Letzte Sprechstunde: Lammersdorfer Praxis wird geschlossen

Von: Karl-Heinz Hoffmann
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Die „Eifelpraxis“ in der Lammersdorfer Krämerstraße schließt am 31. März ihre Pforten. Das Praxissschild wurde bereits in dieser Woche entfernt. Nach jahrzehntelangem Wirken von Dr. Pöppel, gab Dr. Generet im vorigen Jahr ein kurzes fünfmonatiges Gastspiel, bevor ab vorigen September Dr. Beckereit in die vorhandene Versorgungslücke sprang. Foto: Karl-Heinz Hoffmann

Lammersdorf. Über 60 Jahre lang konnte man bezüglich der hausärztlichen Versorgung in Lammersdorf von einer für die Patienten beruhigenden Kontinuität sprechen. Das wird sich nun ändern. Zum 31. März 2013 wird die Arztpraxis in der Krämerstraße offiziell geschlossen, womit ab diesem Zeitpunkt im zweitgrößten Ortsteil der Gemeinde Simmerath keine Hausarztpraxis mehr vorhanden sein wird.

Die letzte Sprechstunde findet am 14. März statt. Für die Patienten bedeutet dies eine gravierende und plötzliche Änderung, da sie in Zukunft deutlich weitere Wege für den Arztbesuch auf sich nehmen müssen.

Seit Frühjahr 1947 bis März 2012 praktizierten zunächst mit Dr. Hugo Fraikin und dann mit Dr. Leopold Pöppel zwei mit der Dorfbevölkerung eng verbundene praktische Ärzte im Dorf. Danach hatte die angesprochene Beständigkeit ein Ende und entwickelte eine besondere Dynamik, wobei in Simmerather Ärztekreisen hinter vorgehaltener Hand von einem „Kasperletheater“ gesprochen wurde.

Der in der Eifel noch aus seiner Zeit im Simmerather Krankenhaus bekannte Internist Dr. Klaus Generet, der die Praxis im März 2012 von Dr. Pöppel übernommen hatte, warf ohne Angaben von Gründen nach nur fünf Monaten Ende August 2012 das Handtuch.

In die entstandene Lammersdorfer Versorgungslücke sprang dann an zwei Tagen in der Woche ab 1. September 2012 Dr. Christian Beckereit, der jedoch gleichzeitig seit April letzten Jahres mit Dr. Jens Backe in Kesternich in eine Gemeinschaftspraxis eingestiegen war. Das bedeutete ohne Zweifel eine Doppelbelastung für den anerkannten Internisten und Kardiologen, der als Grund für die Schließung der Praxis in Lammersdorf die zu geringen Patientenzahlen der letzten fünf bis sechs Jahre anführte.

Im Gespräch mit unserer Zeitung ergänzt der Arzt hierzu offen: „Auf dieser Grundlage ist ein wirtschaftliches Betreiben der Praxis so nicht möglich – auch wenn das gerade für mich keine leichte Entscheidung war“. Das dürfte man ihm abnehmen, da er bereits nach kurzer Tätigkeit in seiner Patientenschaft einen ausgezeichneten Ruf zu verzeichnen hatte. Der 52-jährige Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin, der in Minden geboren wurde, verheiratet ist und drei Kinder hat, wohnt im Süden von Aachen und war zuvor im Elisabeth-Krankenhaus Rheydt in Mönchengladbach als leitender Oberarzt tätig.

Zu seinen Beweggründen „aufs Land“ in die Eifel zu gehen, hebt Dr. Beckereit hervor, dass dieser Schritt mit seinem Kollegen Dr. Backe ganz bewusst erfolgt sei und erläutert dazu in Bezug auf künftige Hausbesuche seiner Lammersdorfer Patientenschaft weiter: „Wir wollen von unserer Auffassung her Hausärzte sein. Dazu gehört auch, dass Hausbesuche eine Selbstverständlichkeit sind. Das hat etwas mit Fürsorge und Verantwortung zu tun und dazu stehen wir“. Ferner sei es für ihn im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel auch bezüglich der Hausbesuche vorstellbar, dass er und Dr. Backe in ihrer Kesternicher Gemeinschaftspraxis jemand einstellten, der diese Aufgabe mit übernehme.

Für Lammersdorf sieht Dr. Beckereit noch einen Hoffnungsschimmer: Wenn sich die Voraussetzungen bezüglich Wirtschaftlichkeit bzw. Patientenzahlen änderten, könne er sich vorstellen, noch mal eine „Zweigstelle“ in Lammersdorf zu eröffnen.

Auch wenn man in der Lammersdorfer Bevölkerung nicht über die anstehende Praxisschließung begeistert ist, hat man für die Entscheidung von Dr. Beckereit durchaus Verständnis. Vielfach werden ihm die Patienten nach Kesternich folgen, oder sich eben anderweitig orientieren.

Zum Teil kocht die Volksseele allerdings auch, weil die Politiker vor Ort in dieser Sache nicht bereits im vorigen Jahr, als eventuell noch Handlungsmöglichkeiten bestanden hätten, tätig geworden seien. Robert Johnen (CDU), Ortsvorsteher in Lammersdorf, bedauert die Schließung der Praxis in Lammersdorf „außerordentlich“. Die politischen Kräfte in Lammersdorfer hätten sich „leider wiederholt ergebnislos für den Erhalt der ärztlichen Praxis eingesetzt“.

Ortskartellvorsitzender Sascha Schlepütz beklagt ebenfalls, dass „dörfliche Lebensqualität verloren geht, vor allem für die nicht mobile Bevölkerung.“ Er bedauere sehr, dass der Nachfolger von Dr. Pöppel so schnell wieder aufgegeben habe. „Unter diesen Umständen hat ein neuer Arzt es sehr schwer, in dieser Lage erneut Fuß zu fassen“.

Schlepütz glaubt auch, dass sich die lokale Politik kaum in die Ansiedlung von Ärzten einmischen kann. „Das ist der falsche Ansatz. Als Politik vor Ort kann man Rahmenbedingungen für ein gutes Wohn- und Geschäftsklima beeinflussen. Für die Region war und ist der Erhalt des Krankenhauses sehr wichtig, nicht nur für Notfälle und ortsnahe stationäre Behandlung.“

Franz-Josef Hammelstein (SPD), Vorsitzender des Generationen-, Schul- und Sozialausschusses spricht in Zusammenhang mit der Praxis-Schließung von einem „Drama“. Hammelstein: „Damit wird unser Dorf ärmer.“ Das Thema müsse noch einmal aufgegriffen werden.

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