Leserdiskussion zum Pumpspeicherkraftwerk: Viele Fragen offen

Von: Andreas Gabbert
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Stellten sich an Bord der Stel
Stellten sich an Bord der Stella Maris den Fragen unserer Leser: Prof. Dr. Wolfgang Firk (Vorstandvorsitzender WVER), Dr. Christoph Schöpfer (Projektleiter Trianel), Prof. Dr. Detlef Müller-Böling (Gemeinschaft der sporttreibenden Vereine am Rursee) und Karl-Heinz Hermanns (Bürgermeister Simmerath, v. li.). Moderiert wurde die Veranstaltung von Redakteur Peter Stollenwerk (li.), Leiter der Lokalredaktion Nordeifel. Fotos (7): A. Gabbert Foto: Gabbert

Nordeifel. Nachdem die Stella Maris in Rurberg abgelegt hatte und gemächlich über den Rursee schipperte, nahm die Diskussion an Bord des Schiffes langsam Fahrt auf und schlug auch die ein oder andere Woge. Eine Frage beschäftigte alle: Wie sehen die Risiken beim Bau eines Pumpspeicherkraftwerks aus?

Die Lokalredaktion dieser Zeitung hatte die Leser für Samstag zu einer Fahrt über den Rursee eingeladen, um in diesem eher ungewöhnlichen Rahmen mit Experten und Projektbeteiligten über das geplante Trianel-Pumpspeicherkraftwerk Rursee zu diskutieren. Rund 60 Interessierte waren gekommen, um Christoph Schöpfer (Trianel), Prof. Dr. Wolfgang Firk (WVER), Karl-Heinz Hermanns (Bürgermeister Simmerath) und Prof. Dr. Detlef Müller-Böling (Gemeinschaft der sporttreibenden Vereine am Rursee) kritische Fragen zu stellen.

Wie lange wird gebaut? Wie lange kann kein Wassersport betrieben werden? Was passiert nach einem Jahr? Wie kommt man nachher zum Wildenhof? Welche Rolle werden Strömungen spielen? Was ist mit den Steganlagen? Warum baut man hier ein Kraftwerk, während sie anderswo geschlossen werden? Warum ist immer nur vom Schilsbachtal als Einlassstelle die Rede? Wie konkret sind die Planungen für die Stromtrasse? Geht es nicht auch eine Nummer kleiner? Wie wird der laufende Betrieb aussehen? Wird das Kraftwerk wirtschaftlich arbeiten? Wie hoch werden die Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinde sein? Was passiert mit der Rurseeschifffahrt? Wie sehen die Auswirkungen auf den Tourismus aus? Wer entscheidet über den Bau des Projektes? Was passiert, wenn sich die Kommunen mehrheitlich dagegen entscheiden? Welche Rolle spielen Bürgerproteste?

Die Liste der Fragen war lang und die Antworten darauf meist wenig zufriedenstellend. Immer wieder betonte Christoph Schöpfer, dass noch nichts entschieden sei und noch Änderungen in vielen Bereichen möglich seien. Noch seien viele Fragen offen, noch ständen viele Untersuchungen an, die aber erst Gegenstand der nächsten Projektphase sein könnten. „Noch muss niemand etwas entscheiden”, sagte Schöpfer. Man befinde sich zurzeit im Raumordnungsverfahren, erst im nächsten Schritt, dem Planfeststellungsverfahren, würden die Planungen konkreter. Eine Aussage wie sich der laufende Betrieb gestalten werde, sei bei dem sich verändernden Energiemarkt noch nicht möglich. „Sobald wir mehr wissen, kommunizieren wir das auch”, versprach Schöpfer.

Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns warb dafür, die Chancen und Risiken des Projektes objektiv und vorurteilsfrei zu prüfen. Die Gemeinde Simmerath spreche sich für den Bau des Kraftwerkes aus, wenn die hohe Bedeutung des Tourismus und des Wassersports auf dem Rursee gewährleistet sei. Dabei verfolge die Gemeinde zwei Ziele: eine Verbesserung der angespannten Finanzlage zu erreichen und einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. „Wenn man die Energiewende ernsthaft will, muss man auch zu Kompromissen bereit sein. Es ist nicht möglich, dass hier keiner etwas davon mitbekommt”, sagte Hermanns. Während der Bauphase müsse man deshalb auch bereit sein, Einschränkungen hinzunehmen. „Wenn die Bedingungen stimmen, wird die Allgemeinheit in Simmerath, Nideggen und Heimbach profitieren”, sagte Hermanns.

Wasserwirtschaft im Fokus

Deutlich wurde aber auch, dass die Gemeinde den Prozess lediglich begleiten und Empfehlungen aussprechen kann. Entschieden wird an anderer Stelle. Da ist zum einen der Investor, der entscheidet, ob er überhaupt bauen will. Dann muss der Eigentümer der Talsperre, der WVER, entscheiden, ob er das Vorhaben dulden wird. Schließlich liegt die Entscheidung dann bei der Bezirksregierung in Köln. Im Planfeststellungsverfahren hätten die Bürger die Gelegenheit, ihre Einwände der Bezirksregierung vorzulegen, die dann jeden einzelnen prüfen müsse, erklärte Hermanns.

Sollte der WVER seine Zustimmung verweigern, ist das Projekt gestorben. Danach sieht es aber bislang nicht aus. Es sei nicht Aufgabe des Wasserverbandes, Pumpspeicherkraftwerke zu betreiben, aber man sei sehr interessiert an dem Trianel-Vorhaben und froh darüber, dass ein Investor dazu bereit sei, erklärte Prof. Dr. Wolfgang Firk.

Wichtig sei aber vor allem anderen, dass die Talsperre wasserwirtschaftlich nicht eingeschränkt werde und nutzbar bleibe, ansonsten werde der Verband die Zustimmung verweigern. Die Frage der Duldung werde im Aufsichtsrat intensiv diskutiert, dem Unternehmen Trianel läge eine Fülle an Hinweisen und Fragen vor, die beantwortet werden müssten. „Bei kleinsten Anzeichen, dass sich die Rurtalsperre zu einer trüben Brühe entwickeln würde, wäre klar, dass wir das Vorhaben nicht dulden dürfen”, sagte Firk unter Beifall. Andere Interessen spielen für den WVER offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle. „Der Wassersport auf dem Rursee soll auch zukünftig möglichst erhalten bleiben”, sagte Firk.

Zufrieden waren die Teilnehmer der Diskussion mit den Antworten nur teilweise. „Irgendwie ist das alles noch sehr wage”, lautete das Fazit einer Teilnehmerin aus Schmidt. „Es wird viel versprochen aber keine verlässliche Antwort gegeben”, bemängelte die Geschäftsführerin der Rurseeschifffahrt, Waltraud Heuken.

Ratsmitglied Klaus Stockschlaeder (Grüne) hielt die Ausführungen zwar an manchen Stellen für unbefriedigend, warb gleichzeitig aber auch um Vertrauen in die Ingenieure und „etwas mehr Gelassenheit. „Wenn die konkreten Pläne auf dem Tisch liegen, können wir immer noch über alles reden.”
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