Lebensraum der Biber zerstört

Von: Julia Bäumler
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Die Kall bietet auch im Bereic
Die Kall bietet auch im Bereich Kranzbruch ideale Bedingungen für die vom Aussterben bedrohten Biber. Umso trauriger, dass Unbekannte nun den Staudamm, ein wahres Kunstwerk dieser tierischen Baumeister, mutwillig zerstört Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. „Ich war geschockt und frustiert, als ich bei einem Nachmittagsspaziergang entdecken musste, dass der Biberdamm offenbar vorsätzlich von Menschenhand zerstört worden war,” berichtete Claudia Wendt, Bürgerinn aus Simmerath, letzte Woche von einem Naturfrevel.

Die Ereignisse in der Nähe ihres Wohnortes sorgten bei der Pädagogin der Förderschule in Eicherscheid für Kopfschütteln: „Man solle diese tollen Tiere, die eine Besonderheit der Eifel darstellen, doch in ihrem Lebensraum existieren lassen”, so Claudia Wendt.

Wiederansiedlungsprojekt

Der Biber ist für unsere Region tatsächlich etwas Besonderes, wie auch Dr.Manfred Aletsee, Mitarbeiter der biologischen Station in Aachen weiß: „In den 80er Jahren wurde ein Dutzend dieser gefährdeteten Tiere im Rahmen eines Wiederansiedlungprojekts im Hürtgenwald ausgesetzt und verbreiteten sich danach sehr schnell über die Jahre hinweg. Mit der Zeit siedelten sich die Biber auch im Naturschutzgebiet Kranzbruch an und verbreiten sich an der Kall.

Hier in der Region baue der Biber allerdings keine richtigen Biberburgen, wie man sie vielleicht aus Filmen kenne, sondern lediglich Dämme, erklärt der Experte der biologischen Station. Dies sei dadurch begründet, dass ihm hier viele Böschungen zum Unterschlupf dienen können, die er durch ein Loch, welches er unter Wasser gräbt, erreicht. Der Biber ziehe seine Jungen oberhalb des Wasserobfläche, aber unterhalb der Böschung, also sehr geschützt, auf.

Den Damm selbst, der zum Stauen des Wassers diene, baue der Biber nur aus Pflanzenmaterial sowie Schlamm zusammen. Ist der Damm einmal fertig, heißt das jedoch nicht, dass der Biber nichts mehr zu tun hat. „Die Dämme müssen immer wieder mit Schlamm ausgebessert werden, da sie sonst von der Strömung oder von dem womöglich örtlichen Gefälle weggeschwemmt werden”, berichtet Dr. Aletsee.

Die hiesigen Sumpfvegetationen entsprechen dem Lebensraum des Bibers, da er sich im Sommer von Unterwasserpflanzen ernährt und interessanterweise nur im Winter Holz fresse. Außerdem gehören auch Weiden zur Ernährung dieser Tiere, weiß Hermann Carl, Naturkenner und Gründer der „Rollenden Waldschule”.

„Wenn die ersten 45 Zentimeter der Weiden abgefressen sind, ziehen die Biber hundert Meter weiter und kommen erst nach einigen Jahren wieder zurück, sobald die Weiden nachgewachsen sind”, erklärt Carl.

Der engagierte Naturfreund aus Monschau schließt aus, dass die Beschädigungen des Biberdamms am Kranzbruch durch eine Weiterwanderung des Bibers zustande gekommen sind. „Der Zerfall eines Biberdammes hätte anders ausgesehen und dauert deutlich länger”, ist Hermann Carl überzeugt und bedauert den Vandalismus durch Menschenhand.

„Es ist schade, dass manche Leute einfach keinen Respekt mehr vor der Natur haben. Die Biber stören schließlich keinen in ihrem Gebiet und deshalb gibt es auch keinen Anlass, ihnen das Leben zu erschweren”, meint auch Dr.Manfred Aletsee.

Frische Fraßspuren

Umso erfreulicher war es, Anfang der Woche zu hören, dass der Biber durch die Zerstörung nicht vertrieben worden ist, sondern seinen Damm nach zwei bis drei Tagen wieder selbst aufgebaut hat, wie Hermann Carl entdeckte. „Zur Zeit ist mindestens ein Biber hier am Werk. Dies kann man an den frischen Fraßspuren und am Wiederaufbau des Dammes erkennen”, berichtet Carl.

Auch Claudia Wendt war erleichtert zu hören, dass der Biber weiterhin in dieser Gegend lebt und sich nicht durch solche Aktionen vertreiben ließe. Sie hofft und wünscht sich, dass Spaziergänger, Jogger und andere „Zweibeiner” in Zukunft einen großen Bogen um diesen sensiblen Bereich machen.
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