Roetgen - Lichtverschmutzung: Noch gibt es die sternenklare Dunkelheit

Lichtverschmutzung: Noch gibt es die sternenklare Dunkelheit

Von: P. St.
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Harald Bardenhagen von der Astronomie-Werkstatt „Sterne ohne Grenzen“ kämpft dafür, dass der Sternenhimmel von der Erde wieder besser sichtbar ist. Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Die Marienkapelle Roetgen, ein kleines Gebäude von großem historischen Wert für die Gemeinde, soll besser in Szene gesetzt werden. Der noch junge Förderverein Marienkapelle Roetgen plant neben baulichen Maßnahmen auch, das kleine, weiße getünchte Gebäude anzustrahlen.

Wer nun gedacht hatte, dass es mit einem Antrag an die Gemeindeverwaltung getan ist, um ein paar Bodenstrahler einzubauen, der hat sich getäuscht. Das Beleuchtungskonzept für die Kapelle wird die zuständigen Gremien wohl noch eine Zeit lang beschäftigen, seitdem das Thema Lichtverschmutzung aktuell geworden ist.

Grüne fordern Lichtregeln

Auch in der zurückliegenden Sitzung des Umwelt-, Touristik- und Forstausschusses nahm die Thematik breiten Raum ein, ausgelöst durch einen Antrag der Grünen, die erreichen wollten, dass bestimmte Lichtregeln „Vermeidung unnötiger Lichtverschmutzung“ einhalten würden.

Diese Lichtregeln und das Thema Lichtverschmutzung im allgemeinen hatte zuvor Harald Bardenhagen in einem ausladenden Referat von nahezu 90 Minuten detailliert erläutert, aber noch vor Einbruch der Dunkelheit zuende geführt. Die Lichtverschmutzung einzudämmen, um den Sternenhimmel wieder besser in Szene zu setzen, lautet die Mission des Projektleiters von der Kölner Astronomie-Werkstatt „Sterne ohne Grenzen“.

Mit seinem funkelnden Sternenhimmel hat sich auch der Nationalpark Eifel 2014 als Sternenpark qualifiziert. Zehn Jahre nach seiner Gründung erhielt das Großschutzgebiet die bedeutsame Anerkennung der International Dark-Sky Association. Bereits seit 2010 bereitet der Kölner Astronom Harald Bardenhagen gemeinsam mit der Region ein Schutzgebiet für den Sternenhimmel vor, denn die Nationalparkregion Eifel ist einer der wenigen Orte in Deutschland, wo man die Milchstraße mit eigenen Augen sehen kann. Der Nationalpark Eifel gehört zu den insgesamt nur drei als Sternenpark zertifizierten Gebieten.

„Lichtverschmutzung ist eine internationale Problematik, aber man muss lokal aktiv werden“, lautet die Mission des engagierten Astronomen, der sogar seinen Job an den Nagel gehängt hat, um sich ganz dem Sternenhimmel widmen zu können. Er hat sich zum Ziel gesetzt, „den Menschen das Naturerlebnis Sternenhimmel wieder näherzubringen.“

Detailliert und spannend erläuterte Bardenhagen die Problematik der Lichtverschmutzung, denn zu helle Nächte durch künstliches Licht stören auch das Gleichgewicht der Natur, da der größte Teil der Tiere nachtaktiv seien. Vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Lichtquellen in jedem Jahr weltweit um sechs Prozent ansteigen würde, müsse man sich ernsthaft die Frage stellen, „wie viel an Beleuchtung eigentlich erforderlich ist.“

Bardenhagen sagte, dass nächtliche Dunkelheit inzwischen als Alleinstellungsmerkmal gelte und erfolgreich für die touristische Werbung eingesetzt werde.

Der nächste Schritt beim Nationalpark Eifel ist daher auch die Weiterentwicklung vom Sternenpark zu einem Sternenreservat, das neben dem vor Lichtverschmutzung strikt geschützten Nationalpark ein etwa 15 Kilometer breites Band um die Nationalparkgrenzen herum beinhaltet.

Auch das Gemeindegebiet Roetgen liegt zum Teil in diesem Radius. Um als Sternenreservat anerkannt zu werden, müssen die Kommunen innerhalb des 15-Kilometer-Radius‘ sich verpflichten, sich an bestimmten Regeln zur Verminderung der Lichtverschmutzung zu orientieren. „Das bedeutet nicht, dass jetzt alle Lichter schlagartig ausgeschaltet werden sollten“, rückte Bardenhagen die Dimension ins rechte Licht. Mit einfachen Gegenmaßnahmen (kein Licht nach oben richten, Optimierung von Fassadenbeleuchtungen und Werbung, bedarfsgerechtes Anschalten von Lichtquellen) könne man schon viel erreichen. Die öffentliche Hand ist auch gefordert bei der Umrüstung von Straßenlaternen. Letzteres forderten auch die Grünen in ihrem Antrag und äußerten die Bitte, den Gewerbetreibenden in Roetgen die Lichtregeln des Sternenparks zur Verfügung zu stellen und die Werbebeleuchtung gegebenenfalls anzupassen.

„Das Thema ist überregional zu sehen“, stellte Stephan Speitkamp (CDU) fest. Mit Blick auf den Nationalpark Eifel wies er darauf hin, dass die Befeuerung am Windpark Herhahn den Sternenpark „kaputt mache“, nicht aber die Gemeinde Roetgen. Außerdem gelte es, bei der Verringerung von Licht auch den Sicherheitsaspekt zu bedenken. Karl-Josef Rütgers (CDU) warnte vor möglichen negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft. „Will man dem neuen Edeka vorschreiben, welche Leuchtreklame er verwenden darf?“

Während Christa Heners von den Grünen meinte, dass es doch wohl keine Zumutung sein dürfe, sich an die Lichtregeln zu halten und der Ausschuss sich dazu positionieren solle, war die Mehrheit des Gremiums aber der Meinung, dass weiterer Beratungsbedarf bestehe und der Antrag der Grünen in der nächsten Sitzung erneut beraten werden solle.

Damit folgte man auch der Auffassung von Bürgermeister Jorma Klauss, der meinte, dass die Thematik nicht unbedingt eine vordringliche aktuelle Beratung erfordere.

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