Lehrer gehen auf die Straße

Von: Alfred Stoffels
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Samba am Kugelbrunnen: Rund 200 (angestellte) Lehrer traten gestern in den Warnstreik, um ihren Forderungen bei den bevorstehenden Tarifverhandlungen Nachdruck zu verleihen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Pädagogen machten viel Krach, allerdings nicht im Klassenzimmer: Mit Sambagetrommel und Trillergepfeife zogen rund 200 Lehrer vom Gewerkschaftshaus in der Harscampstraße zum Kugelbrunnen, um lautstark auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen.

Es war eine Premiere: Zum erstenmal gab es einen Warnstreik des Lehrpersonals in Aachen, unter Beteiligung der Kollegen aus der Städteregion. Von der Resonanz zeigte sich Walter Lohne vom Leitungsteam der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mehr als angetan: „Mit einem solchen Zulauf haben wir nicht gerechnet, das freut uns sehr”.

In den Ausstand traten natürlich nur angestellte Lehrer, die beamteten dürfen nicht streiken. Die Teilnehmer bildeten in Aachen wie in weiteren 15 NRW-Städten die Vorhut für die große Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst, die ab März erwartet wird (bis dahin herrscht bei Verdi zum Beispiel Friedenspflicht). Vorab sollte schon mal ein bisschen Druck auf die Arbeitnehmer ausgeübt werden.

Die Gewerkschaften verlangen unter anderem eine spürbare Einkommensverbesserung (50 Euro plus drei Prozent). Auch geht es ihnen um eine „Weiterentwicklung der Entgeltordnung”, was nichts anderes heißt, als dass Kollegen mit gleicher Ausbildung auch dasselbe Geld erhalten sollen. Konkret: Wer das erste und zweite Staatsexamen hat, soll identisch bezahlt werden, gleich an welcher Schulform er unterrichtet.

Ein dicker Dorn im Auge ist der GEW auch die Zunahme der befristeten Arbeitsverhältnisse, mancher Pädagoge erhält alle paar Monate einen neuen Vertrag. Allein im Beritt des Regierungspräsidiums Köln soll es zurzeit rund 8000 dieser Konstruktionen geben, für die Betroffenen eine nervende Zumutung.

Lohne: „Außerdem ist zu beobachten, dass sich die Schere zwischen zwischen angestellten und beamteten Lehrern immer weiter öffnet”, teilweise gebe es Gehaltsunterschiede von 500 bis 700 Euro. Was auf Dauer zu ganz schlechter Laune führt bei denjenigen, die für sehr viel weniger Geld dieselbe Arbeit leisten müssen.

Beistand für die warnstreikenden Pädagogen gab es am Dienstag von Verdi und der Polizeigewerkschaft GdP. Franz Blatt, stellvertretender Verdi-Geschäftsführer, betonte, der öffentliche Dienst dürfe auf keinen Fall von der allgemeinen Tarifentwicklung abgekoppelt werden. Zugleich bedauerte er, dass die Verhandlungen mit den Arbeitgebern dermaßen ins Stocken geraten seien.

„Alle in einem Boot”

Für Rainer Axer, Vorsitzender der GdP in Aachen, steht außer Frage, dass gerade auf dem Felde der Bildung „gute Leute” eingesetzt werden müssten, und ohne „monetären Anreiz” gehe es nun einmal nicht. Im übrigen gelte für den gesamten öffentlichen Dienst: „Wir sitzen alle in einem Boot.” Gut ein Viertel aller Lehrer befindet sich im Angestelltenverhältnis, so dass in Aachen und dem früheren Kreisgebiet diverse Unterrichtsstunden ausgefallen sein dürften, so jedenfalls Lohnes Informationen. Bei der Städteregion und der Stadt Aachen hieß es allerdings, man habe keine Anhaltspunkte dafür, dass der Warnstreik große Auswirkungen gehabt habe.

Ein Demonstrationsteilnehmer wies darauf hin, dass manche Schulleiter sehr ungehalten auf den bevorstehenden Warnstreik reagiert hätten und dass beamtete Lehrer für ihre angestellten Kollegen hätten einspringen müssen, was im Grunde nicht zulässig sei.

Die Arbeitnehmerorgansiationen des gesamten öffentlichen Dienstes bereiten sich derweil auf die Neuaufnahme der Tarifverhandlungen in der kommenden Woche vor. In Düsseldorf ist aus diesem Anlass eine große Kundgebung geplant.
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