Langer Weg zum Ziel der schönen Qualen

Von: M. S.
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Erschöpft – aber glücklich und mit freiem Kopf! Friedhelm Braun (rechts) und sein Freund Richard Schmidt rasten nach kräftezehrender Etappe in den Pyrenäen. Foto: Manfred Schmitz

Simmerath. „Das unruhige Herz ist die Wurzel der Pilgerschaft. Im Menschen lebt die Sehnsucht, die ihn hinaustreibt aus dem Einerlei des Alltags und aus der Enge seiner gewohnten Umgebung. Immer lockt ihn das Andere, das Fremde. Doch alles Neue, das er unterwegs sieht und erlebt, kann ihn niemals ganz erfüllen. Seine Sehnsucht ist größer.“

Gedanken und Erkenntnisse, als hätte der große Denker und Heilige, Augustinus, bedeutendster Theologe des lateinisch–christlichen Altertums, sie dem Simmerather Friedhelm Braun ins Stammbuch geschrieben. Er wird, begleitet von seinem Freund Richard Schmidt aus Marmagen, am 11. Juni zu seiner bereits sechsten Pilgerreise aufbrechen.

Und das per Pedes, immer auf der weltberühmten Route nach Santiago de Compostela in Spaniens äußerstem Nordwesten. Stets auf den Spuren des heiligen Jakobus und dessen wegweisendem Wallfahrersymbol, der Muschel, die nach dem Apostel und einem Lieblingsjünger Jesu benannte Stadt liegt, sagen die Iberer, im wild-romantischen Landstrich Finisterre, „wo die Welt im Atlantik versinkt“.

Friedhelm Braun ist gelernter Kaufmann und Gastronom. Er betreibt in neunter Generation das Hotel–Restaurant „Zur Post“ in Simmeraths Ortskern. Der 71–Jährige möchte sein gepflegtes Haus, bei Einheimischen, Vereinen wie auswärtigen Gästen gleichermaßen beliebt, „führen, so lange mir der Herrgott die Kraft dazu gibt, ich fühle mich guter Nordeifeler Gastfreundschaft verpflichtet“.

Früher, erinnert er sich gern an sein Schlüsselerlebnis, „unternahm ich gerade zu Advent interessante Reisen mit dem verstorbenen, aber unvergessenen Diakon in Simmerather Pfarreien, Friedhelm Grewe. Er zeigte uns etwa Salzburg oder den Harz“. Dann fiel Braun Grewes Buch über dessen Erfahrungen als Wallfahrer in die Hand: „Ich war einfach fasziniert! Mein Freund Richard und ich zögerten keine Sekunde: Lass´ uns den Jakobsweg machen!“

2008 erwies sich die Startetappe gleich als die schwerste. Sie führte über 300 Kilometer von St. Jean Pied de Port, ein raues Stück durch die Pyrenäen, 1400 Höhenmeter mussten die Wanderer überwinden. „Da waren wir manches Mal regelrecht platt, gerieten an psychische wie physische Grenzen. Doch nach erholsamer Nacht waren wir wieder fit und freuten uns geradezu auf körperliche Strapazen in atemberaubend schöner Landschaft, dazu in Gemeinschaft Gleichgesinnter. Unsere Köpfe wurden klar, die Muskelkater schwanden Schritt für Schritt“, erzählt Braun.

2009 hießen Start und Ziel Bourgos/Astorga, ebenfalls 300 Kilometer voneinander entfernt. Nach einem gleich langen Streckenabschnitt wurde 2010 schließlich der Preis für Schweiß und körperlich–mentale Mühen gewonnen; die Freunde zogen erschöpft in die Kathedrale von Santiago ein, zugleich erleichtert und in einem unbeschreiblichen Glücksgefühl. Nach kurzer Regeneration am Ziel ihrer „schönen Qualen“ hängten sie, quasi zur Krönung ihrer erlebnisreichen Finaltour, eben ´mal noch hundert Kilometer quer durch Finisterre an.

Für jeden ihrer beeindruckend unvergesslichen Märsche kalkulierten sie einschließlich Pausen rund 14 Tage, täglich legten sie so im Schnitt an die 30 Kilometer zurück. Nach der vierten Zielankunft plagten Friedhelm Braun einmal Zweifel: „Warum tust du dir solche Anstrengung an? Ich wollte aufgeben, aber spätestens nach zwei Monaten daheim in der Eifel packte mich wieder das Reisefieber.“

Im kommenden Juni wird folglich vom agilen Eifelduo Braun/Schmidt der sogenannte „nördliche Weg“ unter die Wanderstiefel genommen. Er führt immer an der französisch/spanischen Küste entlang („Camino del Nord“). Lange machten Wallfahrer aller Herren Länder auf dem Weg zum Apostelgrab die zwiespältige Erfahrung, dass ihnen unterwegs entweder nur überfüllte Massenschlafsäle ohne Komfort geboten wurden, oder aber Sterne–Hotels, die vom Normalbürger schwindelerregende Preise für Kost und Logis verlangten. Diese Zeiten, bestätigen Braun und Schmidt, „sind gottlob vorbei.“

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