Laubwald im Hoscheiter Venn wird weiter bewirtschaftet

Von: Heiner Schepp
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So still und regungslos sie von oben aussehen, so viel Bewegung brachten die Roetgener Wälder und Bäume in die letzte Gemeinderatssitzung. Ganze drei Stunden diskutierten die Parteien über deren Zukunft – die Grünen und die Vertreter der CDU lieferten sich dabei hitzige Wortgefechte.

Roetgen. Von weihnachtlichem Frieden konnte in der letzten Sitzung des Roetgener Gemeinderates keine Rede sein, im Gegenteil: Der Baum brannte – und das buchstäblich. Über vier Stunden benötigten die 30 gewählten Volksvertreter alleine für die 26 Tagesordnungspunkte im öffentlichen Teil der finalen Zusammenkunft 2014, bei der es geschlagene drei Stunden um Bäume und Wald ging.

Ergebnisse: 1. Die Gemeinde beschreitet nicht den Klageweg gegen den Stadt Aachener Windpark im Münsterwald. 2. Roetgen bekommt keine Baumschutzsatzung. Und 3.: 21 Hektar Laubwald im Hoscheiter Venn und Quellgebiet von Dreiläger- und Schleebach verbleiben in der Waldbewirtschaftung gemäß Forstwirtschaftsplan.

„Wertvoller Übergangswald“

Die Herausnahme des „naturschutzfachlich sehr wertvollen Übergangswaldes“ aus der forstlichen Nutzung, dessen südwestliche Grenze linksseitig entlang der B 258 zwischen Roetgen Ortsausgang und Fringshaus verläuft, hatte die Fraktion der Grünen beantragt. Das Naturschutzgebiet solle unter Beteiligung der Biologischen Station gemäß deren Maßnahmenkonzept aus dem Jahr 2011 weiterentwickelt werden.

„Die Entnahme der Fichten dort ist auch im Sinne des Naturschutzes gewollt und geboten; auf Holzernten im Laubwaldbestand wird dagegen ab sofort verzichtet, der Forstwirtschaftsplan ist entsprechend zu ändern“, hieß es im geänderten Beschlussvorschlag der Grünen, die zudem mit der Maßnahme reichlich Ökopunkte auf das Konto der Gemeinde fließen sehen.

Gemeindeförster Wolfgang Klubert bezog ausführlich Stellung zum Ansinnen der Grünen und legte dar, warum ein Nichtbewirtschaften der Abteilungen 6, 9 und 10 des Gemeindewaldes negative ökologische, ökonomische und soziale Folgen haben werde. Klubert rechnete einen fünfstelligen Ertragsverlust vor und unterstrich, „dass die geplanten, sanften Durchforstungen dem Eichen- und Birkenbruchwald nicht schaden, sondern ein Beitrag zur Erhaltung sind“. Auch die von den Grünen bemängelten Schäden durch Einsatz von Forstmaschinen wies Wolfgang Klubert von der Hand, da das Rücken bodenschonend auf ausgewiesenen Linien geschehe.

Die beiden großen Fraktionen stärkten dem Gemeindeförster den Rücken. Helmut Mulorz (SPD) hatte bei der Waldbegehung mit dem Förster „kein wertvolles Biotop“ gesehen, wobei die geplanten Maßnahmen keineswegs dem Naturschutz widersprächen und durchaus eine behutsame Entwicklung zuließen. Michael Seidel (CDU) bewertete den Antrag der Grünen als „legitim, aber auch unser Eindruck ist, dass der Förster sehr behutsam mit unserem Wald umgeht und nicht vorrangig monetär denkt“.

Das sah Gudrun Meßing, stellvertretende Fraktionschefin der Grünen anders: „Forstwirtschaft ist Wirtschaft. Da geht es um Geld. Ihnen ist ein positives Ergebnis wichtig – komme was wolle“, kritisierte sie den Forstleiter. „Dieser aggressive Unterton gegen Herrn Klubert stört mich.

Das klingt so, als wolle er alles kaputt machen“, bezog Wolfgang Schruff (CDU) Stellung für den leitenden Forstbeamten, doch Bernhard Müller (Grüne) setzte noch einen drauf: „Sie liefern dem Rat hier tendenziöse Informationen ab, statt neutral zu bleiben“, sagte Müller, und sein Fraktionssprecher Gerd Pagnia bedauerte, „dass der Forstwirtschaftsplan offenbar in Stein gemeißelt ist und man einfach nichts ändern darf“.

Zwischen den Stühlen sah sich die UWG: „Wir sehen unseren Wald bei Herrn Klubert gut aufgehoben, haben aber auch ein hellgrünes Herz“, bekannte Silvia Bourceau und nagelte den Gemeindeförster auf die Bemerkung fest: „Eine Stilllegung dieser Flächen wäre im Moment das Falscheste, was wir machen können.“

Forstwirtschaftsplan 2015

Bei der von den Grünen beantragten geheimen Abstimmung stimmten dann immerhin noch vier Ratsmitglieder mit den fünf Grünen-Vertretern, deren Antrag aber mit 20 Stimmen abgelehnt wurde. Beim folgenden Votum über den Forstwirtschaftsplan 2015 blieben die fünf grünen Nein-Stimmen unter sich. „Das liest sich alles sehr positiv“, lobte Helmut Mulorz das vorgelegte Zahlenwerk und frotzelte: „Im Gegensatz zu den Nachbarkommunen erliegen wir auch in Zeiten defizitärer Haushalte nicht der Versuchung, mehr Holz einzuschlagen, um höhere Gewinne zu machen.“

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