Leo Herpers Rückblick: „Es gab auch einige politische Bakterien”

Von: P. St.
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Dem Wasserwerk Perlenbach 35 Jahre lang die Treue gehalten: Zum 30. November 2009 geht der kaufmännische Leiter Leo Herpers in den Ruhestand. Foto: P. Stollenwerk

Imgenbroich. Pünktlich wie immer und bepackt mit Aktenordnern, wird Leo Herpers am Mittwoch den Sitzungssaal im Verwaltungsgebäude des Zweckverbandes Wasserversorgung Perlenbach in Imgenbroich betreten. Es ist für den 63-jährigen kaufmännischen Betriebsleiter die letzte Sitzung und auch eine der letzten dienstlichen Aufgaben überhaupt.

Nach 35-jähriger Tätigkeit für das Wasserwerk endet für Leo Herpers am Montag, 30. November 2009, ein bewegtes Berufsleben.

Wie kein Zweiter der 54 Mitarbeiter des Nordeifeler Wasserwerks ist Leo Herpers mit der Geschichte des Wasserversorgungszweckverbandes verbunden. Der Verband wurde im Jahr 1971 im Zuge der bevorstehenden kommunalen Neugliederung als Nachfolger der damaligen Kreiswerke Monschau gegründet.

Sechs Eifelgemeinden (Monschau, Simmerath, Roetgen, Nideggen, Hürtgenwald und Kreuzau) lösten ihre eigenen Wasserwerke auf, um einen starken Verband zu bilden, dem sich im Jahr 1987 auch Heimbach noch anschloss. Leo Herpers stieß am 1. Oktober 1974 zum noch jungen Verband, der damals mit strenger und sparsamer Hand von Werkleiter Gerhard Katz geführt wurde.

Anfang der 80er Jahre war es zunächst die Aufstockung der 1956 errichteten Perlenbachtalsperre, die intensiv diskutiert wurde. Letztlich behielten die Interessen des Naturschutzes die Oberhand, sodass das Fuhrtsbachtal von der Flutung verschont blieb.

Wenn man Leo Herpers nach einschneidenden Erlebnissen seines Berufslebens fragt, dann nennt er ein Datum: den 13. Februar 1997. Das war der Tag des Störfalls an der Talsperre. Nach einer langen Frostperiode war die Witterung umgeschlagen. Es wurde plötzlich warm, und die vom Starkregen gefüllten Bäche mitsamt einer Masse von Keimen in der Schmutzfracht stürzten in die Talsperre.

Dieser Attacke war die gute, alte Wasseraufbereitungsanlage Perlenau nicht mehr gewachsen. Die verstärkt entnommenen Wasserproben brachten es dann an den Tag: Coli-Bakterien machten sich im Trinkwasser breit, und in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt wurden die Chlorung erhöht und eine Abkochempfehlung für das jahrzehntelang hochgelobte Perlenbachwasser ausgesprochen. In der Erinnerung von Leo Herpers war dieser Wintertag im Jahr 1997 der Beginn einer „fürchterlichen Zeit.”

Der Fortbestand des Werkes stand auf der Kippe, doch die Verbandsversammlung, die unbedingt am Erhalt des Werkes festhalten wollte, erwehrte sich selbst schwerster Attacken, vor allem von Seiten des Staatlichen Umweltamtes.

Dessen Leiter Wilfried Soddemann führte einen erbitterten Kampf gegen das Wasserwerk, sogar unter Einschaltung der Staatsanwaltschaft, und schon damals verfestigte sich für Leo Herpers der Eindruck, „dass es auch einige politische Bakterien gab”, und nicht allein sachliche Argumente bei der Bewertung des Wasserwerks ins Spiel gebracht wurden.

Im September 2001 wurde dann die neue Flockenfiltration eingeweiht, und für die hochmoderne Anlage, die seitdem störungsfrei arbeitet, interessierten sich sogar schon Fachleute aus China.
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