Lit.Eifel: Autor Wolfgang Flür erinnert an die Blütezeit des Elektropop

Von: pp
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Rüdiger Esch (l.) und Wolfgang Flür plauderten in Eupen aus dem Nähkästchen. Den Freunden des Elektropop bereiteten sie im Rahmen der Lit.Eifel einen äußerst kurzweiligen Abend im „Alten Schlachthof“. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress
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Eupen. Fehlfarben, Neu!, Kraftwerk, DAF, Der Plan, Rheingold: Diese Bands aus Deutschland stehen für eine Musikrichtung, der Rüdiger Esch, Bassist der „Krupps“ sein Buch „Electri_City“ gewidmet hat. Daraus sollte er bei einer Lit.Eifel-Veranstaltung im neuen Eupener Kulturzentrum „Alter Schlachthof“ eigentlich vorlesen, zumindest war es so angekündigt.

Um es vorwegzunehmen: Sein Buch nahm Esch erst am Ende zur Hand, nämlich um es für die Schlange stehenden Freunde des Elektropop zu signieren. Stattdessen erwartete die circa 100 Zuhörer im außergewöhnlichen Ambiente des aufwendig restaurierten und zum Kulturhaus umfunktionierten „Alten Schlachthof“ ein äußerst kurzweiliger Abend mit dem Autor und Wolfgang Flür, dem langjährigen Drummer der Düsseldorfer Band „Kraftwerk“.

Die beiden Veteranen einer „phantastischen Zeit“ (Flür) lieferten sich gegenseitig die Stichworte für spannende Erzählungen aus den ersten 16 Jahren des Elektropop, der Zeit von 1970 bis 1986, die Flür in Bezug auf Kraftwerk „fast wie ein modernes Märchen“ erschien.

Der Musiker kam, wie zu „Roboter“-Zeiten, im Anzug gekleidet nach Eupen, „unsere Belgien-Premiere“, wie Esch anmerkte. Schon durch ihr Äußeres unterschied sich Kraftwerk in den siebziger Jahren von anderen Bands. Flür: „Wir taten das Unmögliche, kauften uns Anzüge und banden uns Krawatten um.“ Im Laufe des Abends entpuppte sich der Schlagzeuger, der ursprünglich in Düsseldorf Innenarchitektur studiert hatte, als witziger und pointierter Erzähler.

Ausgerechnet die Tatsache, dass er kein begnadeter Drummer gewesen sei, sei im Grunde seine Chance bei Kraftwerk gewesen, erzählte Flür in Eupen mit einer gehörigen Portion Selbstironie. „Die einfachen Beats waren mein Glück. Mein Vorgänger hat zu viel geknüppelt, das passte nicht. Da haben die sich gedacht: Versuchen wir es mal mit dem Wolfgang.“

Er bestand darauf, aus seinem eigenen Buch „Ich war ein Roboter“ eine Passage vorzulesen. Dabei handelte es sich um die urkomische Schilderung einer Blamage bei einem Auftritt 1975 in Liverpool. Erstmals sollte eine spezielle Konstruktion zum Einsatz kommen, die er den „Drum-Käfig“ nannte: ein Chromgestell mit Lichtsensoren. Doch die versagte.

„Electri_city“, so Wolfgang Flür, sei das erste Buch, das nicht ausschließlich über Kraftwerk berichtet. Im Gegenteil: Esch lässt 50 Pioniere aus der Zeit zu Wort kommen. „Es ist die wörtliche Rede derer, die dabei waren.“ Die „explosiven Gesprächsprotokolle“, so Flür, habe Rüdiger Esch kenntnisreich zusammengefügt. „Nichts bleibt dem Leser verborgen, auch nicht die Brüche und Dissonanzen.“ Die Dokumentation einer „spannenden Zeit, die nicht wiederkommen kann, ohne Computer, ohne Smartphone und ohne Tablets“.

Videoeinspielungen ließen die analoge Entstehungsgeschichte des Elektropop lebendig werden. Im Anschluss gab es dann noch Live-Musik: Der Düsseldorfer Avantgarde-Musiker Sølyst alias Thomas Klein, Schlagzeuger der Band Kreidler und Marc Matter, Dozent am Institut für Musik und Medien (IMM) der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, auch bekannt als Mr. Mueck, DJ im alternativen Düsseldorfer Elektroclub „Salon des Amateurs“, ließen den Abend mit einer Performance ausklingen.

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