Heimbach - Leben im Kloster: Die laute Welt bleibt einfach draußen

Leben im Kloster: Die laute Welt bleibt einfach draußen

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
Kloster Mariawald
Das Kloster Mariawald, hoch über Heimbach auf dem Höhenrücken des Kermeter gelegen, zieht immer wieder Gäste an. Foto: Hahn

Heimbach. Klar: Erbsensuppe, Likör und ein paar andere Dinge haben auch in Mariawald ihren Preis. Doch das Wertvollste bekommt der Besucher geschenkt: Gastfreundschaft, Gebet und eine Stille, die in menschlichen Maßen kaum noch gewogen werden kann.

Denn Deutschlands einzige Trappisten-Abtei, hoch über Heimbach auf dem Höhenrücken des Kermeter gelegen, zieht immer wieder Gäste an, die das Kloster der Mönche als geistliches Kraftwerk schätzen und aufsuchen. Nach Jahren der Abwesenheit vom Ort wagte auch der Berichterstatter der Dürener Zeitung einen Selbstversuch und bezog für ein Wochenende Quartier im Gästehaus.

Bei der Ankunft ist es noch nicht einmal 16 Uhr. Dennoch dämmerts schon rund um das historische Gemäuer an der L 249. Während die letzten Touristen im beliebten, von Angestellten der Abtei geführten Restaurant Erbsensuppe löffeln und (von Mitbrüdern des selben Ordens in Belgien hergestelltes) Bier trinken, führt der erste Weg die Treppe auf der rechten Seite der Einfahrt herab.

Nach wenigen Schritten grüßt den Besucher das Wappen der Abtei am Eingang zur Pforte. Und wenn der Gast dann noch die schwere rote Türe öffnet, ahnt er, dass er einen Ort betritt, in dem die Gesetze dieser Zeit nur bedingt und nicht in ihrem vollen Umfang gelten.

Da gibt es keinen neumodischen Empfangstisch, wie er mittlerweile in jedem zweitklassigen Supermarkt gang und gäbe ist. Eine altmodische Holztür gilt es zu öffnen. Dann betritt man einen nicht gerade großen Raum, in dem ein Münztelefon den einzigen Bezugspunkt zur Moderne bietet. Fixpunkt in jenem Zimmer ist ein kleines Milchglasfenster, daneben eine Klingel.

Wer Glück hat und die Schelle tönen lässt, sieht nach wenigen Augenblicken den ersten Trappisten vor sich, einen älteren Herrn von schwer zu überbietender Liebenswürdigkeit: Bruder Famian, den Gästebruder von Mariawald. Aber ehe der die Tür aufschließt, verrät ein Schriftzug im Boden, dass Gäste nach der Regel des heiligen Benedikt, die auch die Mönche der Abtei auf dem Kermeter befolgen, ein hohes Gut sind: „Salve”, „sei gegrüßt”, heißt es dort in altmodischen Lettern.

Die Gästezimmer, die Männern vorbehalten sind, wirken aufs Erste schlicht, sogar ein wenig streng. Trotzdem wirken sie wohltuend. Kein Design, kein Fernseher, kein stilistischer Schnickschnack. Nichts soll ablenken. Stille, Gebet, die laute Welt draußen lassen - das ist hier Programm. Dazu gehört das selbstbewusste, unaufdringlich gelebte Anderssein der Mönche.

Sie sind einfach da und gönnen sich in einer auf Kosten-Nutzen-Denken versessenen Gesellschaft den Luxus, fünf Stunden pro Tag fürs Stundengebet sowie andere Formen von Gottesdienst und Betrachtung zu reservieren. Daran kann der Gast Teil haben. Das ist das Plus von Mariawald und der Grund, warum viele Menschen das ganze Jahr hindurch diesen einzigartigen Ort im Süden des Kreises Düren aufsuchen.

Einige dieser Menschen haben sich zu einem Gregorianik-Seminar angemeldet. Traditionen sind wichtig in Mariawald - selbst in musikalischer Hinsicht. So sitzen Mönche und Gäste an einem Samstag in einem Raum an der Pforte zusammen, darunter auch Frauen - die nächtigen in einem separaten Trakt des Klosters.

Alexandra Prinz aus Großhau ist dabei, die bei Mittelalter-Märkten wie dem auf Burg Satzvey als Spielfrau „Amsel von Nydeggen” auftritt und ansonsten von Herzen gern in (Kirchen-)Chören mitsingt. Irmgard May aus Nideggen macht gleichfalls mit. Sie kennt und schätzt das Kloster bereits seit 1981.

Heinz Hanf aus Blens hat beim Hin- und Herpendeln zur Arbeit in Mannheim immer wieder bei den Benediktinern von Maria Laach Station gemacht und ist so mit dem Gregorianik-Virus „infiziert” worden. Ein weiterer Besucher hat die Abtei als Ort der Stille immer mehr kennen und schätzen gelernt.

Die weiteste Anreise hat jedoch Johannes Elshoff aus Kleve am Niederrhein hinter sich: Daheim singt er in einer Schola (so wird eine Gruppe von Gregorianik-Sängern genannt) mit. Im Brotberuf arbeitet er als Pflegedienstleiter. Über die Website des Klosters hat er von dem Wochenend-Kurs erfahren.

Unter der Leitung der Musikwissenschaftlerin und Kirchenmusikerin Inga Behrendt aus Graz machen sich die Seminar-Teilnehmer ans Werk. Die, die aus der Welt außerhalb des Klosters kommen, bilden von ihrem Herkommen in jedem Fall einen getreuen Spiegel der Menschen, die Mariawald als Ort der Besinnung aufsuchen.

Für sie und andere Leute macht ein Umstand die Faszinationskraft der Trappistenabtei aus: Dass hier Mönche auf eine sehr unbedingte Weise ihre Liebe zu Gott leben - so intensiv, dass sie leichten Herzens ihren Nächsten davon abgeben können.

Es ist ein Leben für zutiefst ausgeschlafene Menschen. Das wird nirgends deutlicher als um 4 Uhr in der Frühe, wenn sich die Trappisten zum ersten gemeinsamen Gebet des Tages in ihrer ergreifend schlichten Kirche einfinden - für rund anderthalb Stunden. Raum für Schweigen gibt es auch hier: Die beiden Hälften der Vigil, so der Name der Gebetszeit zwischen Nacht und Dämmerung, werden von rund 20 Minuten stillen Gebets unterbrochen - die Gäste können wahlweise von der Empore oder vom Mittelschiff der Kirche aus teilnehmen. Die Welt von Mariawald gehorcht halt anderen Gesetzen.

Deutlich wird das an Tagen wie dem 6. Januar (Drei Könige/Epiphanie) oder dem 8. Dezember (Hochfest der Unbefleckten Empfängnis): Landauf, landab arbeiten dann die Menschen im Büro oder an der Werkbank - nur nicht in Mariawald. Dort ist dann Feiertag im Kloster.

Viel Stille, wenig Unterhaltung

Das Leben gegen den Zeitgeist leben: Diese ganz andere Kultur lockt den Gast an und fordert ihn heraus. Viel Stille, wenig Unterhaltung im landläufigen Sinn - die grandiose Ruhe, die vom Lebensstil wie vom Gesang der Trappisten ausgeht, die Stille, die von keiner Art des Entertainments zugedeckt wird, braucht den, der das spürt. Die einfache Ausstattung der Gästezimmer, der Verzicht auf jeden Schnickschnack hilft bei der Konzentration.

Alles Schwere des Alltags fällt sofort ab; eine tief greifende Erholung setzt ein - nicht nur, aber auch dank der besonders liebevollen Betreuung durch Gästebruder Famian.
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