Lebensgefährliche Sprünge vom Geländer

Von: P. St.
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Nicht gerade ästhetisch wertvoll, aber hochwirksam: Eine stabile Absperrung soll unvernünftige Menschen davon abhalten in den Überlauf zwischen Obersee und Rursee in Rurberg zu springen. Foto: P. Stollenwerk

Rurberg. Frei ist der Blick auf Kermeter und Honigberg, wenn sich der Gast über den Paulushofdamm in Rurberg Richtung Nationalpark Eifel bewegt. Das liegt auch daran, dass der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) schon vor einiger Zeit den Bewuchs auf der Dammkrone zurückgeschnitten hat, um das Panorama von Wald und Wasser wieder in den Blickpunkt des Betrachters zu rücken. Nun aber gibt es seit gut vier Wochen ein neues, allerdings weitaus verstörenderes Blick-Hindernis auf dem Damm.

An beiden Seiten wurden in Höhe des Überlaufs Obersee/Rursee Bauzaun-Reihen aufgestellt. Auch dies geschah auf Veranlassung des WVER.

Immer wieder seien in diesem Sommer Leute beobachtet worden, die vom Geländer hinunter ins Überlaufbecken gesprungen seien, erläutert WVER-Sprecher Marcus Seiler die Notwendigkeit dieser Sicherungsmaßnahme.

Nun stellt ein funktioneller Bauzaun als solcher sicherlich nicht gerade eine optische Bereicherung des Umfeldes dar, doch im Falle Rurberg kommt noch hinzu, dass die hier verbauten Zaun-Elemente schon bessere Tage gesehen haben und offenbar schon so manche gewaltsame Attacke aushalten mussten.

Auch die fast kunstvolle Verknotung der Einzelteile mit Ketten und Vorhänge-Schlössern wurde mit großer Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit vorgenommen. Stabil jedenfalls ist der Zaun. Seinen Zweck hat er bislang auch erfüllt und nachhaltig Leute davon abgehalten, ihr Mütchen mit lebensgefährlichen Sprung in den Rursee bei vier bis fünf Metern Fallhöhe zu kühlen.

Den Überlauf in Rurberg gibt es schon seit rund 60 Jahren und es hat in dieser Zeit trotz mehrfach aufgestellter Warnschilder auch schon hin und wieder Sprünge von der Dammkrone ins Wasser gegeben, aber in diesem Jahr hat die anhaltende Wärmephase wohl einen besonders starken Schub ausgelöst, vom gegenüberliegenden Badesee im Rurseezentrum mal auf einen Sprung am Überlauf vorbeizuschauen.

Hinzu komme, erläutert Marcus Seiler weiter, dass der Hauptsee für die Jahreszeit einen außergewöhnlich hohen Wasserstand aufweise und sich daher in den Überlauf zum Obersee zurückstaue. Der Grund dafür liege im lang anhaltenden und regenreichen Winter. Normalerweise zeige sich im Juli/August bereits der blanke Betonboden des Überlauf-Bauwerks, von dem dann wenig Reiz ausgehe, sich hinunter zu stürzen.

Auch wenn der WVER derzeit verstärkt Wasser in die untere Rur bei Schwammenauel ablässt, liegt der Rursee-Pegelstand aktuell bei gut 275 Metern, nur sechs Meter unter Vollstau.

Mit der Wärmephase Anfang Juli begann das Problem, dass vermehrt Sprünge vom Geländer festgestellt wurden, so dass der WVER mit der Absperrung konterte.

Jetzt, wo der Rursee langsam sinkt, „ist es richtig gefährlich zu springen, da von oben kaum einzuschätzen ist, wie viel Wasser sich noch über dem Betonboden befindet“, warnt Marcus Seiler eindringlich davor, die Absperrung zu ignorieren. „Das wird jetzt von Tag zu Tag riskanter.“

Schon vor Jahren hatte der WVER am 1,20 Meter Geländer einen Übersteigungsschutz montiert, was einige Leute aber nicht davon abhielt, dann eben direkt von der Geländer-Brüstung zu springen. „Nun haben wir die Notbremse gezogen und den Zaun errichtet“, so Marcus Seiler, denn offenbar würden die Warnhinweise ihre Wirkung verfehlen.

Im vorigen Jahr sei eine solche Absperrung erst gar nicht erforderlich gewesen, da der Sommer 2012 sich von seiner kühlen Seite zeigte und außerdem der Rursee Niedrigwasser aufwies.

Solange aber das Sommerwetter anhält und die Leute zum Baden an den See kommen, soll der Bauzaun stehen bleiben. Seiler: „Wenn die Gefahr vorbei ist, wird der Zaun wieder abgebaut.“

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