall ist sie auf einer Seite gelähmt – doch ihr Mundwerk kann das nicht stoppen. So begibt sich die Romanheldin auf eine Odyssee durch halb Europa, um die Verfolgung einer verbrecherischen Bande aufzunehmen. Dabei verliebt sie sich in einen Bodybuilder, gibt zwei Kindern ihre Eltern wieder – und geht ihr eigenes Leben wieder neu an.

Voll unbändiger Kraft

So wie Marie Sander ihrem Schicksal die lachende Schulter zeigt, scheint es wie Gaby Kösters eigene Geschichte: Eine starke Frau voller Lebenslust und unbändiger Kraft. Die 53-jährige Kölnerin ist seit einem Schlaganfall vor sieben Jahren selbst auf den Rollstuhl angewiesen. Bis heute verweigern ihr der linke Arm und das linke Bein den Dienst. Mit ihrem Handicap hat Gaby Köster aber keineswegs an Ausstrahlung verloren. Voller Stärke und Selbstbewusstsein präsentierte sie sich auf der Lit.Eifel vor fast 170 Besuchern in der Aula der Berufsschule Kall.

Im Anschluss an die Lesung konnten die Gäste auch einige private Dinge von der Kölnerin erfahren. Auf die Zuschauer-Frage, ob es den Bodybuilder in ihrem Leben wirklich gäbe, antwortete Köster: „Ich arbeite dran. Ich bin im Moment schwer vermittelbar.“ Verlässt sie manchmal der Mut? „Ich kann mich nicht hängenlassen, ich habe ein Kind“, sagte Gaby Köster ernst.

Ihre 75-jährige Mutter hilft ihr im Alltag, Köster bekommt mehrmals in der Woche Physiotherapie und gibt die Hoffnung nicht auf, dass ihr linker Arm seinen Dienst wieder aufnimmt. Ihr Automatik-Auto fährt sie selbst, ohne Umbauten. „Aber da ist der Blinker doch links“, monierte eine Zuschauerin. „Ja Liebchen, da greif’ ich rüber. Da kenn’ ich nix“, konterte Köster laut und frech.

Leise war es um sie geworden, als sie nach ihrem Schlaganfall im Jahr 2008 im Krankenhaus um ihr Leben kämpfte. Es hieß sogar, sie sei tot. „Davon habe ich später auch gelesen“, erzählte Köster. „Warum wurden die Fans denn nicht sofort über Ihren Zustand informiert?“, wollte eine Frau aus dem Publikum wissen. Köster präsentierte die Antwort auf ihre unnachahmliche Art: „Du glaubst es nicht: Selbst bei mir ist es nicht möglich, im Koma zu sprechen.“

Mal spannend, mal lustig aber auch ernst – Gaby Köster sorgte bei der Lit.Eifel-Veranstaltung für einen Abend mit ganz unterschiedlichen Facetten. Ein Wecker erinnerte sie und ihr unaufhaltsames Mundwerk daran, auch mal eine Pause einzulegen. Dann hatten die Koch-Azubis der „Wirtschaftsschule für Tourismus“ ihren Auftritt: Für die Pause hatten sie kleine Häppchen, sogenannte „Eifeler Tapas“ vorbereitet, die von den Tourismus-Schülern serviert wurden.

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