Nideggen - Lit.Eifel: Absurdes von dem Arthrosenkavalier

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Lit.Eifel: Absurdes von dem Arthrosenkavalier

Von: pp
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Der Westfale Wiglaf Droste las nicht nur aus seinem aktuellen Gedichtband „Wasabi Dir nur getan?”, sondern querbeet aus seinen Büchern und Zeitungskolumnen. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress.

Nideggen. Wiglaf Droste hat schon weite Teile der Welt bereist. Er ist in Mexiko mit den Worten „Leichtfüßig flieht der junge Hirsch“ vor vier jungen Männern geflohen, die ihn und „seine Süße“ ausrauben wollten.

Er hat, nach guter Landessitte, in Schottland zur Sperrstunde drei halbe Pints bestellt, auf Ex getrunken und anschließend auf dem Heimweg mit dem Polizisten, der Droste wegen dessen Schlagseite anhielt, auf Schottisch gekalauert, so dass der ihn trotz seiner „drunken disorder“, also einer Beeinträchtigung wegen Trunkenheit, laufen ließ. „Es ist halt gut, wenn man in mehreren Sprachen kalauern kann“, sagte Droste lakonisch dazu.

Wo der Westfale, der in Herford und Leipzig lebt, aber noch nicht war, war Nideggen. Im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Eifel hat es den Satiriker, Autor, Dichter und Sänger am Dienstag in die Kapelle des Burgenmuseums verschlagen – und er war trotz 25 Jahren Bühnenerfahrung äußerst beeindruckt. „Das ist einer der schönsten Orte, an denen ich je gelesen habe“, sagte er – und war froh darüber, die Kapelle nicht entweihen zu können, da sie bereits säkularisiert sei. „Und wenn doch, weiß ich seit eben auch, wo das Verlies ist.“

Dass Droste nicht nur Gefallen an dem Ort, sondern wohl auch an der Resonanz der Zuschauer gefunden hatte, machte sich auch in der Länge des Vortrags bemerkbar. Zweimal 50 Minuten hatte der 55-Jährige eingeplant. Am Ende waren es mit Pause zweieinhalb Stunden, in denen er sein Publikum mit absurden Gedichten, niedergeschriebenen Anekdoten, alten und aktuellen Zeitungskolumnen sowie kritischen Texten unterhielt.

Dass dabei auch Spontaneität eine Rolle spielt, bekam Gabi Potas vom Buchgeschäft „Bücher an der Burg“ zu spüren. Droste lieh sich von ihr zu Beginn des Abends noch zwei von ihm verfasste Bücher aus, weil er einfach Lust hatte, auch aus denen etwas vorzutragen.

Angekündigt war, dass Droste aus seinem aktuellen Gedichtband „Wasabi dir nur getan?“ lesen sollte. Tatsächlich trug er aber nur wenige Texte aus dem kleinen Büchlein vor. Immerhin lieferte er den Hintergrund für diese teils doch äußerst schrägen Wortspiele. Ausschlaggebend sei der Schriftsteller Robert Gernhardt gewesen, der immer wieder junge Autoren aufgefordert hatte, einen möglichst absurden Zwei- oder Mehrzeiler zu bilden, in den ein bestimmtes Wort eingeflochten werden muss.

In der ersten Hälfte widmete sich Droste dem Komischen, Satirischen, Grotesken. Da war das Gedicht über die teils unsinnige, auf jeden Fall aber gehäufte Verwendung von Anglizismen in der deutschen Sprache, in dem der Autor mit großem Sprachwitz über „to go“, „to do“, „no go“ und „place to be“ referierte und Shakespeares berühmtes „To be or not to be“ umwandelte in „To be or not to go or no go“.

Überhaupt das Spiel mit der Sprache: Da berichtet Droste von einer Freundin, die für ihr drittes Kind einen zweiten Mann suchte, das Kind Quint nannte, in der Pubertät vom Sohn passenderweise forderte, er solle keinen Terz machen. Stattdessen quartzte er, schloss sich einer Sexte an und hatte ein Kind mit einer None – und schon war der Text über musikalische Intervalle rund.

Doch Droste ist nicht nur Schreiber, sondern auch Sänger – und verbindet manchmal auch beides miteinander. Mit sanfter, aber durchaus kräftiger Stimme trug er seine Interpretation des Cat-Stevens-Song „Morning Has Broken“ vor, der bei ihm „Morgen hat brochen“ heißt. „Ich habe den Text nur so weit übersetzt, wie ich das Lied ertragen habe. Also ist er recht kurz geworden.“ Dabei sei er als junger Mann sogar glühender Verehrer des britischen Songwriters gewesen.

Er erinnerte sich auch daran, als Teenager 20-mal hintereinander „Locomotive Breath“ von Jethro Tull gehört und mit anderen Jungs dazu getanzt zu haben. Heute sei das schon aufgrund seines körperlichen Verfalls nicht mehr möglich. „Ich bin ein Arthrosenkavalier“, sagte er dazu.

Weitere Songs, die Droste zum Besten gab, waren „Musse pfeifen in de Wind“, eine Umwandlung von Bob Dylans „Blowin‘ in the Wind“ auf Pidgin-Deutsch, oder „Knockin‘ On Heaven’s Door“, ebenfalls von Dylan. Mit dem Stück beschloss er nicht nur eine äußert launische Anekdotenreihe über den vor gut einem Jahr verstorbenen Schriftsteller und Übersetzer Harry Rowohlt, sondern auch den ersten Teil.

Nach der Pause widmete sich Wiglaf Droste schließlich eher seinen zynischen, stellenweise bitterbösen Texten. Er rechnete mit den Sportreportern Marcel Reif und Sabine Töpperwien ab, stänkerte gegen die katholische und protestantische Kirche und gegen die „Bild“-Zeitung, in die selbst tote Fische nicht eingerollt werden wollen, was nur für den Charakter dieser Tiere sprechen würde.

Nach insgesamt rund zweieinhalb Stunden spendeten ihm die Gäste tosenden Beifall für seinen Vortrag.

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