Lit.Eifel: Comic-Zeichner Ralf König liest in Kettenis

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Ralf König: Frech, frivol, witzig und schräg sind seine Geschichten. Wenn´s drauf ankommt kann der Autor selbst aber auch ganz schön unschuldig gucken. Foto: Claudia Hoffmann/pp/Agentur ProfiPress.

Eupen-Kettenis. „Wie soll ich denn lesen?“, hatte Autor und Comic-Zeichner Ralf König im Vorgespräch für die Lit.Eifel-Lesung in Eupen-Kettenis gefragt. „Mehr schwul, mehr katholisch oder ein bisschen von beidem?“ Letztlich einigte man sich auf einen beschwingten Mix, der am Donnerstagabend in der Eupener Galerie „vorn und oben“ für rund 70 Literaturfreunde zu einem höchst amüsanten Erlebnis wurde.

„Volles Haus“, freute sich Moderator Guido Thomé über das bis auf den letzten Platz besetzte Atelier. „Aber das ist bei uns immer so, wenn der König kommt“, schalkte er. Um die Zuhörer nicht ganz so unvermittelt in die erotische Szenerie seines aktuellen Buches „Pornstory“ zu werfen, sondern langsam in die Geschichte „hineingleiten“ zu lassen, eröffnete König den heiteren erzählerischen Reigen mit einem Prolog. Genauer gesagt mit einem Autor, der seinerzeit die Initialzündung für Königs künstlerischen Werdegang bilden sollte: In Kindertagen hatte König die Geschichten von Wilhelm Busch „zwischen Simmel und Konsalik“ im elterlichen Bücherregal entdeckt.

Das gab „den Kick“ und fortan zeichnete der kleine Ralf – zum Leidwesen seines Vaters – Comicfiguren, was das Zeug hielt. Als er dann vor wenigen Jahren die Anfrage bekam, ob er die Geschichten von Wilhelm Busch in einer Anthologie neu bebildern wolle, war er dabei. Eigentlich hätte er damals gerne die fromme Frau Helene gehabt, aber „das fand der Verlag nicht so gut“, erzählte König. „Die haben wohl gedacht, der König müsse sich doch zwischen zwei Jungs am wohlsten fühlen“, scherzte er augenzwinkernd. Und so erhielt er den Zuschlag für „Max und Moritz“.

Die Geschichte des Eberhard

Auf den ersten, höchst frevlerischen Streich folgte am Donnerstagabend alsbald natürlich auch der zweite dann sogleich. Mit seinen Knollenmännchen entführte König zur großen Erheiterung des Eupener Publikums in die bieder-frivole Welt von „Pornstory“: Dralle Hintern und authentische und damit „hanebüchen dämliche Pornofilm-Originaldialoge“ – Ehezwist im Reihenhaus inklusive.

„Pornstory“ erzählt die Geschichte des jungen Eberhard Schlüter, der auf der Suche nach Urlaubsfotos aus Rimini auf dem Dachboden eine folgenreiche Entdeckung macht, die seine erotische Entwicklung aufs Nachhaltigste prägt. Das erste Kapitel ist dabei durchaus autobiografisch, denn auch Ralf König entdeckte als Elfjähriger im Schrank eine Sammlung interessanter dänischer Super-8-Filme, wie er schmunzelnd erzählte.

Ähnlich wie Eberhard im Buch kämpfte er zunächst mit den Tücken des Projektors, produzierte erst mal Bandsalat, aber nachdem er „den Trick mit der Taste kapiert hatte“, war nur noch einer im Wege: der Heiland. Der hing nämlich ausgerechnet an der Wand, auf die König das spannende Filmmaterial projizieren wollte. Bei dem Gedanken, das Kruzifix abzuhängen, war König natürlich anfangs etwas mulmig. „Aber als kein Blitzschlag oder sowas Ähnliches einsetzte, war es dann okay“, witzelte er.

Fortan verlebte der junge Ralf ebenso wie sein Protagonist Eberhard eine unterhaltsame Pubertät mit flotten Bildern auf heimischer Blümchentapete. Eberhards Dilemma indes nimmt wenige Jahre später seinen schicksalhaften Anfang, als ihm sein bester Freund „Fritte“ ein unerwartetes Geburtstagsgeschenk macht: einen Ausflug zum „Saustallmovie-Dreh“ in Frankfurt. Doch das Werk, das drei Monate später unter dem schmissigen Titel „Sahne auf die Torte“ in den Regalen dieser Welt steht, hat es in sich.

Allerdings sollte sich die Snoopy-Tätowierung in Eberhards Leistengegend wiederum einige Jahre später als äußerst verräterisch erweisen. Und natürlich ist die eheliche Stimmung erst mal anhaltend im Eimer, wenn die Gemahlin entdeckt, dass man in Jugendjahren mit einigen Gleichgesinnten kollektiv auf Gurkensalat onaniert hat.

Es hilft nichts, die Kuh muss vom Eis und der eigene Junior auch noch pädagogisch wertvoll durch die Pubertät geschleust werden. Die Eupener Zuhörer amüsierten sich „königlich“, denn der Kölner Autor las nicht nur, sondern zog im Laufe des Abends auch stimmlich alle Register und schlüpfte nuanciert in die Rollen seiner Figuren. „Das war ‚erzählen plus‘“, lachten Silke und Liliane, die von einer Freundin zum Lit.Eifel-Abend mitgenommen worden waren, im Grunde „gar nicht wussten, worauf sie sich einließen“ und am Ende sichtlich begeistert waren.

Werk übers Alter in petto

Mit zwei vehement eingeforderten Zugaben unternahm König noch einmal einen herrlich-heiteren Ausflug in die Anfänge biblischer und steinzeitlicher Erotik. Während er im Anschluss an die Veranstaltung die Signaturen seiner Bücher mit kleinen, zeichnerischen Kunstwerken veredelte, plauderte König noch ein wenig aus dem Nähkästchen. Acht bis neun Monate arbeite er in der Regel an einem Buch. Sehr diszipliniert, denn er halte sich an die Arbeitszeiten seiner Bürogemeinschaft – bis auf ganz wenige Ausnahmen, wenn ihm nun gar nichts einfallen wolle. Für gewöhnlich habe er die Bilder zu seinen Geschichten aber sofort im Kopf. Es sei die Story selbst, an der er mitunter sehr lange herumfeile.

Aktuell arbeite er an einem Werk zum Älterwerden. „Es ist das schwierigste Thema, das ich je auf dem Tisch hatte, weil es da natürlich auch an die eigenen Ängste geht.“ Humor werde dort auch wieder eine große Rolle spielen, aber ganz sicher auch eine ordentlich spannende Portion Philosophie.

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